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Wedemark Wedemarks Imker liefern Honig exklusiv ins Rathaus
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08:15 20.07.2019
Für die Imker und die Gemeinde Wedemark besiegeln Oliver Weber (links) und Bürgermeister Helge Zychlinski: Es gibt jetzt einen offiziellen Wedemark-Honig, der bei offiziellen Anlässen als Geschenk überreicht wird. Quelle: Ursula Kallenbach
Wedemark

Heidehonig lässt sich schwer schleudern – eine mühselige Arbeit für Imker. Edelkastanie und Akazien gehören zu den teuersten Honigen, Majoran ist für Männer, Lindenhonig schmeckt frisch und minzig, Rapshonig ist der mildeste. Bei den Imkern und Bienenvölkern in der Wedemark verbrachte Bürgermeister Helge Zychlinski auf seiner Sommertour jetzt mehrere Stunden – mit beiderseitigem Ertrag.

So hat die Gemeinde jetzt das exklusive Zugriffsrecht auf einen Wedemark-Honig. Sie kauft erstmals den Honig vom Imkerverein; ein freier Verkauf unter diesem Label ist nicht vorgesehen. Es ist ein Frühtrachthonig von Frühlingsblühern, der ausschließlich aus einer Standimkerei in der Wedemark gewonnen wird. „Ein heimisches Produkt und Bienen als Repräsentanten unserer Natur“, sagt Zychlinski, eigneten sich gut als besonderes Geschenk der Gemeinde.

Wedemärker Imker auf großer Fahrt

Aber nicht nur an vielen Standorten in der Wedemark gewinnen Hobbyimker den Honig, der als Imkerhonig in Hofläden, auf Märkten und im örtlichen Handel verkauft wird. Weniger bekannt ist die Wanderimkerei. So ist Börges Meyer mit mehr als 40 Bienenvölkern regelmäßig im Lastwagen auf großer Fahrt. Mehr als eine Tonne Gewicht ist mit den Bienenkästen und Gerät auch zu schleppen, wenn er in den Gebieten ankommt, deren speziellen Pflanzenreichtum er seinen Bienen und später den Käufern bieten will. Meyer gewinnt dort reine Sortenhonige.

Zur sogenannten Sommerfrische für Bienen fährt der Wedemärker ab März zur Obstblüte bei Mainz. „Das ist vor allem für die Entwicklung der Völker“, erklärt er. Es folgen Obstblütentouren nach Erfurt, ins Alte Land, an den Niederrhein, zur Lindenblüte nach Hannover, zur Kornblüte nach Mecklenburg-Vorpommern. In die Heide geht es später, dann zum Majoran südlich von Magdeburg. „Das alles ist immer mehr geworden“, berichtet der Diplom-Agraringenieur, der 2007 mit drei Völkern das Imkern begann. „Um es in vernünftige Bahnen zu lenken“, so Meyer, baute er 2014 seine Halle in Elze, Auf dem Farnkamp, und hat als Rentner alle Hände voll zu tun. Die Vermarktung erfolgt dagegen auf kurzem Wege: „Ich liefere an den neuen Edeka-Markt nebenan.“

Eigentlich stiehlt der Imker den Bienen ihren Honigertrag – sie sammeln ihn zum Überleben im Winter. Imker Börges Meyer ist spezialisiert auf besondere Sortenhonige und liefert seinen Völkern reichlich süßen Ersatz. Quelle: Ursula Kallenbach

Imker halten sich an die Sortenzusammensetzung

Ob kleinere oder größere Hobbyimkerei: „Sie alle arbeiten nach guter imkerlicher Praxis. Das ist das Wort für das richtige Imkerverhalten“, erklärt Christoph Schmieta, Vorsitzender des Imkervereins Wedemark. „Honig besteht aus Nektar und/oder Honigtau. Ihm darf weder etwas hinzugefügt noch entzogen werden. In der Wedemark können aufgrund der kleinen Strukturen in erster Linie Frühtracht- und Sommertrachthonige geerntet werden.“ Als reiner Sortenhonig ist nur Rapshonig möglich. Die Frühtracht besteht aus dem Nektar von Weiden, Obstgehölzen, Ahorn, Löwenzahn und Raps. Sommertracht wird von Linden, Kornblumen, Robinien, Ackerzwischenfrüchten und Blühstreifen gesammelt und kann aus Nektar und Honigtau bestehen.

Ein Bienenvolk erbringt laut Schmieta im Jahr zwischen 30 und 50 Kilogramm Honig. Imkerhonig werde im Gegensatz zu Importen nicht über 40 Grad erhitzt, Antibiotika sind tabu. Honigerzeugung sei zugleich ein Lebensmittelbetrieb; entsprechend blieben die Gäste bei der Rundreise über mehrere Standorte bis Elze auch von Haarhauben der Hygiene halber nicht verschont.

Gemeinde gestaltet Wegeränder bienenfreundlich

Was die Gemeinde für die Imker leisten kann? Sie werte jetzt nach und nach alle gemeindeeigenen Wegeränder auch in den Orten ökologisch – und damit bienenfreundlich – auf, kündigte der Umweltbeauftragte der Gemeinde, René Rakebrandt, an. Dies solle auch mit Schildern ausgewiesen werden, um Wedemärker zum Nachahmen anzuregen. Dies sei ein dritter Baustein neben dem Biotop- und dem Gewässerschutzkonzept.

Imkern in der Wedemark hat eine lange Tradition

Der Imkerverein Wedemark zählt mehr als 90 Mitglieder mit mehr als 700 Bienenvölkern. Ein Schwerpunkt der Vereinstätigkeit ist die Arbeit mit neu einsteigenden Imkern. Für die Bienengesundheit, die von der eingeschleppten Varroamilbe und der Amerikanischen Faulbrut bedroht wird, ist als Gesundheitsobmann im Vereinsvorstand René Rakebrandt aktiv – Hobbyimker und hauptberuflich Umweltbeauftragter der Gemeinde Wedemark. Auch die Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten hat einen großen Stellenwert. An einem runden Tisch werden Kooperationen und Konflikte erörtert.

Der Imkerverein feierte 2018 sein 80-jähriges Bestehen. Die geschichtlichen Wurzeln der Imkerei rund um Hannover gehen auf das Jahr 1864 zurück: Zehn Imkervereine gründeten den Bienenwirtschaftlichen Centralverein für das Königreich Hannover. Er umfasste bei Gründung 1127 Mitglieder und führte die eigene Bienenzeitung, das Bienenwirtschaftliche Zentralblatt. Es gab Imkerschulen, regelmäßige Lehrgänge und einen Imkerversicherungsverein. Anfang 1900 umfasste der Centralverein 90 Imkervereine mit rund 5600 Mitgliedern und 200.000 Bienenvölkern. Aus dem Centralverein entstand 1946 der Landesverband Hannoverscher Imker. Darin sind mehr als 7000 Imker mit rund 50.000 Bienenvölkern über ihre Ortsvereine Mitglied, auch der in der Wedemark. Dort ist übrigens etwa jeder vierte Imker eine Frau.

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Von Ursula Kallenbach

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