Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wedemark Bei ihr geben sich die Reitstars die Gerte in die Hand: Ein Besuch bei Mäzenin Madeleine Winter-Schulze
Aus der Region Region Hannover Wedemark Bei ihr geben sich die Reitstars die Gerte in die Hand: Ein Besuch bei Mäzenin Madeleine Winter-Schulze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:41 28.08.2019
Madeleine Winter-Schulze besucht die Fohlen auf der Weide, die in diesem Jahr geboren sind. Quelle: Julia Gödde-Polley
Mellendorf

Madeleine Winter-Schulze blickt von ihrem Platz immer wieder hinüber zu den Pferdeboxen und den Springplatz, die sich auf dem Anwesen befinden. „Ich fühle mich einfach sehr, sehr wohl hier“, sagt sie. Die Mäzenin des internationalen Reitsports sitzt an einem Tisch auf der überdachten Terrasse ihres Hauses in Mellendorf. Währenddessen erzählt sie von ihren Turnieren und dem Kontakt zu den von ihr geförderten Stars der Reiterszene: darunter international Bekannte wie Isabell Werth und Ludger Beerbaum. Auf ihrem Gestüt züchtet die 78-Jährige zudem selbst Pferde. Doch oft ist die Winter-Schulze auch unterwegs – bei Turnieren, Terminen und anderen Veranstaltungen – etwas mehr als ein Viertel des Jahres, rechnet sei vor.

Erst 1978 zieht sie in die Wedemark

In der Wedemark fühlt sich die ehemals erfolgreiche Turnierreiterin, Unternehmerin und Besitzerin vieler Spring- und Dressurpferde dennoch heimisch. „Total“, sagt Winter-Schulze und fügt an: „Ich habe liebe Menschen und Freunde hier.“ Doch aufgewachsen ist sie nicht in der Gemeinde, sondern in Berlin. Erst 1978 zog sie gemeinsam mit ihrem Mann Dietrich Schulze in die Wedemark und übernahm das Gestüt des Reiters Hartwig Steenken. Nach seinem Tod bei einem Autounfall habe dessen Lebensgefährtin das Ehepaar, das Steenken kannte, gefragt, ob sie den Stall haben möchten, erzählt Winter-Schulze. Die Entscheidung aus Berlin wegzuziehen sei ihr schwer gefallen. Doch dann habe sie mit ihrem Mann beschlossen, sich in Mellendorf „ein kleines Pferdeparadies“ aufzubauen.

Die Mäzenin Madeleine Winter-Schulze wohnt auf ihrem Hof am Ortsrand von Mellendorf und hat sich dort ein eigenes Paradies aufgebaut.

Berlin bleibt die Heimat, Wedemark ist Zuhause

Und das hat sie geschafft. „Ich habe nicht gewusst, dass es so schön wird“, gesteht die Mäzenin rückblickend. Die Möglichkeiten mit Pferden sei in der Gemeinde größer als in Berlin. Bevor sie ihren Wohnsitz wechselte, habe sie die Wedemark nicht wirklich gekannt. Bei einigen Besuchen auf Steenkens Hof sei sie nur durch die Gemeinde gefahren. Doch Berlin bleibe ihre Heimat, sagt Winter-Schulze, bei der während des Interviews das Berlinerische durchaus zu hören ist.

Sie hat in der Bundeshauptstadt heute keinen festen Wohnsitz mehr. Doch beruflich führt ihr Weg – meistens mit dem Zug – öfter in die alte Heimat: Gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Marion Jauß besitzt sie weiterhin das Unternehmen ihres Vaters, die Eduard-Winter-Gruppe.

Ein Spickzettel hilft während des Interview

Während des Gesprächs schaut die Freundin des Pferdesports immer wieder auf ihren Spickzettel, auf dem sie die wichtigsten Daten und Eckpunkte ihres bisherigen Lebens vorab notiert hat. Mit 78 Jahren könne man nicht mehr alle Details – auch wenn sie vom Weltrang sind - im Kopf haben, sagt Winter-Schulze und lacht.

Chefin macht das Frühstück für die Mitarbeiter

Und die Mäzenin hat immer noch jeden Tag viel zu tun. „Ich bin ein Mensch, der Action braucht“, sagt Winter-Schulze. „Es gibt kaum einen Tag ohne Termine – und es ist immer was los hier, aber ich will es ja nicht anders“, sagt Winter-Schulze, die auf ihrem Handy alle selbst gemachten Schritte zählt. Und noch etwas Besonderes: Jeden Tag, den sie zu Hause verbringt, macht sie als Chefin für ihre Mitarbeiter das Frühstück.

