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Uetze Lebensretter durch eine Stammzellenspende
Aus der Region Region Hannover Uetze Lebensretter durch eine Stammzellenspende
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14:26 06.02.2019
Heutzutage reicht ein Abstrich der Wangenschleimhaut mithilfe eines Wattestäbchen für die Typisierung aus. Quelle: privat
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Dollbergen

 Der Förderverein der Ortsfeuerwehr hat für Sonntag, 10. Februar, eine Typisierungsaktion für potenzielle Stammzellenspender vorbereitet. Denn je mehr Menschen eine Gewebeprobe abgeben und sich registrieren lassen, desto größer ist die Chance für Leukämieerkranken, dass für ihn ein genetischer Zwilling gefunden wird. 

Ein junger Dollberger feiert jedes Jahr im Februar mit seiner Familie den Beginn seines zweiten Lebens: Vor 12 Jahren spendete ihm sein Bruder Stammzellen, damit er von seiner Leukämie geheilt werden konnte. Der Schock war damals groß, als nach einer Rempelei auf dem Fußballfeld die Ärzte bei ihm die Chronische myeloische Leukämie (CML) diagnostizierten. „Ich bin nach dem Spiel noch mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und dann zu meiner Hausärztin gegangen. Sie rief den Rettungswagen, der mich ins Krankenhaus brachte“, erzählt er. Bei dem Zusammenstoß mit dem anderen Spieler war seine Milz gerissen, weil sie bereits enorm vergrößert war, eine Folge der CML.

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Leukämie-Patient muss Medikamente absetzen

„Nach der Diagnose bekam ich eine leichte Chemotherapie, ohne Haarausfall. Danach sollte ich Tabletten nehmen, um die CML in Schach zu halten. Nach heutigen Wissensstand kann man mit dieser Behandlungsmethode bis ins Alter leben.“ Doch bei dem Dollberger, der zu der Zeit Anfang 20 war, traten starke Nebenwirkungen auf, sodass er das Medikament immer wieder absetzen musste. „Das Therapieziel konnte nicht erreicht werden“, erklärt er. Nur eine Stammzellen-Transplantation konnte ihn retten.

Sofort nach der Diagnose „CML“ war getestet worden, ob sein Bruder als Spender in Frage kam. Denn die Laboruntersuchungen dauern zwei bis drei Monate, bis feststeht, ob alle zehn wichtigen Merkmale, die sogenannten Scores, übereinstimmen. „Ich war froh, dass ich helfen konnte. Ich habe mir nicht die Frage gestellt, ob ich das machen will oder nicht“, berichtet der Bruder. Bei seinem eigenen Bruder sei das natürlich einfacher, als wenn man den Empfänger gar nicht kennt, räumt er ein.

„Eine Stammzellen-Transplantation ist kein Aufwand für den Spender“, betont er. Es gibt aktuell zwei Methoden, um die Stammzellen des Spenders zu gewinnen: aus dem Blut oder aus dem Knochen. „Wir haben die direkte Knochenmarkspende gewählt, weil sie eine höhere Erfolgschance und ein geringeres Abstoßungsrisiko hat“, berichtet der Spender.

Ein gutes Gefühl, ein Leben zu retten

Vor der Transplantation hat er sich einem kompletten Gesundheitscheck unterziehen müssen. Zudem wurde eine Eigenblutspende genommen. „Für den Fall, dass nach der Entnahme des Knochenmarks mein Hämoglobinwert zu niedrig ist.“ Das Knochenmark werde dem Spender aus der Hüfte entnommen – unter Vollnarkose. „Danach bin ich noch eine Nacht in der Klinik geblieben.“ Die Punktionsstellen waren verpflastert. Es sei ein Gefühl gewesen, als wenn man sich gestoßen hätte. Als Spender sei man First-Class-Patient in der Klinik. Man liege im Einzelzimmer, nach der Eigenblutspende bekomme man einen intravenösen Flüssigkeitsausgleich, zählt er zwei Beispiele auf.

„Der tolle Effekt: Man legt sich einen halben oder einer ganzen Tag ins Krankenhaus und hat ein Leben gerettet“, sagt der Dollberger Spender. „Wenn jemand in die Verlegenheit kommt, dass er als Spender infrage kommt, dann kann er sich gern an mich wenden“, bietet er an.

Wenn die Stammzellen direkt aus dem Blut gewonnen werden, ist der Aufwand sogar noch geringer. Der Spender nimmt drei, vier Tage Tabletten zur Stimulierung der Stammzellenproduktion, dann geht es zur Blutspende. Noch unkomplizierte ist es, sich als möglicher Spender registrieren zu lassen. Mit einem Wattestäbchen wird aus dem Mund ein Gewebeprobe genommen, und man füllt einen Informationsbogen aus. Beides wird von Dollbergen aus an das Norddeutsche Stammzell- und Knochenmarkspender-Register (NKR) geschickt.

Die Typisierungsaktion findet am Sonntag, 10. Februar, von 14 bis 18 Uhr in der Feuerwache an der Bahnhofstraße in Dollbergen statt. Angesprochen sind gesunde Personen zwischen 17 und 55 Jahren. Ihnen entstehen keine Kosten, allerdings freuen sich die ehrenamtlichen Helfer über Spenden für die Laboruntersuchung der Gewebeprobe.

Von Anette Wulf-Dettmer