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Stadt Wunstorf „Die Antwort, ob ein Kraftwerk machbar ist, lautet Nein“
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf „Die Antwort, ob ein Kraftwerk machbar ist, lautet Nein“
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17:22 11.11.2019
Das Produktionsende im Bergwerk Sigmundshall war bereits 2018.  Quelle: K+S AG
Wunstorf

Kann das Bergwerk Sigmundshall nach der Stilllegung zum Kraftwerk umfunktioniert werden? Nach Einschätzung des Bergwerksbetreibers K+S wäre eine entsprechende Nachnutzung unter den heutigen Voraussetzungen unwirtschaftlich. K+S Vertreter stellten im Bauausschuss die Ergebnisse einer entsprechenden Sondierung vor, die das Unternehmen auf Antrag des Stadtrats vorgenommen hat. „Technisch ist vieles realisierbar, wirtschaftlich aber nicht“, sagte der K+S Leiter Technik und Energie, Markus Midden.

Kein erprobtes Konzept

In Anbetracht der 2018 begonnenen Aufgabe des Bokeloher Kalibergwerks hatte die Mehrheitsgruppe (SPD, Grüne und FDP) im September angeregt, die Möglichkeit zur Errichtung eines Unter-Tage-Pumpspeicherwerks prüfen zu lassen. Vergleichbare Anlagen in stillgelegten Bergwerken existieren in Deutschland bisher nicht, werden aber an mehreren Orten diskutiert. So machte etwa der Energieversorger RAG entsprechende Pläne im Zuge der Schließung der letzten Ruhrgebiets-ZecheProsper-Haniel in Bottrop öffentlichkeitswirksam bekannt. Konkretisiert haben Sie sich seitdem nicht. Auch für Sigmundshall sieht K+S Bergwerksleiter Gereon Jochmaring keine wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung der erprobten Pumpspeicher-Konzepte. Er riet Politik und Verwaltung davon ab, diesen Weg weiter zu verfolgen – etwa durch Beauftragung einer teuren Machbarkeitsstudie.

So funktioniert ein Pumpspeicher-Kraftwerk

So funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk. Quelle: dpa-infografik

Das Geschäftsmodell eines Pumpspeicher-Kraftwerks basiert auf schwankenden Strompreisen. Ist Strom günstig oder sogar kostenlos verfügbar, wird Wasser aus der Tiefe (hier das stillgelegte Bergwerk) in ein Wasserbecken an der Oberfläche gepumpt. Bei großer Nachfrage fließt dieses Wasser über Turbinen in den unterirdischen Speicher. In Sigmundshall könnte für die Stromerzeugung eine maximale Fallhöhe von 940 Metern ausgenutzt werden. So tief geht es dort unter Tage. Weil ohnehin vorgesehen ist, die Stollen ab 2021 mit Salzlauge zu fluten, könnte man bereits bei der Einleitung des Wassers Strom erzeugen. Bei der sogenannten Laufwasser-Variante, würde das Wasser nicht zurückgepumpt. Es entstünde quasi ein Einweg-Kraftwerk, dass etwa 25-30 Jahre läuft. Dann wären die Stollen vollgelaufen.

Zu aufwendig und zu teuer?

Läuft das Wasser dabei über Turbinen in die Tiefe, ließen sich nach K+S Schätzungen 2700 Megawattstunden Strom im Jahr produzieren. Das entspräche dem Bedarf von rund 750 Haushalten und einem jährlichen Erlös von etwa 135.000 Euro. „Bei einer Amortisierungszeit von mindestens zehn Jahren, ist das für uns überhaupt nicht wirtschaftlich. Da kann man besser Windkraftanlagen bauen“, urteilt Midden. Konventionelle Pumpspeicherkraftwerke kämen seiner Berechnung nach auf einen Erlös von etwa 500.000 Euro pro Jahr. Sie seien in Bergwerken allerdings weltweit noch nicht umgesetzt worden. Bokeloh wäre ein Pilotprojekt –die voraussichtlichen Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Aufwand und Risiko. „Der sensibelste Bereich in einem Bergwerk sind die Schächte“, sagt Jochmaring. Die gefüllten Leitungen wögen rund 300 Tonnen, die senkrecht im Schacht befestigt werden müssten.

Die Ausführungen ernüchterten diejenigen Ausschussmitglieder, die sich mehr von dem Vorhaben erwartet hatten. „Die Antwort, ob es machbar ist, lautet Nein“, sagte die Ausschutzvorsitzende Kirsten Riedel. Eine Machbarkeitsstudie wird es also vorerst nicht geben. Baureferatsleiter Robert Lehmann begrüßte, dass keine Partei dennoch darauf pochte.

Gibt es eine Alternative?

Kritik an der K+S-Analyse gab es aus den Reihen der Bürger. „Es ist eine Strategie des Unternehmens, andere Verfahren abzuwiegeln“, findet der Ingenieur Christian-Heyner Otto aus Luthe. Er verwies auf eine unkonventionelle Form des Pumpspeicherkraftwerks, die von dem Steinhuder Ingenieur Wolfgang Littmann entwickelt wurde. Das Kraftwerk nach dem „Littmann-Konzept“ verlagert die Reservoirs in unterirdische Kavernen (Hohlräume). Midden hält diese Variante für irrelevant. „Wir haben in Sigmundshall keine geschlossenen Kavernen und können sie auch nicht herstellen.“ SPD-Ratsherr Wilhelm Bredthauer schlug vor, dennoch Kontakt zu dem Steinhuder Ingenieur aufzunehmen.

Die Ortsräte Bokeloh und Mesmerode beschäftigen sich am Dienstag, 12. November, mit der Zukunft des Kaliwerks. Um 19 Uhr wird der Betriebsabschlussplan von dem Betreiber K+S in der Grundschule Bokeloh, Am Eichkamp 8, vorgestellt.

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