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Stadt Wunstorf Anlieger der Lütjen Deile bezweifeln Sinn von Schaumbeton
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf Anlieger der Lütjen Deile bezweifeln Sinn von Schaumbeton
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00:20 24.05.2019
Die Lütjen Deile in Steinhude soll ausgebaut werden. Quelle: Sven Sokoll
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Wunstorf

Der geplante Einsatz von Schaumbeton im künftigen Unterbau der Straße Lütjen Deile in Steinhude ruft Kritik der Anlieger hervor. Die Stadt ist gerade auf der Suche nach Firmen, die damit den schon länger beschlossenen Ausbau erledigen können.

Anlieger müssen 90 Prozent der Kosten übernehmen

Bei der ersten Ausschreibung waren die Kosten auf 1,3 Millionen Euro explodiert, das war das Doppelte des Erwarteten. Daraufhin ist die Stadt auf die Suche nach Einsparpotenzialen gegangen. „Das ist ja im Interesse der Anlieger, die 90 Prozent der Kosten übernehmen müssen“, sagt Stadtsprecher Alexander Stockum. Bei dem torfigen Untergrund nah am Steinhuder Meer kamen die Planer darauf, Schaumbeton zu verwenden. Dieser ist deutlich leichter als die klassischen Materialien unter der Fahrbahn und trotzdem stabil. Damit muss vor allem der Untergrund nicht so tief ausgebaggert werden, was teure Entsorgungskosten nach sich ziehen würde.

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Die Stadt hofft, dass sie die Kosten damit zumindest auf rund eine Million Euro drücken kann.Ob die erhoffte Einsparung wirklich möglich sein wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Interessierte Firmen geben am Mittwoch ihre Angebote ab, die dann sorgfältig geprüft werden müssen.

Stadt: Anlieger-Gutachter hält Schaumbeton an Lütjen Deile für möglich

Die Stadt weist darauf hin, dass bei einem Gespräch im März sogar ein von den Anliegern bestellter Gutachter Schaumbeton grundsätzlich für machbar gehalten hat. Wunstorf hat damit noch wenig Erfahrung, andere Kommunen aber schon: Die Verwaltung hat sich sogar ein Beispiel in Cuxhaven angesehen, wo eine damit basierte Kreisstraße auch nach sieben Jahren noch in einem guten Zustand sei, wie Stockum sagte.

Jetzt aber sagen die Anlieger nach einer gemeinsamen Pressemitteilung, dass die ungleichmäßigen Untergründe die Gefahr bergen, dass der Aufbau brechen könnte. Das befürchten sie vor allem deshalb, weil bisher nur auf einen drei Meter breiten Streife Autos gefahren sind, jetzt die Fahrbahn aber breiter werden soll. Der Wunsch nach einer schmaleren Trasse lehnt die Stadt ab. „Begegnungen müssen möglich sein und Rettungsfahrzeuge ordentlich anfahren.“ Außerdem kann der Ausbau an der Oberfläche nur nach dem geltenden Beschluss geschehen.

Die Anlieger hätten laut Mitteilung den Ausbau nicht gebraucht. „Die Planung der Fahrbahn ist auch nicht mehr angepasst worden, nachdem ein separater Radweg gebaut worden ist“, sagt Anliegerin Lu Seegers – auch das habe die Kosten höher ausfallen lassen als notwendig. Dem entgegnet aber Stadtsprecher Stockum: „Der separate Radweg war immer Bestandteil der Planungen.“

In den Auseinandersetzungen mit den Anliegern hat die Stadt mittlerweile auch schon auch zwei Gerichtsprozesse hinter sich gebracht. Thema waren jeweils die Kosten der Hausanschlüsse. In einem Fall hat die Stadt sich durchgesetzt, in einem anderen muss der Kläger der Bescheid nicht in voller Höhe zahlen.

Von Sven Sokoll

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