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Wedemark Neue Pläne: Investor möchte Alte Schule in Meitze umbauen
Aus der Region Region Hannover Wedemark Neue Pläne: Investor möchte Alte Schule in Meitze umbauen
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17:09 18.11.2019
Hinter dem Bauzaun wurde die Alte Schule erst einmal von altem Bewuchs befreit. Quelle: Ursula Kallenbach
Meitze

Denkmalgeschützte Gebäude in alten Dorfkernen können eine Last sein oder ein Geschenk. Letzteres hat sich der örtliche Investor vorgenommen, der die Alte Schule in Meitze gekauft hat: Er möchte, dass das Baudenkmal – saniert und umgenutzt – künftig das Dorf schmückt. In dem historischen Gebäude sollen Wohnungen entstehen. Einen Kindergarten hat die Gemeinde abgelehnt.

IM Inneren des Hauses wurde zwar schon vieles zum Wohnen von den Vorbesitzern zurecht gebaut, doch es gibt immer noch viel zu tun: Im Dachgebälk und in den Dielen auf dem Dachboden mehlt der gemeine Hausbock vor sich hin, durch die Dachpfannenritzen ist der Efeu von unten aus dem Garten durchgewachsen. Im Erdgeschoss sind die beiden alten Klassenräume noch erkennbar, sogar die ursprünglichen Schultoiletten. Kamin und Heizungsanlage sind marode. Der Zustand nach Augenschein hat den künftigen Bauherrn, der nicht namentlich genannt werden möchte, nicht abgeschreckt. „Wir haben 1000 Quadratmeter Grundstück, und etwa 480 Quadratmeter Wohnfläche kann man im Ausbau hinkriegen“, sagt der Investor.

Welche Investitionen auf den Käufer der denkmalgeschützten Alten Schule in Meitze zukommen, wenn er unter Denkmalauflagen Wohnräume ausbaut – es ist kaum zu schätzen. Ein Blick in das Gebäude.

Gemeinde lehnt Pläne für Kindergarten ab

Er hat erst einmal das Grundstück gesäubert und einen Architekten mit der Dokumentation befasst. Ein Bauzaun steht seit einigen Wochen um die Alte Schule und beunruhigte die Menschen im Ort: Einige vermuteten den Abriss des alten Hauses.

Ein Kindergarten war der vorrangige Wunsch der Investorenfamilie. Dies habe die Gemeinde abgelehnt, weil perspektivisch zu klein und zu unwirtschaftlich. Nun sollen es drei bis vier Wohnungen werden; dies sei mit dem Denkmalschutz vereinbar.

Fertige Pläne liegen weiter in der Schublade

Die fertigen Entwurfspläne eines Architekten für einen Kindergarten mit einer Kitagruppe und einer Krippengruppe liegen weiter in der Schublade. „Es ist schade, es wäre gegangen, und es wäre schnell gegangen“, sagt Tim Arndt-Sinner, der als Geschäftsführer in der gemeinnützigen Gesellschaft Kinderfreunde Wedemark mehrere Kita-Einrichtungen in der Wedemark betreibt und zuletzt die Negenborner Kita gebaut hat.

Auch als stellvertretender Vorsitzender des deutschen Kitaverbands und Experte habe er für den künftigen Bauherrn die Pläne beurteilt. Aus dem Kultusministerium bekam er die Bestätigung. „Die Pläne wären betriebsrechtlich genehmigungsfähig nach den gesetzlichen Vorgaben“, hat Arndt-Sinner erfahren und an den Investor weitergereicht. „Aber es war nicht unsere Aufgabe, ins Rathaus zu laufen. Wir haben beraten, das machen wir sonst an vielen Stellen auch.“ Letztlich, so Arndt-Sinner, wäre es ihm gleich, wer der Träger einer solchen Kita in Meitze würde. „Aber wir sind immer bereit, wenn die Gemeinde uns braucht.“ Für das Dorf Meitze plädiert Arndt-Sinner weiter für ein solches Vorhaben. „Ein Kindergarten macht auch was mit dem Ort. Familien überlegen sich, dort zu leben, und alle sind zufrieden.“

Zu teuer: Dorfgemeinschaft schaffte Kauf nicht

Das Gebäude stand leer, seit der letzte Bewohner, der Meitzer Reinhard Wegner, 2017 verstorben war. Die Familie Wegner hatte das denkmalgeschützte Haus bis dahin nur geringfügig von innen modernisiert. Die Erbengemeinschaft in der Nachfolge verkaufte die Alte Schule an den jetzigen Investor. Zwischenzeitlich hatte sich die Dorfgemeinschaft bemüht, das Haus zu erwerben, und wollte es zum Dorfgemeinschaftshaus umnutzen. Doch das Vorhaben erwies sich als zu teuer.

