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Uetze Bürger löchern Bauherrn des Biomassekraftwerks mit Fragen
Aus der Region Region Hannover Uetze Bürger löchern Bauherrn des Biomassekraftwerks mit Fragen
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16:21 28.05.2019
Rund 100 Besucher kommen zum Einmauern des Grundsteins (im Vordergrund) für das Biomassekraftwerk und löchern die Betreiber mit ihren Fragen zur Verkehrsbelastung durch die Schwertransporter, die den Brennstoff für die Anlage anliefern. Quelle: Sandra Köhler
Dollbergen

 Wie viele Lastwagen werden täglich das Brennmaterial für das Biomassekraftwerk in Dollbergen anliefern – und was wird dort überhaupt verbrannt? Mit Fragen wie diesen sind rund 100 Bürger am Montagnachmittag zur Grundsteinlegung auf der Baustelle an der Landesstraße 387 gekommen. Der Bauherr, die Firma Dollberger Bioenergie (DBE), hatte die Feier zur Grundsteinlegung in Absprache mit der Gemeindeverwaltung mit einer Informationsstunde für die Bürger verbunden.

 Firma DBE investiert rund 42 Millionen Euro in Dollbergen

Neben der Altölraffinerie im Norden Dollbergens wächst das Biomassekraftwerk bereits in die Höhe. Der erste Turm steht bereits. Die DBE, ein Tochterunternehmen der August Koehler Gruppe, investiert rund 42 Millionen Euro in Dollbergen. Wenn die Anlage, die nach dem Prinzip eines Blockheizkraftwerks arbeitet, voraussichtlich Mitte 2020 in Betrieb geht, wird ein Teil des erzeugten Dampfes direkt in die benachbarte Raffinerie geleitet – für deren Versorgung mit Wärme. Zusätzlich sollen jährlich rund 68 Megawattstunden Strom erzeugt und ins Netz eingespeist werden – genug für 17.000 Haushalte. Bei der Grundsteinlegung am Montag hatten Interessierte ausgiebig Gelegenheit, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern.

Der erste Turm des Biomassekraftwerks ist fast fertig. Schon von Weitem ist das schlanke Bauwerk zu sehen. Quelle: Sandra Köhler

„Wir kommen seit Wochen hier immer wieder mit dem Fahrrad vorbei. Und ich habe mich schon oft gefragt, was das eigentlich wird“, sagte Peter Dürr aus Schwüblingsen. Als er in der Zeitung von der Grundsteinlegung mitsamt Infoveranstaltung gelesen habe, sei ihm sofort klar gewesen: Da wolle er hin, um sich schlau zu machen. Wie Dürr nutzten viele Bürger die Möglichkeit, sich die Baustelle anzuschauen und Fragen zu stellen, die ihnen auf den Nägeln brannten. „Schade, dass es hier keinen Übersichtsplan gibt, wie das später fertig aussieht“, sagte Dürr bedauernd.

Das sind Brennstoffe, wie sie im Kraftwerk zum Einsatz kommen werden: Hackschnitzel, geschredderte Äste und Industrierestholz. Quelle: Sandra Köhler

Dann ließ er sich von Günter Fölting, einem der Geschäftsführer der DBE, mehr über das Material erklären, mit dem das Kraftwerk betrieben wird. „Wir schreddern keine Bäume, sondern verwenden Material, das anders nicht zu nutzen ist“, sagte Fölting: „Zum Beispiel Holz von mit Käfern befallenen Bäumen. Aus denen können Sie keine Bretter mehr schneiden, aber wir können sie nutzen.“ Auch Altholz oder Restholz aus der Industrie werde verwendet. 130.000 Tonnen im Jahr werden davon benötigt. Das Brennmaterial werde aus einem Umkreis von 150 Kilometern per Lastwagen angeliefert werden. Das bedeute 22 Lastwagen täglich, allerdings nicht rund um die Uhr, sagte DBE-Geschäftsführerin Birgit Hagebölling. „Anlieferung ist zwischen 6 und 18 Uhr, am Wochenende kommen keine Lkw.“

Routen für Anlieferverkehr sind kaum vorzugeben

Das rief einen Anwohner aus dem benachbarten Oelerse im Landkreis Peine auf den Plan. Er befürchte,dass der Schwerlastverkehr durch den Ort noch mehr zunehmen werde, wenn das Kraftwerk in Betrieb geht, sagte der Mann. Er wollte wissen, ob es möglich ist, den Lastwagenfahrern Routen vorzugeben, die Oelerse nicht tangieren. Denn bereits jetzt fahren täglich die Tanklastzüge durch den 550-Einwohner-Ort auf dem Weg von der A2 zur Altölraffinerie in Dollbergen. Fölting konnte dem Oelerser wenig Hoffnung machen. Die Anlieferung erfolge über Recyclingunternehmen und nicht mit eigenen Fahrzeugen, deshalb sei es schwierig, die An- und Abfahrwege vorzuschreiben, sagte Fölting. Er bot jedoch an, im Gespräch zu bleiben. Ein anderer Besucher wollte wissen, ob es denn nicht möglich sei, zur Anlieferung die Bahn zu nutzen. Das verneinte Fölting. Da es keinen direkten Anschluss gebe, müsste das Material dann kostenintensiv umgeladen werden.

Betreiber: Anfallende Schadstoffe sind irrelevant

Wie es denn mit Verbrennungsrückständen und Emissionen sei, erkundigte sich eine Bürgerin besorgt. Die Filteranlagen seien auf einen hohen Absorptionsgrad ausgelegt, sagte Fölting, die anfallenden Schadstoffe irrelevant. „Wir bekommen Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wenn wir die Grenzwerte nicht einhalten, bekämen wir diese nicht.“ Für die Gemeinde Uetze,die beim Klimaschutz in der Region Hannover und darüber hinaus eine Vorreiterrolle spielt, sei die Anlage „ein weiterer Schritt in Richtung CO2-freie Kommune“, sagte Bürgermeister Werner Backeberg. Denn durch das Biomassekraftwerk sollen reinrechnerisch 40.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Weiterer positiver Aspekt: Es werden 12 Arbeitsplätze geschaffen.

Von Sandra Köhler

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