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Stadt Wunstorf K+S will Kaligrube schon ab Mitte 2021 fluten
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf K+S will Kaligrube schon ab Mitte 2021 fluten
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19:03 31.07.2019
Uwe Seegers (links) und Hartwig Hassink nehmen oben am Schacht Kolenfeld einen Förderkorb mit dem Teil eines Bohrwagens in Empfang. Quelle: Sven Sokoll
Bokeloh/Kolenfeld

Nach dem Ende der Kaliförderung in Sigmundshall vor Weihnachten haben unter Tage die Arbeiten begonnen, das bisherige Bergwerk in seinen endgültigen Zustand zu bringen. Darum kümmern sich vier Jahre lang 128 verbliebene Mitarbeiter unter Tage. Die Hälfte hat die Aufgabe, die nicht mehr benötigten Ausrüstungen wie 160 große Fahrzeuge und fast 70 Kilometer Bandanlagen auszubauen und über den großen Schacht Kolenfeld an die Erdoberfläche zu bringen. „Der Schacht bekommt allerdings noch eine schnellere Fördermaschine“, sagte Produktionsleiter Henning Korte. Für einen Transport aus 940 Metern Tiefe werden derzeit jeweils 40 Minuten benötigt.

Die andere Hälfte der Mannschaft ist in der Tiefe dabei, kleinere Wege aufzusprengen und mit dem gewonnenen Material die großen Hohlräume zu verfüllen, die nach dem Abbau unter der Erde verblieben sind – insgesamt 2,5 Millionen Kubikmeter. Damit soll das gesamte Gebilde wie gesetzlich gefordert so stabilisiert werden, dass sich die Erde an der Oberfläche möglichst nicht setzen kann. Ein Gutachten hat den Plan vorher bestätigt. Im ersten Halbjahr sind gut zwölf Prozent der geplanten Arbeiten erledigt worden, Korte sieht das Projekt deshalb gut im Plan.

Die Bergleute bewegen sich beim Rückbau zunächst auf der untersten 1400-Meter-Sohle von den Rändern nach innen und dann weiter nach oben. Mitte des nächsten Jahres soll die unterste Sohle auf 1400 Metern geräumt sein, sodass die Mitarbeiter dann auch nicht mehr ganz so hohen Temperaturen ausgesetzt sein werden.

Werk soll mit Sole geflutet werden

Für die nächsten Arbeitsschritte haben sich nach Wünschen aus der Kasseler Konzernzentrale die geplanten Abläufe im Frühjahr noch einmal verändert. Ursprünglich wollten die Verantwortlichen erst nach dem Ende der Vorbereitung ab 2023 fluten. „Die Idee ist jetzt, dass wir schon Mitte 2021 damit abschnittsweise beginnen“, sagte Werksleiter Gereon Jochmaring. Dahinter steht der Wunsch von K+S, salzhaltige Haldenabwasser aus anderen Standorten in Niedersachsen und der Werra-Region zu entsorgen.

Eigentlich wollten die hiesigen Planer für die ebenfalls vorgeschriebene Flutung Wasser aus dem Mittellandkanal verwenden, doch die Sole hat aus ihrer Sicht auch Vorteile. „Sie löst kein weiteres Material, was von Vorteil für das Grubengebäude ist. Außerdem bleibt es so in unserem Kreislauf“, sagte Jochmaring. Claudia Janák, die bei Sigmundshall die Genehmigungsverfahren bearbeitet, weist auch darauf hin, dass das außerdem für das Abwasser der eigenen Halde ein Fortschritt ist: „Bisher entsorgen wir es in die Leine“, betonte sie.

Transport der Sole bedeutet großen Aufwand

Nun stehen die Verantwortlichen vor der Herausforderung, wie die immerhin mehr als 30 Millionen Kubikmeter Wasser am besten zu Sigmundshall transportiert werden können. Das Ziel ist, es einerseits in Bokeloh, anderseits über den Schacht Kolenfeld ins Bergwerk zu bringen, um gleichmäßiger befüllen zu können. Im Hauptstandort kann K+S von Anfang an den vorhandenen Bahnanschluss nutzen, über den dann in jeder Woche 17 Züge kommen müssten. Waggons mit modernster Technik sollen dabei helfen, die Lärmbelästigung gering zu halten.

