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Wedemark Senioren halten sich noch zurück: Einkaufsdienst kommt schwer in Gang
Aus der Region Region Hannover Wedemark Senioren halten sich noch zurück: Einkaufsdienst kommt schwer in Gang
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07:23 25.03.2020
Koordinieren gemeinsam einen Einkaufsdienst in der Wedemark für ältere Menschen: Pastor Maik Schwarz (von links), Anne Kracke von der Freiwilligenagentur, Pastorin Wibke Lonkwitz, Pastor Thorsten Buck und Pastorin Debora Becker. Quelle: Privat
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Wedemark

Zum Schutz vor dem Coronavirus gibt es derzeit viele Regeln zu beachten. Seit Montag gilt die Allgemeinverfügung. Unter anderem sollen mit ihr soziale Kontakte minimiert werden, um das Infektionsgeschehen des Virus Covid 19 einzudämmen, heißt es von der Landesregierung. Vermieden werden soll dabei die Ansammlung von Menschengruppen.

Speziell ältere und erkrankte Menschen sind besonders gefährdet. Diese Gruppe soll nach Expertenmeinung möglichst nicht mehr vor die Haustür gehen, um das eigene Ansteckungsrisiko zu minimieren. Die Frage ist dann nur, wie sie künftig an Lebensmittel und Medikamente kommen sollen.

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Einkaufsdienst in der Gemeinde soll Senioren helfen

Die evangelischen Kirchengemeinden in der Kommune und die Freiwilligenagentur Wedemark hatten in kurzer Zeit eine Lösung parat. In der Folge wurde der Einkaufsdienst „Nachbarn helfen“ initiiert. Dabei können sich Bürger telefonisch melden und eine Einkaufsliste durchgeben. Und in Windeseile haben sich viele Ehrenamtliche bereit erklärt, die Einkäufe für ihre Mitmenschen zu erledigen.

Eine Woche später fällt das erste Fazit aber verhalten aus. Aktuell werde der Helferstamm ausgebaut, berichtet etwa Pastor Thorsten Buck von der St.-Michaelis-Kirchengemeinde Bissendorf. Anfragen aus der Zielgruppe habe es indes erst drei gegeben. Derzeit riefen die Ehrenamtlichen alle Gemeindemitglieder ab 90 Jahren an, um über das Angebot zu informieren, berichtet der Geistliche.

Aktuell gibt es mehr Helfer als Kunden

In Elze sieht es nicht anders aus. „Bei uns melden sich bislang vor allem Freiwillige, die helfen wollen“, berichtet Pastor Maik Schwarz. Das Hilfsangebot sei bisher erst einmal in Anspruch genommen worden. Gleiches berichtet auch Pastorin Wibke Lonkwitz, die im Pfarrbezirk West für Bissendorf, Scherenbostel, Schlage-Ickhorst, Wiechendorf und Resse zuständig ist. „Die Senioren haben bisher eher verhalten auf das Angebot reagiert“, berichtet sie auf Anfrage. Freiwillige Helfer meldeten sich indes genügend. Möglicherweise müsse sich das Angebot erst bei den älteren Menschen in der Wedemark herumsprechen.

Inzwischen hat das Helfernetzwerk in der Wedemark 113 Mitglieder. „Alle Ehrenamtlichen haben sich mit ihren persönlichen Daten registriert und eine Datenschutzerklärung unterschrieben“, sagt Daniel Diedrich, Leiter der Freiwilligenagentur. „Ich bin, wie immer, stolz auf das riesige Engagement.“ „In der ersten Woche hatten die Helfer noch nicht so viel zu tun“, sagt Anne Kracke „aber wir freuen uns, dass jetzt immer mehr Menschen das Angebot annehmen oder uns schon mal ‚vorwarnen‘, dass sie das Angebot annehmen werden, wenn ihre Vorräte zur Neige gehen.