Winter-Schulze züchtet gemeinsam mit Ludger Beerbaum

Als Unterstützung kümmern sich sieben Mitarbeiter auf dem Hof am Ortsrand von Mellendorf um die Pferde, die sie gemeinsam mit Springreiter Ludger Beerbaum züchtet. Mehrere Pferde hat die Mellendorferin schon für Beerbaum und die Dressurreiterin Isabell Werth gekauft. Darunter die aktuell erfolgreiche Stute Bella Rose, mit der Werth am vergangenen Donnerstag erneut Europameisterin geworden ist. Die Stute war länger verletzt und ist doch wieder im Spitzensport angekommen.

„Das ist einfach ihr Schätzchen und das soll auch noch lange Freude machen“, sagt Winter-Schulze. Doch Werth und Beerbaum sind nicht nur Reiter ihrer Pferde, sondern für die 78-Jährige gute Freunde und quasi ein Teil der Familie. Zu beiden Reitern pflegt sie ein enges Verhältnis. Zahlreiche Fotos im Wohnzimmer zeugen von dieser Verbundenheit.

Isabell Werth ruft jeden Tag an

„Ich bin ein Bilderfreak“, sagt Winter-Schulze mit Blick auf die unzähligen Fotos. Regelmäßig besucht sie Beerbaum und Werth auf ihren Höfen in Reinberg und Riesenbeck. Bei beiden habe sie ein eigenes Zimmer, berichtet Winter-Schulze. Das sei eine „wahre tolle Freundschaft. Und die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt rufe jeden Tag an, um zu fragen, wie es ihr geht. Auch während des Interviews auf der Terrasse klingelt das Handy und die von ihr so genannte „Isabella“ ist am anderen Ende der Leitung. Bei den Turnieren der beiden Spitzensportler ist Winter-Schulze oft dabei – und gibt nach all den Jahren zu, dass sie immer noch aufgeregt und „sehr emotional dabei“ ist. „Ich hoffe, ich kann das noch lange machen.“

Der Impuls für neue Pferde komme von den Reitern selbst, berichtet die Mäzenin. „Pferde für Isabell und Ludger kaufe ich nur, wenn sie davon voll begeistert sind und voll dahinter stehen.“ Hat sie damals im Jahr 2010 überlegt Totilas, der Hengst, der seinerzeit als Wunderpferd im Dressursport galt, zu erwerben? „Einmal ganz kurz“, gesteht Winter-Schulze. Doch Werth sei nicht so begeistert gewesen. Daraufhin habe sie die Überlegung verworfen. Der schwarze Hengst gehört seitdem Paul Schockemöhle, der das Pferd für einen kolportierten zweistelligen Millionenbetrag erworben hatte.

Winter-Schulze reitet selbst nicht mehr

Bei einem Rundgang über den Hof sind auch Erinnerungen an die eigene erfolgreiche Turnierzeit von Winter-Schulze und ihrem Mann zu finden: In der Reiterklause zieren Schleifen in verschiedenen Farben die Wand. In einer Kammer hängen unzählige Turnier-Schleifen hinter Glasscheiben. Wie viele es sind? „Das weiß ich nicht“, sagt Winter-Schulze und schaut die Wand entlang.

Selbst sitzt die Frau inzwischen nicht mehr im Sattel. Nur „so auf Pferden rumreiten“, dazu habe sie keine Zeit und das würde den Tieren auch nicht gerecht werden. In der neu gebauten Reithalle hängen gut 50 Fotos aus dem Leben der Mäzenin. „So Erinnerungen zu haben, und es fällt einem doch zu jedem etwas ein, ist schon schön“, sagt die 78-Jährige und blickt auf das Foto mit ihrem Mann. „Da sind wir beide Berliner Meister geworden“, erinnert sich Winter-Schulze.

78-Jährige hat in der Wedemark einen Lieblingsplatz

Auf der Wiese des Hofes besucht sie die diesjährigen Fohlen. Als der Schlüssel zum Gatter nicht passt, klettert Winter-Schulze kurzerhand durch den Zaun. „Wir sind ja schlank“, ermutigt sie die Reporterin. Die zutraulichen Tiere kommen sofort auf die Mäzenin zu; sie streichelt die Pferde.

Bei der Frage nach ihrem Lieblingsplatz in der Wedemark muss Winter-Schulze nicht lange überlegen. „Das hier. Das rundherum ist mein Lieblingsort. Da fühle ich mich am wohlsten.“ Fährt sie denn auch mal in den Urlaub? „Nee, da hätte ich gar keine Lust zu“, gibt die Mäzenin, die gemeinsam mit einer Freundin Stella in ihrem Haus wohnt, um nicht so alleine zu sein, unumwunden zu. In der Wedemark kennen mehr Leute die Mäzenin, als sie selbst Menschen kennt, berichtet die Frau. Sie werde häufig auf Siege von ihren Reitern angesprochen. Darüber freue sie sich und sei dann auch stolz.

Und will Winter-Schulze auch in Zukunft in der Wedemark wohnen? „Ja, ich bleibe sicher hier“, sagt die 78-Jährige. Doch noch bis Sonntag läuft erstmal die Europameisterschaft in Rotterdam, bei der die Pferdebesitzerin vor Ort ihre Schützlinge auf zwei und vier Beinen anfeuert und unterstützt.

