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Uetze Kiffender Lebenskünstler erhält Denkzettel
Aus der Region Region Hannover Uetze Kiffender Lebenskünstler erhält Denkzettel
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15:24 21.11.2018
Das Amtsgericht Burgdorf ist auch zuständig für Straftaten, die sich im Raum Uetze zugetragen haben. Quelle: HAZ-Archiv
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Uetze

Einen langjährigen Kiffer und nicht unbegabten Marihuana-Gärtner hat das Amtsgericht Burgdorf jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der 56-Jährige bekam damit die Quittung für den Anbau der Droge in den eigenen vier Wänden, der ihm so vorzüglich von der Hand gegangen war, dass die Polizei bei ihm mehrere Kilo des berauschenden Pflanzenmaterials fand.

Von Berufs wegen ist der grafisch vorgebildete Mann ein Künstler. Nach eigenem Bekunden malt er Bilder auf Jacken, Wände und Motorradhelme, bekommt dafür Honorare von 150 bis 1000 Euro. Jedoch nicht so regelmäßig, dass er damit seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. So ist er vor allem Lebenskünstler, der nur deshalb kein Hartz IV bezieht, weil er bei seiner Mutter in Sievershausen lebt, wenn er nicht gerade das Haus der Familie in Uetze ausbaut, wie er dem Gericht schilderte. Da er in Uetze nicht nur Bauarbeiten verrichtete, sondern auch Haschpflanzen zur Blüte brachte, musste er sich jetzt vor Gericht verantworten. Und zwar vor dem Schöffengericht, weil die ihm zur Last gelegte Straftat keine Bagatelle, sondern ein Verbrechen ist.

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Polizei stellt 5,5 Kilogramm Hanflaub sicher

Die Polizei fand bei dem Mann nicht nur 42 wohlfeil gediehene Pflanzen sowie schon abgeerntete Blüten mit recht hohem Wirkstoffgehalt, sondern auch die dazugehörige technische Ausrüstung für die illegale Gärtnerei zur Deckung des Eigenbedarfs. Mehr noch: In Mülltüten verpackt fanden Polizisten bei der Hausdurchsuchung im März 2017 weitere fünfeinhalb Kilo Hanf-Laub. Nach einem Gutachten hätte sich der Mann damit fast 8000 Dröhnungen verpassen können. Da lag der Verdacht nahe, dass er Handel treiben wollte.

Belegen ließ sich das nicht. Weder auf dem PC noch auf dem Handy fanden sich Hinweise auf Verkaufsaktivitäten. Auch Verpackungsmaterial oder gar eine Feinwaage besaß der Mann nicht. Was sein Glück war. Sonst hätte das Gericht angesichts der Mengen die Strafe nicht zur Bewährung aussetzen können, wie die Vorsitzende Richterin Stephanie Rohe klarstellte.

Reue legte der Verurteilte, der seit dem 19. Lebensjahr kifft, nicht an den Tag. Er hoffe auf eine Legalisierung seines Drogenkonsums. Notfalls wolle er nach Holland umsiedeln.

Von Joachim Dege