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Uetze Kita Storchennest ermuntert Kinder zum Dialog
Aus der Region Region Hannover Uetze Kita Storchennest ermuntert Kinder zum Dialog
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17:42 23.04.2019
Sophie Reßler (links) und Irmi Görtzen arbeiten mit dem Erzähltheater. Quelle: Antje Bismark
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Hänigsen

Dem Montag gehört die Farbe rot, der Donnerstag ist gelb. Piktogramme kennzeichnen den Turnraum, die Schreibwerkstatt oder das Sprachlabor, und ein Foto-Magnet passt zu jedem Kind. Mit diesem System organisieren sich die Jungen und Mädchen der Storchennest-Kita selbst – sie können auf einen Blick erkennen, welcher Tag gerade ist, und sie hängen ihr Foto ganz nach Lust und Laune in den Bereich, in dem sie ihren Kita-Tag verbringen möchten.

„Damit bestimmen die Kinder viel mehr als früher mit, wie und womit sie die Zeit gestalten“, sagt Leiterin Irmi Görtzen. Bis vor wenigen Jahren herrschte in der Einrichtung die Gruppenstruktur mit einem festen Plan, inzwischen funktioniere das offene Konzept hervorragend, sagt die Leiterin und fügt hinzu: „Die Organisation dahinter ist aber alles, auch weil es Fixpunkte wie feste Mahlzeiten gibt.“ Für Görtzen und Sophie Reßler, in der Kita als Sprachfachkraft eingesetzt, dient die offene-Gruppen-Arbeit als ein Baustein in der Sprachbildung und Sprachförderung – beides sieht die kürzlich von der Region veröffentlichte Studie für Kinder mit sprachlichem Nachholbedarf als dringend notwendig an.

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Uetze habe sich in den vergangenen Jahren ins Mittelfeld gekämpft, sagt Görtzen und fügt hinzu, dass die Kita Storchennest wie andere Einrichtungen der Gemeinde das Thema Sprache in den Mittelpunkt gerückt habe. Seit zwei Jahren gelte sie als Sprachkita, über einen noch längeren Zeitraum erstrecken sich nach Aussage Reßlers die Fortbildungen dazu. Ob ein Leitfaden vom Deutschen Jugendinstitut, der Heidelberger Interaktionstag oder Gespräche mit der Fachberaterin Elke Salewski: Das Team suche stets neue Impulse, die Sprache in den Kita-Alltag zu integrieren. Das sei die Entscheidung fürs Turnen oder Werken, sagt Görtzen. „Die Kinder kommen zu uns und fragen, ob sie zum Beispiel in einen Raum gehen dürfen – sie werden aktiv.“

„Wir ermuntern Kinder zum Dialog“

Anreize zum Sprechen gibt beispielsweise das Erzähltheater, das wie ein Puppentheater aufgebaut ist. Allerdings zeigen die Erzieher keine Handpuppen, sondern mehrere Bilder, die als Basis für eine Geschichte dienen. „Diese erzählt mal das Publikum, mal die Erzieher“, sagt Görtzen. Sprachförderung gebe es auch im Kleinen: „Wir stellen den Kindern offene Fragen und ermuntern sie zum Dialog“, nennt Reßler ein Beispiel. Zudem filme sie Kinder beim Sprechen, um Fortschritte zu sehen oder den Satzbau zu erkennen. Und wenn das Team feststelle, dass ein Kind immer wieder von Serien im Fernsehen erzählt, spricht es mit den Eltern. „Die meisten sind froh über Tipps und Anregungen“, weiß Görtzen aus Erfahrung.

Mitarbeiter wünschen sich mehr Verfügungszeit

Miteinander reden – darum dreht sich für sie und ihre Kollegen der Alltag. Sei es beim Weg zum Landwirt, beim Turnen, beim Tischdecken im Atelier oder beim Mensch-ärger-Dich-nicht-Spiel: Die Erzieher sprechen mit den Kindern, und sie sprechen auch untereinander über Fortschritte und suchen neue Wege, wenn ein Junge oder ein Mädchen noch Unterstützung benötigt. Dieses Konzept ende nicht, sagt Görtzen. Und manches lasse sich eben auch nicht erklären. So benötigten in diesem Jahr drei der 31 Abc-Schützen eine vorschulische Sprachförderung, im nächsten Jahr seien es 14 von 41.

Angesichts des Schwerpunktes und der Herausforderungen wünschen sich Görtzen und Reßler mehr Verfügungszeit für die pädagogischen Fachkräfte – auch um die Beobachtungsbögen der Kinder noch besser auswerten, noch mehr mit Eltern reden und sich selbst austauschen zu können.

Von Antje Bismark