Hilfe wird in der Gemeinde großgeschrieben

Je mehr Menschen aus der Risikogruppe das Angebot nutzen, desto weniger schwere Fälle werden wir in der Wedemark haben“, ist sich Kracke von der Freiwilligenagentur sicher. Und Diedrich fügt hinzu: „Wir möchten uns auch ausdrücklich bei denjenigen bedanken, die nicht in der Nachbarschaftshilfe registriert sind, aber jetzt für die Menschen da sind, die sie persönlich kennen und ganz viel übernehmen.“

Wer noch weitere Ideen hat, wie jetzt Betroffene des Virus oder der Maßnahmen unterstützt werden können, kann sich an die Freiwilligenagentur wenden. „Wir unterstützen gern beim Aufbau neuer Hilfsangebote, um den Menschen, die jetzt die Situation ausnutzen möchten und an Haustüren klingeln keine Chance zu geben“, betont Diedrich. Die Anlaufstelle ist unter Telefon (05130) 9744511 oder per E-Mail freiwilligenagentur@wedemark.de erreichbar .

Kirche hängt „Mutmacher-Ketten“ zum Mitnehmen auf

An der Kapernaumkirche in Resse haben Kirchenvorsteherinnen und Mitarbeitende "Mutmach-Ketten" aufgehängt. Quelle: Privat

Doch nicht nur mit dem Einkaufsservice soll den Wedemärkern in dieser Krisenzeit mit praktischen Dingen geholfen werden. An den Kirchenräumen in Resse und Bissendorf-Wietze hängen nun auch sogenannte Mutmacher-Ketten. Das Prinzip ist nach Angaben Lonkwitz’ relativ einfach. In den Eingangsbereichen hängen Postkarten mit Segens- oder Mutmach-Worten. Diese könnten Passanten, die an den Gotteshäusern vorbeikommen, mitnehmen und an Menschen etwa in Quarantäne weitergeben, erläutert sie das simple Prozedere. „Um Mut zu fassen“, betont Lonkwitz. Einfach in den jeweiligen Briefkasten werfen – eben „ganz analog“, erläutert sie das Prinzip.

Vor dem Eingang der Christophorus-Kirche in Bissendorf-Wietze hängen bunte Grußbotschaften als Mutmacher zum abpflücken. Quelle: Privat

Hintergrund: „Nicht alle Menschen sind digital vernetzt, und brauchen gerade in diesen unsicheren Zeiten der Corona-Schutzmaßnahmen hilfreiche Worte oder einfach das Zeichen, dass jemand an sie denkt“, meint die Pastorin. Und die „Mutmacher-Ketten“ werden stets aufgefüllt. „Wir sorgen regelmäßig für Nachschub“, kündigt Lonkwitz an.

Das sind die Telefonnummern

Wer den Einkaufsdienst in der Wedemark nutzen möchte, erreicht die Verantwortlichen unter folgenden Telefonnummern:

Kirchengemeinde St. Martini für Brelingen und Umgebung (05130) 584175; Kirchengemeinde St. Michaelis für Bissendorf und Umgebung (05130) 8770; Kirchengemeinde Elze (05130) 2922; Freiwilligenagentur Wedemark für Mellendorf und Umgebung (05130) 9744511 sowie die Kirchengemeinde Kapernaum für Resse und Umgebung (05131) 7017730. Sollte gerade kein Ansprechpartner verfügbar sein, können Menschen auch auf den Anrufbeantworter sprechen und erhalten dann einen Rückruf.

Bürger, die für Einkäufe, Apothekengänge und Besorgungen des notwendigen persönlichen Bedarfs diesen Dienst in Anspruch nehmen möchten, können sich direkt an die Verantwortlichen vor Ort wenden. „Es geht um die Dinge, die notwendig sind“, erklärt Pastor Thorsten Buck. Die Helfer nehmen die Einkaufsliste auf, Freiwillige erledigen dann die Besorgungen. Nach telefonischer Absprache liefern die Ehrenamtlichen die Einkäufe anschließend nach Hause – ohne, dass es einen persönlichen Kontakt gibt. Denn die Tüten sollen, so ist es geplant, vor die Tür gestellt werden. Um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren, für beide Seiten.

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Von Sven Warnecke