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Uetze Herbert Kaiser weiß fast alles über die Uetzer Kirche
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13:04 24.10.2019
Herbert Kaiser will Interessierten die Uetzer Johannes-der Täufer-Kirche zeigen. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Uetze

Der Förderverein „Kirche gestalten – Gebäude erhalten“ der Kirchengemeinde Uetze-Katensen will künftig viermal im Jahr Führungen durch die Johannes-der-Täufer-Kirche anbieten. Vorstandsmitglied Herbert Kaiser, der 20 Jahre lang Kirchenvorsteher war, wird Interessierten das Gotteshaus mit seinen Besonderheiten vorstellen. Der 78-Jährige hat eine enge Beziehung zu der Kirche. Er ist in ihr getauft und konfirmiert worden und hat dort auch geheiratet. Die erste Führung ist für Dezember geplant. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Gedenkstein erinnert an Brandkatastrophe

Der mit Efeu überwachsene Gedenkstein vor der Kirche erinnert an den großen Uetzer Brand im Jahr 1863. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Mit den Führungen will Kaiser vor der Kirche beginnen, und zwar am Gedenkstein, der an den großen Uetzer Brand im Jahr 1863 erinnert. „Der Gedenkstein ist zum 50. Jahrestag der Brandkatastrophe aufgestellt worden“, sagt Kaiser. Er fängt dort mit den Führungen an, weil die 1837 erbaute Hallenkirche bis auf die Außenmauern vollkommen ausgebrannt war. Auf dem Gedenkstein kann man nachlesen, dass außer der Kirche auch das Pfarrhaus, zwei Schulen und 80 Gehöfte am 21. April 1863 im Feuersturm zerstört wurden. Außerdem ist dort verewigt, dass König Georg V. von Hannover und der Kronprinz Ernst-August am 3. Mai 1863 nach Uetze gekommen waren, um den Not leidenden Einwohnern ihr Mitgefühl auszudrücken.

Die Gruft derer von Lüneburg

Das Wappen der Familie von Lüneburg ist über dem Eingang zur Gruft angebracht. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Nur wenige Schritte vom Gedenkstein entfernt befindet sich unter der Kirche die Gruft der Adelsfamilie von Lüneburg. „Dafür haben wir leider keinen Schlüssel“, bedauert Kaiser. Daher kann er nur die Eingangstür zeigen. Darüber ist das Wappen derer von Lüneburg angebracht. Unter dem Wappen steht der Name Agnesia Juliana von Lüneburg. Sie ist am 22. November 1743 neben ihrem Ehemann Moritz von Haxthausen, der bereits 1701 gestorben war, unter der Kirche beigesetzt worden. Die von Lüneburgs, denen das Uetzer Gut gehörte, hatten mehrere Jahrhunderte das Patronat über die Uetzer Kirche. Der letzte Uetzer Kirchenpatron war Henning von Reden, der mit Ilse von Lüneburg verheiratet war. Er starb 1989. Er war der Letzte aus der Adelsfamilie, der in der Gruft beigesetzt wurde.

Wiederaufbau nach Conrad Wilhelm Hases Plänen

Die Arkaden in der Kirche tragen die Handschrift des bekannten Architekten Conrad Wilhelm Hase. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Nach dem verheerenden Brand ist die Kirche nach Plänen des berühmten Architekten Conrad Wilhelm Hase wieder aufgebaut worden. Er gilt als bedeutendster Vertreter der Neugotik des 19. Jahrhunderts. Die Außenwände hat Hase größtenteils wieder verwendet. Die Wand im Osten ließ er allerdings abreißen, um dort einen Chor aus Backsteinen anzubauen. Typisch für Hase sind die mit glasierten Steinen eingefassten Rundbogenfenster des Chors. Noch deutlicher ist Hases Handschrift im Gebäude zu sehen. Dort hat er aus akustischen Gründen Arkaden aus Backsteinen einziehen lassen, die das Innere in ein Mittel- und zwei Seitenschiffe teilen. „Wegen der Pfeiler haben wir heute die hervorragende Akustik“, sagt Kaiser. Der Wiederaufbau zog sich bis 1867 hin. Der damalige Sievershausener Superintendent Freytag weihte das Gotteshaus am 22. Juli 1867 ein.

