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Wedemark Nach Schlägerei: Darum ließ das Gericht beim Angeklagten Milde walten
Aus der Region Region Hannover Wedemark Nach Schlägerei: Darum ließ das Gericht beim Angeklagten Milde walten
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17:27 03.11.2019
Ein Jugendlicher wird von mehreren Schlägern angegriffen und verletzt: Der Fall ist nun vor dem Amtsgericht Burgwedel verhandelt worden. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)/Symbolbild
Wedemark/Burgwedel

Der Vorwurf wiegt schwer: Gemeinsam begangene gefährliche Körperverletzung – das Strafmaß liegt bei bis zu zehn Jahren Gefängnis. Eine Gruppe junger Leute hatte im September vor zwei Jahren vor einer Diskothek in Mellendorf einen Jugendlichen mit Faustschlägen und Tritten traktiert. Der damals 16-Jährige zog sich laut ärztlichem Bulletin Prellungen am Kopf und Körper zu. Nun stand der letzte Schläger vor Burgwedels Amtsrichter Michael Siebrecht. Die anderen identifizierten Beteiligten hatten bereits ihr Urteil erfahren.

Der 23-jährige Angeklagte ließ in der Verhandlung über seinen Rechtsbeistand verlauten, dass er sich an die Vorgänge in der Septembernacht 2017 nicht erinnern könne. Er habe zuvor reichlich Alkohol getrunken, zudem auch Ecstasy-Tabletten konsumiert. Sein Mandant habe einen kompletten „Filmriss“ gehabt, argumentierte der Jurist. Auf die Frage des Richters, wie viel der Angeklagte denn wohl getrunken habe, gab der so Angesprochene zum Erstaunen Siebrechts an, dass es etwa zwei Flaschen Wodka gewesen sein dürften. Er sei damals „schlecht drauf gewesen“, räumte der Mann selbst ein. Mehr als vier Jahre habe er ständig – und vor allem viel – getrunken.

„Der Angriff kam von hinten“

Dem Gewaltexzess war eine Partynacht in einer Diskothek in Mellendorf vorausgegangen. Dort feierten, tanzten und tranken vornehmlich junge Leute. Doch irgendwann um kurz nach Mitternacht eskalierte die Situation. Es ging wohl um ein Mädchen, mit dem der heute 18-jährige Student den Abend verbrachte und auf die der Angeklagte ein Auge geworfen haben soll. Wie das Opfer vor Gericht angab, sei er mit den Worten „Wir müssen reden“ zunächst vor die Diskothek gelockt worden.

Dort setzte es aus einer Gruppe von vier oder fünfen Personen Schläge und Tritte. Die Schläger konnte er nicht zweifelsfrei identifizieren. „Der Angriff kam von hinten“, sagte der 18-Jährige. Allerdings habe er den nun vor Gericht stehenden jungen Mann im polizeilichen Verhör seinerzeit als Rädelsführer bezeichnet, zitierte der Richter aus dem polizeilichen Protokoll.

Auch wenn der Angeklagte ohne entsprechende Erinnerungen sei, räumte sein Rechtsanwalt ein, dass es wohl Fakt ist, dass sein Mandant an dem Angriff beteiligt war. In welcher Art auch immer. Aus diesem Grund wolle dieser auch die Verantwortung übernehmen. Mehr noch: Bei seinem heute 18-jährigen Opfer entschuldigte sich der Angeklagte.

Lebenswandel nach Versöhnung

Und der 23-Jährige gab sich in der Verhandlung durchaus geläutert. Wie er berichtete, habe ihn damals vor vier Jahren seine Freundin wegen des immensen Alkoholkonsums verlassen. In der Folge trank er noch mehr und geriet wegen Leistungserschleichung, Betrug, Diebstahl sowie Fahrerflucht in Konflikt mit der Justiz. Doch im Mai vergangenen Jahres sei es zur Versöhnung mit der Freundin gekommen. Seither habe er keinen Alkohol mehr getrunken, die Finger von den Drogen gelassen, den Wohnort sowie seine Freunde gewechselt und sich eine Arbeit gesucht. „Meine Freundin hat mich verändert“, betonte der Angeklagte glaubhaft vor Gericht. „Sie gibt mir Halt.“

Das spreche für den 23-Jährigen, genau wie die Entschuldigung beim Opfer sowie der Wille, Verantwortung zu übernehmen, meinte Siebrecht. Doch es handele sich bei dem Angriff auf den Jugendlichen nun einmal um gefährliche Körperverletzung, die auch noch gemeinschaftlich begangen wurde. Und dafür sehe das Gesetz bis zu zehn Jahre Gefängnis vor. Doch der Justiz obliege es, ob es sich um einen minderschweren Fall handelt. „Und der liegt hier vor“, betonte der Amtsrichter. Denn zum Glück habe das Opfer keine bleibenden Schäden bei der Attacke davongetragen – ungeachtet der psychischen Folgen für den Jugendlichen. Für diesen Angriff drohe immer noch eine Strafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, stellte der Richter in Aussicht. Die Staatsanwältin forderte schließlich für den Angeklagten trotz der – allerdings nicht einschlägigen – Vorstrafen statt Gefängnis eine Geldbuße in Höhe von 100 Tagessätzen a 45 Euro. Diese könne in Ratenzahlung beglichen werden. Angesichts des Einkommens von 1700 Euro brutto als Lagerist schienen dem Rechtsanwalt als Strafmaß 90 Tagessätze a 30 Euro für angemessen. Zumal auch nicht zweifelsfrei feststehe, ob sein Mandant handgreiflich geworden sei.

Das Gericht verurteilte den 23-Jährigen schließlich zu 90 Tagessätzen a 40 Euro, die er mit 100 Euro im Monat in Raten abstottern kann. „Man muss nicht selber zuschlagen, um sich schuldig zu machen“, begründete Siebrecht das Urteil. „Fünf gegen einen ist feige.“ Mit Blick auf die nun verhängte Geldstrafe sagte Siebrecht weiter: „So werden Sie eine Zeit lang daran erinnert, dass das nicht in Ordnung war.“

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