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Uetze Hänigsen ist von Bohrschlammgruben umgeben
Aus der Region Region Hannover Uetze Hänigsen ist von Bohrschlammgruben umgeben
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00:35 27.05.2018
Die scheinbare Idylle trügt trügt. Diese Fläche war bis 1975 Hausmülldeponie. Es besteht der Verdacht, dass dort Bohrschlamm deponiert worden ist. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Hänigsen

Die Sanierung der Bohrschlammgrube bei Dachtmissen ist weitgehend abgeschlossen. Ökologische Zeitbomben könnten hingegen noch rund um Hänigsen ticken. Der Regionsverwaltung liegen Hinweise auf mehrere Verdachtsflächen vor, auf denen Rückstande von Bohrungen der Ölindustrie im früheren Hänigser Erdölgebiet deponiert worden sind. Unter den Verdachtsflächen sind auch zwei frühere Hausmülldeponien der ehemaligen Gemeinde Hänigsen, auf den Bohrschlamm gelandet sein könnte.

Ob eine Sanierung der Schlammdeponien notwendig ist, hängt von den Ergebnissen der Untersuchungen ab, die die Region Hannover plant. Diesen Untersuchungen geht eine Gefährdungsabschätzung voraus, bei der geprüft wird, ob Schadstoffe ins Grundwasser oder in den Boden gelangen. „Weiterhin sollen – sofern vorhanden – der Aufbau der Deponieabdeckung und die Zusammensetzung des Deponats erkundet, mögliche Schadstoffkonzentrationen im Oberboden ermittelt und gegebenenfalls die Bodenluft untersucht werden“, erläutert Regionssprecher Klaus Abelmann. Bei einer Grundwassergefährdung schließen sich weitere Untersuchungen an, die laut Abelmann dazu dienen, das Ausmaß einer erforderlichen Sanierung festzulegen.

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Eine Gefährdungsabschätzung plant die Region für die früheren Hausmülldeponien in diesem und im nächsten Quartal. Westlich des Hänser Teermuseums ist eine Geländesenke für die Mülleinlagerung um drei Meter vertieft worden. „Der Müllplatz wurde von der Gemeinde Hänigsen bis 1975 betrieben. Abgelagert wurde Haus- und Sperrmüll. Des Weiteren sollen dort Autowracks abgelagert worden sein“, berichtet Abelmann.

Eine weitere Geländesenke ist nördlich der Bergwerkshalde auf der Westseite des Kasparswegs mit Haus- und Sperrmüll, Boden und Bauschutt verfüllt worden. “Weiterhin besteht der Verdacht, dass auch cyanidhaltige Härtesalze eingelagert wurden“, sagt der Regionssprecher. Diese Deponie wurde ebenfalls bis 1975 betrieben.

Dieses verwitterte Schild weist darauf hin, dass die Hausmülldeponie seit 1975 geschlossen ist. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Für eine Verdachtsfläche, die etwa 350 Meter nördlich der Bundesstraße 188 in Nähe der Seebecke liegt, laufen nach Abelmanns Angaben bereits die Untersuchungen. Für Untersuchungen einer teilsanierten Schlammgrube auf dem Grundstück Seilschlagstraße 4 hat das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim eine Förderung bewilligt. Für die Untersuchung der sogenannten Bohrschlammgrube Schmal 4, die sich etwa einen Kilometer nördlich der Häuser am Kuhlenberg befindet, erwartet die Region Hannover in Kürze einen Bewilligungsbescheid. Auch sie soll noch in diesem Jahr untersucht werden.

Im Umfeld der Bohrschlammgrube Schmal 4 sind möglicherweise während der dortigen Tiefbohrungen noch sieben andere Schlammgruben angelegt worden. Außerdem hat die Regionsverwaltung bei der Auswertung von Luftbildaufnahmen aus den Jahren 1945 und 1948 vier weitere Schlammgruben nördlich von Hänigsen entdeckt. Die untere Bodenschutzbehörde will zunächst erkunden, ob diese Ablagerungsstätten bereits nach Abschluss der Bohrtätigkeit geräumt worden sind.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller