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Wedemark 95 Stunden büffeln für Sprache im Kita-Alltag
Aus der Region Region Hannover Wedemark 95 Stunden büffeln für Sprache im Kita-Alltag
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17:06 28.08.2019
Beate Przybilla (rechts) und Claudia Epping (Vierte von rechts) freuen sich mit dem Team der Kita St. Martini in Brelingen über die Wortschatz-Zertifikate. Quelle: Andrea Hesse
Brelingen/Mellendorf

Sprache erklärt die Welt – und gehört deshalb schon in den Kindergartenalltag. Die Kindertageseinrichtungen KitamiTu in Mellendorf und die Kita St. Martini in Brelingen dürfen sich jetzt „Kompetenz-Kita Sprache“ nennen. Die Teams haben erfolgreich an der Qualifizierung Wortschatz – Region Hannover teilgenommen.

Gezielt die sprachliche Entwicklung der Kinder fördern

Seit mehreren Jahren unterstützt die Region Hannover Kindertageseinrichtungen mit diesem Programm darin, die sprachliche Entwicklung von Kindern gezielt zu fördern. Entwickelt wurde das Konzept vom Fachbereich Jugend der Region Hannover in Kooperation mit dem Institut für Sonderpädagogik der Leibniz-Universität.

„Der Unterschied im Alltag besteht nun darin, dass sich die Mitarbeiterinnen viel mehr mit Sprache, mit der Sprachentwicklung der Kinder individuell auseinandersetzen, sie professionell unterstützen“, sagt in Brelingen Kita-Leiterin Beate Przybilla. „Denn Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Im geschützten Rahmen der Kita, so Przybilla, begleiten die Mitarbeiterinnen Kinder in ihrem täglichen Spiel – und tun dies mit ihren fachlich fundierten Kenntnissen. „Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder in ihrer Sprache Wertschätzung erhalten. Sie haben das Recht, Antworten auf ihre Fragen zu erhalten“, verdeutlicht die Leiterin.

An solchen Stationen schärfen Kinder nicht nur ihren Blick für Natur und Tiere, sondern auch ihre Sprache für das Gesehene. Quelle: Privat

Theorie und Übungen mit Kindern

In der Brelinger Kindertagesstätte arbeitete die Fachberaterin der Region, Claudia Epping, nach einer Auftaktveranstaltung im Juni letzten Jahres seit September insgesamt 95 Stunden mit neun Erzieherinnen. Neben der Theorie standen vor allem intensive Übungseinheiten mit den aktiv beteiligten Kindern auf dem Plan. Der Dank von Kita-Leiterin Przybilla galt auch den Eltern, die dem Mitwirken ihrer Kinder an der Maßnahme durchweg zugestimmt hatten. Nicht alle Mitarbeiterinnen des Kindergartens waren in die Fortbildung eingebunden. So machten sie es möglich, dass sich ihre Kolleginnen jeweils im laufenden Alltagsbetrieb qualifizieren konnten.

Nach der Qualifizierung ist es jetzt besondere Aufgabe der Mitarbeiterinnen, die Kinder genau zu beobachten, ihren Sprachstand einzuschätzen, Sprechanreize zu setzen und selbst ein Vorbild in der Kommunikation zu sein.

„Ich danke Ihnen sehr für die Herzlichkeit, mit der Sie mich hier jedes Mal empfangen haben“, sagte die Fachberaterin bei der Übergabe der Zertifikate an Kita-Leiterin Przybilla. Anerkennung für das Engagement des Teams übermittelte auch der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen als Träger der Kita St. Martini.

Nachfrage in der Region ist groß

Die Qualifizierungseinheiten von 95 Stunden in den Kindergärten erstrecken sich über ein Jahr. Ein Großteil der Stunden wird von Fachberatern der Region in den Kitas vor Ort angeboten. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Fachkräfte das Zertifikat, und die Einrichtungen bekommen die Auszeichnung „Kompetenz-Kita Sprache“ verliehen. Darüber hinaus erhalten sie Unterstützung dabei, die erworbenen Inhalte in den jeweiligen pädagogischen Konzeptionen ihrer Einrichtungen zu verankern. Insgesamt haben sich in den regionsangehörigen Kommunen seit 2012 etwa 82 Kitas mit rund 800 Fachkräften fortgebildet.

Die Nachfrage ist der Region zufolge groß. Deshalb besteht seit dem Kita-Jahr 2016/2017 die Möglichkeit, neu hinzukommende Mitarbeiter aus den Kitas für eine sogenannte „Neu im Team“-Schulung bei der Region Hannover anzumelden. Vertiefend bietet die Region Teamfortbildungen zu den Themen Sprachraum und Raumsprache, Erweiterung der pädagogischen Konzeption, Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung sowie Video-Interaktionsbegleitung an.

Erzieher können Kindern einen Schatz eröffnen

Für Erzieherinnen und Eltern in der Kindertagesstätte St. Martini Brelingen hat sich mit der Wortschatz-Fortbildung vieles verändert. „Ich habe einen anderen Blickwinkel auf Sprache bekommen – beruflich wie auch privat“, berichtet die Erzieherin Doris Krenz.

Kita-Mutter Lisa Murray beobachtet, dass in der Einrichtung viel bewusster mit Sprache auf allen Ebenen umgegangen wird. Und: „Wir haben zu Hause auch mit unseren Kindern sehr viel über Sprache, über das Miteinander sprechen, kommuniziert“, erzählt sie. „Wir sprechen jeden Tag – mit der Familie, mit Freunden, Bekannten, auf dem Weg zur Arbeit und natürlich mit den Kindern in unserer Kindertagesstätte“, sagt die Erzieherin Christa Müller. Doch durch die Langzeitfortbildung „Wortschatz“ sei ihr „noch einmal deutlich geworden, wie wir sprechen: manchmal laut, manchmal leise, manchmal fordernd oder lockend“. Die Erzieherin hat eine nachhaltige Erfahrung gemacht. „Was für ein Instrument doch unsere Sprache ist. Wertvoll, inspirierend, auffordernd und liebevoll. Alle diese Facetten machen deutlich, was für ein wertvolles Instrument wir besitzen. Setzen wir es richtig ein, können wir einen richtigen Schatz den Kindern mitgeben.“

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