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Uetze Wolfgang Tannenberg – ein Kämpfer für den Umweltschutz
Aus der Region Region Hannover Uetze Wolfgang Tannenberg – ein Kämpfer für den Umweltschutz
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17:36 12.07.2019
Wolfgang Tannenberg steht vor dem Hänigser K+S-Gelände, auf das er täglich von seinem Grundstück aus schaut. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Hänigsen

„Recht viel Arbeit“ sieht Wolfgang Tannenberg aus Hänigsen auf sich zukommen. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umwelt Uetze rechnet damit, dass das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die umstrittene Abdeckung des Wathlinger Kalibergs mit belastetem Bodenaushub und Bauschutt genehmigen wird. Diesen Schluss zieht er nach eigenen Angaben aus Äußerungen des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies. Die BI lehnt die Abdeckung ab und fordert, die Halde abzutragen und das Material zurück ins stillgelegte Bergwerk Niedersachsen-Riedel zu bringen.

„Wenn die Genehmigung erteilt worden ist, werden wir sie von einem Anwalt prüfen lassen“, kündigt der 68 Jahre alte Hänigser an. „Der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) kann Verbandsklage einreichen und die BI Umwelt Uetze bevollmächtigen, die Klage zu vertreten. Die BI muss nachweisen, dass Geld für die Klage bereitsteht“, erläutert Tannenberg, der einer von drei geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern des LBU ist. Eventuell müsse er daher Spenden sammeln.

Das Aktenstudium ist Teil des ehrenamtlichen Engagements

Er werde wie schon vor dem Erörterungstermin im Laufe des Planfeststellungsverfahrens Akten wälzen müssen. „Wir müssen abgleichen, welche Einwände wie berücksichtigt worden sind“, sagt der Rentner, der 49 Jahre lang bei der Hänigser Firma Köttermann als Industriekaufmann gearbeitet hat. Vor der Verhandlung der Klage werde die BI sich auch mit anderen Umweltverbänden abstimmen.

Tannenberg hat zu Beginn dieses Jahres am Erörterungstermin zur geplanten Haldenabdeckung teilgenommen – und zwar an allen fünf Tagen. Vorher hatte er nicht nur mehrmals in der Woche Akten studiert. Er traf sich immer wieder mit Mitstreitern aus Hänigsen und Wathlingen. Fast täglich telefonierte er mit ihnen und tauschte E-Mails aus.

Wolfgang Tannenberg hat an seinem Grundstückszaun das Widerstandssymbol der Gegner der Kalibergabdeckung angebracht: ein Kreuz mit der Aufschrift „Natur statt Deponie“. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Vorstandsarbeit für den Landesverband

Die Vorstandsarbeit für den LBU hält sich nach seinen Worten hingegen in Grenzen. Zwei bis drei Stunden in der Woche sei er damit beschäftigt. Der geschäftsführende Vorstand entscheidet darüber, welche Klagen der LBU unterstützt. Als Vorstandsmitglied muss er auch die Arbeit im LBU-Büro überwachen und darauf achten, dass der Verband keine finanziellen Risiken eingeht. Nach Tannenbergs Erfahrungen stehen hinter der Ablehnung eines Projekts oft nur Eigeninteressen einzelner, aber keine Umweltschutzgründe.

Ende 1992 ist Tannenberg in die BI Umwelt Uetze eingetreten. Auslöser waren die Pläne des Konzerns K+S, in der Schachtanlage Riedel eine Untertagedeponie einzurichten. Der Hänigser Schacht des stillgelegten Doppelbergwerks Niedersachsen-Riedel befindet sich direkt vor seiner Haustür auf der anderen Straßenseite. K+S ließ nach einigen Jahren die Deponiepläne aus wirtschaftlichen Gründen wieder fallen.

Salzwolke aus dem Schacht hat Bäume entblättert

Bereits in den 1980-Jahren hat ein Vorfall sein Misstrauen gegenüber K+S geweckt. Damals war aus dem Schacht Riedel eine Salzwolke ausgetreten, die über dem benachbarten Ortsteil Hänigsen-Riedel herunterkam. „Da hatten wir kein Blatt mehr an den Bäumen“, erinnert sich Tannenberg. Eine dicke Salzschicht habe auf den Fensterbänken und den Autos gelegen. Damals habe er sich wegen der Regulierung des Umweltschadens in seinem Garten monatelang mit der Versicherung des Konzerns herumschlagen müssen.

„Interesse an der Umwelt und der Natur hatte ich schon immer“, sagt Tannenberg. Als Kind streifte er durch den Schilfbruch und hielt sich viel an der Fuhse auf, um Tiere zu beobachten. Aus dem Fließgraben in Hänigsen, der vor der Flurbereinigung das ganze Jahr über sauberes Wasser führte, holte er kleine Stichlinge und setzte sie in ein Aquarium, um deren Entwicklung zu verfolgen. Auch Hechte habe er damals im Fließgraben gesehen.

Tannenberg begleitet auch ein Wildkatzenprojekt

Seit dem vorigen Jahr arbeitet Tannenberg auch beim Wildkatzenprojekt des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit. Ziel ist zu erkunden, ob Wildkatzen in Niedersachsen wieder heimisch geworden sind. Mit einer BUND-Mitarbeiterin hat er die Standorte für Lockstöcke für Wildkatzen in den Waldgebieten Brand und Schilfbruch festgelegt. „Die Stöcke werden mit Baldrian getränkt, um Katzen anzulocken“, erläutert Tannenberg. „Daran reiben sich die Tiere, sodass Haare kleben bleiben.“ In diesem Jahr hat er an Stöcken im Brand und im Schilfbruch Haare gefunden. Die Haare sind zur DNA-Analyse an das Senckenberg-Institut geschickt worden, um zu klären, von welchen Tieren sie stammen. „Die Ergebnisse stehen noch aus“, sagt Tannenberg.

„Wenn ich Ruhe haben möchte, fahre ich zum Angeln nach Eickenrode“, erzählt der Hänigser. In der Nähe des Dorfes im Landkreis Peine hat er eine ehemalige Kiesgrube gepachtet. „Vor zwei Jahren hatte ich das Glück, dass da ein Seeadler auftauchte. – leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei“, sagt der Hobbyfotograf. Zum Angeln lässt ihm derzeit der BI-Vorsitz momentan allerdings wenig Zeit.

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