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Wedemark Frau verletzt Ehemann mit Messer
Aus der Region Region Hannover Wedemark Frau verletzt Ehemann mit Messer
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14:39 21.12.2018
Nach einer Messerattacke auf den eigenen Mann kann eine Frau vorerst ohne Bestrafung das Amtsgericht wieder verlassen. Quelle: Sven Warnecke
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Mellendorf/Großburgwedel

Nach einem milden Richterspruch hat ein Ehepaar aus der Wedemark jetzt das Amtsgericht Burgwedel Hand in Hand verlassen. Und das, obwohl Ende Mai dieses Jahres in der Wohnung in Mellendorf ein wiederholter Streit ausuferte bis zu einer bis dahin nicht bekannten Eskalation – ohne besonderen Anlass. Dabei griff die aus Albanien stammende Frau mit deutscher Staatsbürgerschaft zu einem Küchenmesser mit einer 15,5 Zentimeter langen Klinge, hieß es in der von der Staatsanwältin verlesenen Anklageschrift. Damit stach sie wiederholt auf ihren Mann ein. Mehrere Stiche trafen dessen Arm. Zudem schlug sie mit dem Messerknauf auf den Kopf und Körper des Partners ein. Einer auf ihn geschleuderten Pfanne mit heißem Fett konnte der ebenfalls aus Albanien stammende Mann aber ausweichen.

Nun lag die Strafakte bei Amtsrichter Michael Siebrecht. Doch angesichts der Tatsache, dass die Angeklagte die ihr vorgeworfenen Taten gestanden und sich das Paar wieder zusammengerauft hatte, schlug der Richter nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft einen Täter-Opfer-Ausgleich vor. Denn trotz der erlittenen Verletzungen haben sich Mann und Frau versöhnt. Und der Partner hege auch keinen Groll mehr gegen seine 31 Jahre alte Gattin, übersetzte im Gericht ein Dolmetscher.

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Der Vorschlag, sich für den Täter-Opfer-Ausgleich beim Meditationszentrum Waage in Hannover zu Gesprächen zusammenzusetzen, fiel auf fruchtbaren Boden. Dabei hatten Richter und Staatsanwaltschaft vor allem die beiden kleinen Kinder des Paares im Blick. Denn auch der Gesetzgeber sehe in besonderen Situationen anderes als eine Bestrafung vor, erläuterte Siebrecht in der Verhandlung. Denn dem Staat sei es wichtiger, dass das Konstrukt einer Familie zum Wohle der Kinder funktioniere, betonte der Amtsrichter.

„Das ist eine Chance, einiges aufzuarbeiten, was in der Beziehung schiefgelaufen ist“, gab der Jurist dem Paar mit auf den Weg. Diese Aufarbeitung der ehelichen Probleme habe vor der Eskalation trotz ihrer Bitten nicht funktioniert, berichtete die geständige Angeklagte im Gericht. Ihr Mann sei bislang zu stolz gewesen, sich externe Hilfe zu holen. Doch das soll nun anders werden, stimmte er dem richterlichen Vorschlag zu. Wenn die Gespräche in Hannover innerhalb der nächsten sechs Monate von Erfolg gekrönt sind, wird das Verfahren ohne Bestrafung der 31-jährigen Wedemärkerin auf Kosten der Landeskasse eingestellt, stellte Siebrecht in Aussicht. „Und ich bin guter Hoffnung, dass Sie das hinbekommen“, gab sich der Amtsrichter zuversichtlich. Immer mit dem gemeinsamen Ziel, „Vorbilder für die Kinder zu sein“.

Von Sven Warnecke