Für Kolenfeld sollen die Züge die Sole künftig am Haster Bahnhof entladen, das Wasser würde dann durch eine Pipeline weiter zum Schacht geleitet werden. „Dafür werden wir allerdings ein Planfeststellungsverfahren brauchen, das zwei bis drei Jahre dauert“, sagte Jochmaring. Das heißt, dass eine Übergangslösung gebraucht wird. Derzeit ist dafür ein Transport per Lastwagen vom Bahn-Hub in Lehrte zum Schacht Kolenfeld angedacht – das könnte bis zu 250 Fahrten am Tag bedeuten. „Wir suchen mit der Stadt aber Lösungen, mit denen wir die Ortschaften nicht mit dem Lkw-Verkehr belasten“, sagte Jochmaring. Im Gespräch sind die Deponiestraße und ein Feldweg als Trasse.

Auf ein bisher eher verhaltenes Echo bei den Politikern ist diese Information gestoßen, als die Verwaltung sie kürzlich im Verwaltungsausschuss bekannt gegeben hat. Auf Nachfrage sagte Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt, dass zunächst detailliertere Planungen zeigen müssten, wie realistisch die Umsetzung sei. Ein Verkehrsgutachten soll Aufschlüsse geben.

Nach der Anlieferung soll das Wasser unterirdisch in Ausgleichsbehältern gesammelt und von da durch Rohre zu den Einleitstellen geführt werden. Wo genau sie liegen werden, dazu läuft derzeit eine Studie. Klar ist auch, dass an Messstellen künftig jährlich geprüft wird, ob der Untergrund trotz aller Vorkehrungen in Bewegung gerät.

Schuppen macht Platz für Innovationen

Um aber auch neue Wege für Sigmundshall zu gehen, lässt das Unternehmen gerade einen Schuppen abreißen, der künftig nicht mehr benötigt wird. Diese Fläche am Rand des Werksgeländes soll mit einem Bebauungsplanverfahren für andere Nutzungen vorbereitet werden. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Idee ist, Sigmundshall zu einem Ort der Innovationen im K+S-Konzern zu machen. Ein Schlagwort dafür ist New Food, die Suche nach neuen Wegen, Lebensmittel zu produzieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat dem Unternehmen dafür auch eine Förderung von bis zu 20 Millionen Euro zugesagt. Ein erster Versuchsballon war eine kleine Algenzucht auf dem Werksgelände. Auch Externe könnten nach Jochmarings Vorstellung mit Start-ups an diesem neuen Kapitel der Werksgeschichte mitschreiben.

Zuversichtlich ist der Werksleiter, dass das Bergamt bald den weiteren Betrieb der Rekal-Anlage genehmigt, wofür die Antragsunterlagen gerade öffentlich auslagen. Das Recycling von Schlacken aus der Aluminiumproduktion ist ein wesentlicher Teil dafür, um die Halde in den nächsten rund 15 Jahren weiter zu begrünen. Er betont aber, dass, anders als die Grünen die Antragsunterlagen interpretiert haben, weiterhin kein Bauschutt auf die Halde aufgebracht werden soll.

23 neue Stellen sind ausgeschrieben

Da K+S den Rückbau des Bergwerks nun mit einem anderen Ablauf plant, hat der Konzern für die Dauer von zwei Jahren noch 23 zusätzliche Stellen ausgeschrieben. Dafür haben sich auch Mitarbeiter beworben, die schon an andere Standorte gewechselt sind, aber auch aus der Transfergesellschaft PMB. Diese sollte anfangs 163 früheren Mitarbeitern während eines Jahres bei 80 Prozent der Gehalts den Wechsel zu anderen Arbeitgebern erleichtern und nutzt dafür Räume an der Hagenburger Straße.

Der Kreis, der dort betreut werde, hat sich allerdings mittlerweile schon auf 88 fast halbiert. Neue Jobs konnten die früheren Kalikumpel mit Unterstützung von PMB zum Beispiel bei Schacht Konrad finden, wo schwach radioaktive Abfälle eingelagert werden sollen. „Es zeigt sich, dass diese Form Früchte trägt“, sagte Werksleiter Gereon Jochmaring. Er ist auch wegen der starken Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zuversichtlich, dass das Ziel erreicht wird, mindestens 80 Prozent der früheren Kali-Mitarbeiter mit der Transfergesellschaft zu neuen Jobs zu verhelfen. Letztlich hänge es aber auch vom Engagement des Einzelnen ab.

Von einst mehr als 700 hatte sich die Mitarbeiterzahl zum Jahreswechsel auf insgesamt 220 reduziert. Dazu gehört auch das Team, das die Rekal-Anlage bedient.

Von Sven Sokoll und Albert Tugendheim

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