Zur Person: Das ist Madeleine Winter-Schulze

Madeleine Winter-Schulze ist 1941 als Madeleine Winter in Berlin auf die Welt gekommen – als Tochter des erfolgreichen Automobilunternehmers Eduard Winter. 1953 hat sie ihr erstes Turnier im Berliner Reiterstadion geritten und bei der Premiere gleich die Junioren-Reiterprüfung gewonnen – mit zwölf Jahren. „Dann kam bei Tochter und Papa gleich der Ehrgeiz“, erzählt Winter-Schulze rückblickend.

Nur sechs Jahre später wurde sie deutsche Meisterin in der Dressur mit der Stute Coca-Cola. In diesem Jahr starb ihr Vater. Danach sattelte sie auf Springreiten um und gewann 1969 und 1975 weitere Titel. Zudem ritt sie für Deutschland mehrere Nationenpreise. Madeleine Winter lernte den Springreiter und Pferdezüchter Dietrich Schulze kennen. 1978 heiratete das Paar. Die beiden zogen von Berlin in die Wedemark und übernahmen den Hof von Hartwig Steenken.

Der Springreiter, der Olympiasieger, Weltmeister und mehrfache deutsche Meister starb bei einem Autounfall im Januar 1978 in Langenhagen. Noch heute lebt Winter-Schulze auf dem Hof und züchtet dort Pferde. Bis 1996 ist sie selbst auf Turnieren geritten, seitdem schaut sie ihren Schützlingen nur noch vom Rand aus zu. Zwischenzeitlich war Winter-Schulze Chefin der deutschen Dressur-Equipe und coachte die Junioren.

Und sie engagiert sich auch abseits des Dressurvierecks oder Springplatzes: Die 78-Jährige ist zweite Vorsitzende ihres Heimatvereins RV Brelinger Berg und im Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) aktiv. Zudem fördert sie über die Stiftung Spitzenpferdesport den Reiternachwuchs. Doch nicht nur direkt im Reitsport engagiert sich die Mäzenin: 2015 gründete sie die Eduard Winter Kinderstiftung Berlin, die gemeinnützige Projekte und Einrichtungen für Kinder in der Bundeshauptstadt und Brandenburg fördert. Zudem besitzt sie noch immer gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Marion Jauß das väterliche Unternehmen in Berlin.

Winter-Schulze fördert die Spitzenreiter in Dressur und Springen

Isabell Werth und Ludger Beerbaum gehören seit mehreren Jahrzehnten zu der Weltelite des Reitsports – und daran hat Mäzenin Madeleine Winter-Schulze aus der Wedemark ihren Anteil. Sie hat für die beiden mehrere Pferde gekauft und züchtet gemeinsam mit Beerbaum auf ihrem Hof.

Die heute 50-jährige Isabell Werth ist die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. Sie wurde bereits mehrfache Welt- und Europameisterin. Zuletzt hat sie am vergangenen Donnerstag mit ihrer Stute Bella Rose erneut Gold bei der Europameisterschaft in Rotterdam gewonnen – ihr 19. EM-Titel. Anfang der Woche siegte die deutsche Dressur-Equipe in der Mannschaftswertung. Zudem gewann Werth bereits zehn olympische Medaillen – sechs glänzen in Gold. Ihr aktuelles Top-Pferd ist die Stute Bella Rose. Unter anderem auch mit Weihegold, Don Johnson, El Santo und Satchmo hat sie schon Erfolge gefeiert.

Auch Beerbaum steht im Springreiten mit zahlreichen Titeln bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie olympischen Spielen bis heute in der Weltspitze des Sports. Er saß unter anderem im Sattel von Chiara, Casello, Goldfever, Chaman und Gotha.

Lesen Sie auch:

Winter-Schulze mit LSB-Ehrengabe ausgezeichnet

Isabell Werth und Satchmmo bestechen 2011 mit phantastischer Dressurleistung

Isernhagen feiert großes Fest der Pferde

Von Julia Gödde-Polley

In Scheinen oder Münzen liegt wohl in vielen Haushalten noch die „gute“ alte D-Mark herum. Die Brelinger Kirchengemeinde in der Wedemark nutzt sie für ihre unbürokratischen Hilfen vor Ort.

23.08.2019

Scorpions-Sänger Meine hat jetzt eine eigene Seite im Goldenen Buch der Gemeinde Wedemark. Der 71-Jährige war beim Sommerfest der Verwaltung der Stargast – und hörte sich eine musikalische Premiere an.

23.08.2019

Die Polizei Wedemark sucht Unbekannte, die in Mellendorf aus drei Baumaschinen 460 Liter Diesel abgezapft haben. Die Ermittler bitten um Zeugenhinweise.

23.08.2019