Landesdenkmalpflege: Schule ist Zentrum des Dorfes

Die Alte Schule Meitze war, als sie 1882 gegründet wurde, eine der modernen Volksschulen. Der Klassenraum war nicht wie vormals ein Anhängsel im Wirtschaftsgebäude des Lehrers, der seinen Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft bestritt. Umgekehrt: In der Meitzer Schule waren ebenerdig zwei gut belichtete Klassenräume für die Kinder eingerichtet, vor der Schule ein Pausenhof. Die Räume des Lehrers waren nachgeordnet. Am 17. Juli 1967 beschloss der Gemeinderat die Auflösung der Meitzer Grundschule mit zuletzt 20 Schülern.

Die Landesdenkmalpflege hat die Meitzer Dorfschule mit ihrem Glockenturm zugleich in ihrer Funktion als ein Zentrum des Dorfes herausgestellt. Auch der gotisierende Staffelgiebel über dem Eingang betone die Bedeutung des Gebäudes, heißt es in einem Standardwerk der Denkmalpflege zu Baudenkmalen in Niedersachsen. In dem 2017 herausgegebenen Band „Baudenkmale in der Region Hannover, Teil 2“ beschreibt die Denkmalexpertin und Herausgeberin Carolin Krumm die Meitzer Dorfschule wie auch andere noch erhaltene oder schon umgebaute Schulen in der Wedemark.

Der jetzige Eigentümer will die Außenfassade, soweit sie die Geschichte sichtbar macht, stehen lassen und das Gebäude entkernen. „Ich habe alte Baupläne gefunden“, sagt er. Der gotisch anmutende Giebel, die Front mit zwei Eingängen und die unverändert gebliebene seitliche Fassade mit ihren neun alten Fenstern würden so mit aufgenommen in den Umbau. Die Höhe der Investition – sie ist bisher nicht absehbar und wird nicht beziffert.

Alte Schule ist Teil eines Denkmalensembles

Die Denkmalpflege bei der Gemeinde Wedemark ist seit etwa einem Jahr mit dem Bauherrn im Gespräch. Sie hat die Aufgaben der Unteren Denkmalschutzbehörde wahrzunehmen. In Meitze hat sie es mit mehreren Gebäuden zu tun. Das Amt ordnet das Gebäude Alte Schule „wegen seiner geschichtlichen, wissenschaftlichen und ortsbildprägenden Bedeutung als Einzeldenkmal“ ein, bestätigte Gemeindesprecher Ewald Nagel. Dazu gehöre zunächst einmal das Gebäude in allen seinen Teilen. Darüber hinaus ist laut Denkmalpflege das Haus auch Teil eines Denkmalensembles. Dieses erfasse einen großen Teil der Ortschaft Meitze.

Nur ein Erstentwurf zum künftigen Vorhaben Alte Schule liege vor, sagte das gemeindliche Amt dieser Zeitung auf Nachfrage. Danach sei eine Aufteilung in drei Wohnungseinheiten vorgesehen; dies müsse mit dem Antragsteller noch besprochen werden ebenso wie der Umfang der Bedingungen und Auflagen dazu. Ob auch das Innere des Hauses der Bedeutung Baudenkmal noch entspreche, müsse ebenfalls eine nähere Prüfung zeigen.

Amt kann noch nicht prüfen

Noch habe der Bauherr seine Umbaupläne nicht umfassend beschrieben, teilte das Amt mit. Erst dann werde in einem anschließenden Baugenehmigungsverfahren eine umfassende Prüfung möglich sein – und diese dann nach der Bauordnung und dem Denkmalschutzgesetz. „Zurzeit können wir noch keine abschließende Einschätzung zu Bedingungen und Auflagen abgeben“, hieß es vom Gemeindesprecher.

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Von Ursula Kallenbach

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