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Wedemark Steinberge künden von künftigen Wohnhäusern
Aus der Region Region Hannover Wedemark Steinberge künden von künftigen Wohnhäusern
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00:16 17.07.2017
Von Ursula Kallenbach
Von der früheren Hofstelle hinter den Eichen sind Schutt- und Steinhaufen übrig geblieben. Quelle: Kallenbach
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Abbensen

Schon über Jahre konnten Dorfbewohner und Autofahrer den Verfall des verlassenen Abbenser Hofes, einbrechende Giebel sowie Dächer und schließlich den Abbruch verfolgen. Seit Wochen kennen sie nun den Anblick der sortierten Steinhaufen. Der Investor stellt sich gleichwohl etwas Ordentlicheres vor; ein Planungs- und Bebauungsentwurf liegt im Fachbereich Planen und Bauen der Gemeinde Wedemark zur Prüfung auf dem Tisch.

Mit dem Ortsrat sei abgestimmt, dass auf der ehemaligen Hofstelle Naumann (beziehungsweise Hinck) Wohnhäuser entstehen sollen, bestätigt der stellvertretende Fachbereichsleiter, Holger Zorn auf Nachfrage. Durch die Einbeziehung von weiteren, bisher unbebauten Flächen entstehe ein Plangebiet von rund zwei Hektar Größe.

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Der vorliegende Planungs- und Bebauungsentwurf sieht laut Zorn insgesamt rund 30 Wohneinheiten vor, überwiegend Einzel- und Doppelhäuser, ergänzt durch ein kleines Mehrfamilienhaus. Mit dem Bauherrn sei vereinbart, dieses Bauprogramm auf mehrere Jahre zu strecken.

Ein förmliches Aufstellungsverfahren für einen Bebauungsplan (B-Plan) gibt es bisher nicht, berichtet Zorn. Vorgesehen ist, im August den Ortsrat für Abbensen, Negenborn und Duden-Rodenbostel offiziell zu beteiligen; damit soll das Aufstellungsverfahren für den B-Plan eingeleitet werden. Es soll nach den Vorstellungen der Bauverwaltung nach einer öffentlichen Auslegung möglichst bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Die Anlieger des Plangebiets können sich damit schon befassen. „Obwohl das Bauleitplanverfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch eigentlich ohne frühzeitige Bürgerbeteiligung abläuft, haben die Anlieger den Bebauungsplanentwurf vorab zur Stellungnahme erhalten“, erläutert der Verwaltungsplaner. Schon jetzt zeichne sich ab, dass am Bebauungsplanentwurf bis zu seiner Auslegung noch an einigen Stellen nachgearbeitet werden müsse.

Zudem muss die Region Hannover noch einbezogen werden, und zwar als Untere Bodenschutzbehörde. Ein erstes Bodengutachten für die Fläche hat keine Hinweise auf eine Bodenbelastung bestätigt, betont Zorn und beantwortet damit die Frage, ob die Folgen aus einer Gülle-Überschwemmung vor neun Jahren im Untergrund restlos beseitigt sind. Ob das Gutachten ausreiche, werde in dem Beteiligungsverfahren mit der Region geklärt.

Das Baugebiet soll als „Allgemeines Wohngebiet“ ausgewiesen werden, gewerbliche Nutzungen sind der Bauverwaltung zufolge nicht vorgesehen. Auch mit weiteren, schon neu errichteten Einfamilienhäusern im Bereich der Alten Zollstraße wandelt sich Abbensen sichtbar in einen Ort zum Wohnen, während Landwirtschaft mit Viehhaltung für neue Stallbauten stärker in den Außenbereich gezogen ist.

Gülleaustritt war nicht aufzuklären

Mit dem Grundstück des früheren landwirtschaftlichen Betriebes Hinck-Naumann verbinden viele Dorfbewohner, Feuerwehrleute und die damalige Gemeindespitze auch einen nächtlichen Großeinsatz, den sie nicht so leicht vergessen. Am Abend des 22. Januar 2008 liefen aus dem Gülle-Hochbehälter auf dem Hof rund 150.000 Liter Gülle aus. Der Landwirt hatte den Schaden damals selbst bemerkt.

Bei dem großflächigen Gülleauslauf waren mehr als 45 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu Entsorgungsfachbetriebe und zahlreiche Landwirte. Sie schoben Wälle an, konnten so den Großteil der Gülle in Transportbehälter absaugen und lagerten sie an der ehemaligen Kläranlage in der Feldmark zwischen. Die Güllemenge hatte von dem landwirtschaftlichen Betrieb aus eine Wiese überflutet und war auf anliegende Grundstücke vorgedrungen.

Großes Glück: In Fließgewässer und in das Kanalsystem war kein Gülleeintrag gelangt, wie die Region Hannover als Untere Wasserschutzbehörde und die Gemeinde Wedemark damals feststellten. Ob jemand an dem Sicherheitshebel des Hochbehälters manipuliert hatte, oder es sich um einen technischen Defekt handelte, ließ sich auch durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover und mehrere Gutachten nicht eindeutig klären. Das Verfahren gegen Unbekannt wurde 2009 eingestellt. Ermittelt wurde wegen Sachbeschädigung und des Verdachts der Boden- und Wasserverunreinigung.

Sven Warnecke 14.07.2017
Ursula Kallenbach 16.07.2017