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Uetze Lehrer der Musikschule Ostkreis spielen auf
Aus der Region Region Hannover Uetze Lehrer der Musikschule Ostkreis spielen auf
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11:37 18.03.2019
Die Saxofonisten Gerrit Dobberstein (von links), Nana Zeh, Joachim Hunold und Shih-Ming-Chang jazzen in der St.-Petri-Kirche. Quelle: Sandra Köhler
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Hänigsen

 Musikschulkonzerte: Meist präsentieren dabei Schüler ihren stolzen Verwandten und Freunden, was sie bereits auf dem Kasten haben an Klavier, Geige und Flöte. Beim Konzert zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule Ostkreis Hannover am Sonntag in St.-Petri-Kirche war das anders: Dort spielten die Lehrer in eigens für diesen Auftritt zusammengestellten Ensembles und wussten ihren Instrumenten auch abseits eingefahrener Hörgewohnheiten Hörenswertes zu entlocken.

Organist und Musiklehrer Malke ist das Bindeglied

Der Aufführungsort für das Konzert war passend gewählt. Das machte Pastor und Hausherr Steffen Lahmann klar: „ Karl-Heinz Malke ist ein Urgestein der Musikschule Ostkreis Hannover – und seit mehr als 40 Jahren Organist hier an St. Petri. Bereits vor der offiziellen Gründung der Musikschule hat er die Orgelklasse aufgebaut.“ Musikschulleiterin Nana Zeh bedankte sich für die Kooperation: „Es ist nicht selbstverständlich, dass Herr Malke seinen Schülern hier in Hänigsen Orgelunterricht erteilen kann.“ Als Bindeglied zwischen beiden Institutionen hatte Malke denn auch das Konzert organisiert – und ließ es sich nicht nehmen, selbst zwei Stücke auf der Orgel beizusteuern.

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Zeitgenössische Orgelwerke für neue Hörerlebnisse

Mit einer Bearbeitung für Orgel des eigentlich für Klavier komponierten Moment Musical opus 16.3 von Rachmaninoff, eines sehr klar und minimalistisch angelegten zeitgenössischen Stücks, eröffnete malke den mehr als 100 Besuchern einen Höreindruck jenseits klanglich allzu bekannter und bequemer Orgelwerke. Auch die im romantischen Stil daherkommende Toccatina von der 1961 geborenen Organistin und Komponistin Margaretha Christina de Jong leistete dies.

Vom Jazzstandard bis zur mexikanischen Totenklage

Ohnehin war bei diesem Konzert vieles anders, und dennoch hochkarätig. Da musizierte sich ein Streichquartett nicht nur durch den Mozart, sondern legte noch eine Reminiszenz an „Jazzgott Duke Ellington“ (Nana Zeh) und mitreißenden Modern Blues drauf. Die Saxofonisten tauschten die Rollen und überließen dem normalerweise für den Begleitpart mit langausgehaltenen Noten prädestinierten Baritonsaxofonisten Gerrit Dobberstein die Vorreiterrolle bei „Very Early“ von Bill Evans. Jeweils einen romantisch-beschwingten Walzer und Rondo interpretierte Björn Stellmacher auf der Gitarre. Ganz fremd, aber sehr eindrücklich und bewegend: Laura Dalla Libera machte auf der Tenorblockflöte die Ofrenda des mexikanischen Komponisten Mario Lavista mit ihren Tonclustern, Reibungen und Totenklagen zu einem Stück, dass einen nicht so leicht loslässt.

Bei Telemann wechseln die Instrumente ihre Rollen

Bekanntes im ungewohnten Gewand gab es zum Schluss mit dem Quartett in d-moll aus der Tafelmusik von Telemann. Dort tauschen die Instrumente munter ihre eigentlich vorgesehenen Rollen. Das Cello übernahm die der Blockflöte, diese den Part der Traversflöte. „Das war gängige Praxis, man arbeitete mit dem, was man hatte“, erläuterte Musikschuldirektorin Zeh dem Publikum. Für ihr Spiel bekamen die Musiklehrer schließlich das von Pastor Lahmann beschworene Brot des Künstlers: jede Menge Applaus.

Von Sandra Köhler

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