Den Haupteingang gibt es erst seit 1963

Herbert Kaiser öffnet den Haupteingang, der erst 1963 angelegt wurde. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Der heutige Haupteingang, der sich am Fuß des Kirchturms befindet, existiert erst seit 1963. Bis dahin konnten die Gottesdienstbesucher nur durch die Seiteneingänge die Kirche betreten. „Hase hatte damals schon vor, einen Haupteingang zu schaffen. Aber es scheiterte am Geld“, berichtet Kaiser. 1963 wurde die Kirche umfangreich renoviert und zum Teil umgestaltet. Ein schlichtes Weiß ersetzte den alten Farbanstrich. Die Sakristei wurde aus dem Chor in den Turm verlegt. Die nördliche Seitenempore mit der Patronatsprieche – den VIP-Plätzen für die Patronatsfamilie – wurde auf die Länge der Südempore verkürzt. Außerdem erhielt das Gotteshaus eine neue Kanzel.

Taufkrone aus dem Jahr 1666

Über dem Taufbecken, das 1876 angefertigt worden ist, hängt die Taufkrone aus dem Jahr 1666. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Im Chor steht ein Taufbecken aus Sandstein. „Es ist 1876 in Breslau gefertigt worden und ein Geschenk der Pastorenwitwe Elisabeth Metzenstein, geborene Meyer“, weiß Kaiser. „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes“, steht auf dem Beckenrand. Über dem Taufbecken hängt eine mit Gold verzierte, 64 Zentimeter hohe Taufkrone mit der Aufschrift „Warlich, warlich, Ich sage Dir: Es sey denn, das jemand geboren werde aus dem Wasser und Geiste, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Joh. 3“ . Gestiftet hat sie 1666 der damalige Patron Friedrich von Lüneburg. Die Taufkrone ist der älteste Gegenstand in der Johannes-der-Täufer Kirche.

Mose-Statue hat Brand unbeschadet überstanden

Diese Figur zeigt Mose, der eine Tafel mit den zehn Geboten in der linken Hand hält. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Den großen Brand hat auch die Mose-Figur aus dem Jahr 1741 unbeschadet überstanden. „Sie ist auch ein Geschenk der Familie von Lüneburg“, erzählt Kaiser. Die Holzskulptur und die Taufkrone waren beim Bau der Vorgängerkirche 1837 ausgemustert und danach auf dem Boden des Gutes aufbewahrt worden. 1897 fanden sie im heutigen Gotteshaus einen neuen Platz. Die Figur zeigt den Propheten Mose, der eine Tafel mit den zehn Geboten in der linken Hand hält. Der Mose-Statue steht im Altarraum eine genauso große Skulptur Johannes des Täufers gegenüber, die 1989 angefertigt worden ist. Johannes der Täufer ist der Namensgeber der Uetzer Kirche. Der Name war nach der Reformation in Vergessenheit geraten. Seit 1965 ist er wieder gebräuchlich. Der damalige Uetzer Pastor Otfried Gelin hatte den alten Kirchennamen in einer Urkunde aus dem Jahr 1313 entdeckt.

Die Orgel ist in Hildesheim gebaut worden

Die Orgel ist 2002 renoviert worden. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Auf der Empore gegenüber dem Altarraum befindet sich die Orgel. Sie ist laut Kaiser 1867 gebaut worden. „Orgelbauer war ein Heinrich Schaper aus Hildesheim“, sagt Kaiser. Nach seinen Worten war sie zwischenzeitlich bunt angemalt gewesen. „Bei einer Renovierung wurde wieder der Originalzustand hergestellt“, berichtet der Uetzer. 1968 wurde die Orgel umfangreich saniert. 2002 ist sie renoviert worden. Fraglich ist, ob Kaiser bei den Führungen auch die Glocken im Turm zeigen kann. Möglicherweise sprechen Sicherheitsgründe gegen eine Turmbesteigung. Die große Glocke wiegt nach Kaisers Angaben 20 Zentner, die kleine zehn.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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