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Stadt Wunstorf „Unter die Haut“: Fotoausstellung zeigt Trauer-Tattoos
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf „Unter die Haut“: Fotoausstellung zeigt Trauer-Tattoos
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19:09 08.10.2019
Die Trauerbegleiter Bianca Liebe und Roland Johannes zeigen Fotos aus dem Begleitheft zur Wanderausstellung „Unter die Haut". Sie ist vom 19. Oktober in der Wunstorfer Stadtkirche und ab dem 29. Oktober in Neustadts Liebfrauenkirche zu sehen. Quelle: Mario Moers
Wunstorf

Sie zeigen ein Porträt, ein Todesdatum oder einen persönlichen Gegenstand – Trauer-Tattoos sind für immer mehr Menschen ein Weg, mit dem Verlust eines lieben Menschen umzugehen. Die Wanderausstellung „Unter die Haut“ in der Stadtkirche beschäftigt sich mit dem Phänomen, das längst zu einem festen Bestandteil der Trauerkultur geworden ist. Uneingeschränkte Akzeptanz findet diese Form der Körperbemalung allerdings noch nicht, haben die Ausstellungsmacher festgestellt.

Kalkulierte Provokation

„Es gab einige kritische Stimmen, die es überhaupt nicht gut finden, dass wir das zeigen“, erzählt Heike Haendel. Die Koordinatorin des ambulanten Hospizberatungsdiensts Dasein hat die Wanderausstellung mit ihrer Kollegin Sabine Behm und ehrenamtlichen Trauerbegleitern nach Wunstorf geholt. Der Funke Provokation, den die Kombination aus Kirche, Tod und Tattoos auch heute in sich birgt, ist gewollt. „Das Thema ist nicht so angepasst, wie man das von der Hospizarbeit vielleicht erwartet“, sagt Behm. „Unter die Haut“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Magdeburger Trauerbegleiterin Katrin Hartig und der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth. 2002 verlor Harting ihren 13 Jahre alten Sohn bei einem Wildwasser-Kanu-Unfall. Heute leitet die Fernsehjournalistin die sächsische Regionalstelle des Bundesverbands Verwaister Eltern und trauernder Geschwister. Für das dokumentarisch angelegte Projekt „Trauer-Tattoos“ führte sie Interviews mit den Tätowierten. Neben 22 Bildern sind in der Stadtkirche auch Texte zu lesen, die über die individuelle Motivation Auskunft geben.

Ein Trauer-Tattoo aus dem Begleitheft zur Wanderausstellung „Unter die Haut". Sie ist vom 19. Oktober in der Wunstorfer Stadtkirche und ab dem 29. Oktober in Neustadts Liebfrauenkirche zu sehen. Quelle: Stefanie Oeft-Geffarth

Braucht Trauer Verbindung?

Eine wesentliche Qualität des Trauer-Tattoos ist seine Beständigkeit. Dabei widerspricht die vermeintlich lebenslange Verbindung von Farbe und Körper einer Binsenweisheit zur Trauerbewältigung: Wer darüber hinwegkommen will, muss loslassen, heißt es doch. Die Trauerberaterin Tanja Brinkmann vertritt in ihrem Vortrag zum Ausstellungsauftakt am Freitag, 18. Oktober das Gegenteil. „Um den Tod eines Menschen verkraften zu können, kann es sehr gesund sein, eine Verbindung zu ihm zu halten“, so Brinkmann. Um 19 Uhr informiert die Trauerexpertin in ihrem Vortrag „Say hello again – Warum Verbindung zu Verstorbenen häufig heilsam ist“ über neue Forschungserkenntnisse und den Alltag von Betroffenen.

„Unter die Haut“ in Neustadt

In Neustadt wird die Ausstellung „Unter die Haut“ in der Liebfrauenkirche, An der Liebfrauenkirche 5-6, zu folgenden Zeiten gezeigt: 29. Oktober, 14 bis 18 Uhr; 1. und 2. November, 10 bis 16 Uhr; 3. November, 11 bis 13 Uhr. Weitere Auskünfte erteilt der Palliativ-Beratungsdienst Dasein unter (05031) 9490300.

Der Wandel der Trauerkultur, wie ihn Ausstellung und Vortrag dokumentieren, spiegelt sich auch in der Arbeit der ehrenamtlichen Trauerbegleiter in Wunstorf – entstammt also geradewegs der Praxis. „Früher trug man schwarz, heute lässt man sich vielleicht ein Tattoo stechen“, sagt Bianca Liebe. Die schwarze Trauerkleidung würde hier in der Gegend zwar noch praktiziert, vorwiegend von dörflich geprägten Senioren. Im Alltag präsent ist diese jahrhundertealte Tradition dagegen kaum noch. Im Gegenteil – in Todesanzeigen werden Besucher von Beerdigungen mitunter gebeten, „normale“ Kleidung zu tragen.

Die Ausstellung „Unter die Haut“ ist an vier Tagen in der Stadtkirche, Lange Str. 2, zu sehen: Sonnabend, 19. Oktober, 10 bis 16 Uhr; Sonntag, 20. Oktober, 11 bis 13 Uhr; Dienstag, 22. Oktober, 12 bis 18 Uhr und Freitag, 25. Oktober, 10 bis 18 Uhr – sowie nach Vereinbarung unter Telefon (05031) 9490300.

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