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Wedemark Zu viele Autos vor Grundschule: Mama-Taxi soll auslaufen
Aus der Region Region Hannover Wedemark Zu viele Autos vor Grundschule: Mama-Taxi soll auslaufen
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18:37 02.05.2019
Ekaterina Polzer (von links) vom Schulförderverein, Carsten Grotzke für die Wählergemeinschaft und Schulleiterin Christina Jarolin möchten die Zonen um die Grundschule Resse möglichst frei von Mama-Taxis sehen und planen dazu mehrere Aktionen. Quelle: Ursula Kallenbach
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Resse

Alle 97 Schüler der Grundschule Resse können ab 27. Mai Stempel sammeln, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen. Im Klassenwettbewerb setzt dies einen Anreiz. Die Schule will mit den Mädchen und Jungen gemeinsam das Mama-Taxi zum Auslaufmodell machen. Mehrere Aktionen sollen das langfristige Ziel unterstützen.

Der Schülerrat hat den Anstoß gegeben, etwas gegen den Autoverkehr rund um die Schule zum Beginn des Schulalltags ab 7.45 Uhr zu unternehmen. „Die Schüler wollen ein Schreiben an die Eltern richten“, sagt Schulleiterin Christina Jarolin. Gemeinsam mit dem Resser Schulförderverein greift das Kollegium das seit Jahren auch an den anderen Grundschulen in der Wedemark drängende Problem nun in mehreren Schritten auf. Unterstützt werden die Akteure von der Wählergemeinschaft Wedemark Resse (WWR) – ein Vater ist selbst betroffen.

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„Es gab immer mal wieder Anschreiben an die Eltern in den Vorjahren“, berichtet die Schulleiterin, aber das habe nichts bewirkt. „Aktuell werden zwei Drittel der Schüler mit dem Elterntaxi gebracht. Das ist sehr viel.“ Dies führe an allen Seiten des Schulgebäudes, am Haupteingang an der Osterbergstraße wie um die Ecke vor der Feuerwehr an der Straße Altes Dorf gegen 7.45 Uhr zu völlig unübersichtlichen Situationen. „Wir möchten einen Beitrag leisten, dass sich das Bewusstsein der Eltern ändern soll“, verdeutlicht Jarolin. Im Langenhagener Nachbardorf Engelbostel ist man da schon weiter: Dort gibt es nach diversen Klagen seit Beginn des zweiten Halbjahrs vor der Grundschule eine von der Stadt ausgewiesene Bannmeile für Elterntaxis. Falls sich diese Regelung bewähren sollte, soll das Projekt auch auf die anderen Grundschulen ausgeweitet werden.

In Engelbostel gibt es an Grundschule bereits Bannmeile

In Resse soll der Weg indes über die Kinder gehen. Die Stempelaktion ab 27. Mai läuft bis zu den Sommerferien. Der Auftakt ist so gewählt, weil die Schulkinder vorher schon eine Woche lang ihr Zirkusprojekt auf dem Schützenplatz morgens um 8 Uhr zu Fuß ansteuern und mittags so zurückmarschieren. Im Juni folgen mehrere Aktionen: Die Kinder gestalten Plakate „Mama-Taxi-freie Zone – ab hier kann ich allein gehen“, die vom Schülerrat verfassten Elternbriefe werden verteilt, der Parkplatz wird mit Flatterband abgesperrt.

„Wir wollen über die Kinder den Lerneffekt bei den Eltern stärken“, betonen die Schulleiterin und die Vorsitzende des Schulfördervereins, Ekaterina Polzer. „Das Beste, was wir uns vorstellen können, wäre, dass die Kinder morgens auch mit ihren Eltern über den eigenen Schulweg diskutieren und streiten“, wünscht sich die Schulleiterin. Die Praxis der Eltern ist bekannt – und teils auch nachvollziehbar. „Für viele Eltern liegt die Schule auf dem Weg zur Arbeitsstelle. Da lassen sie das Kind dann raus.“

Die Akteure sind sich einig: Sie wollen erreichen, dass die Kinder sich auf dem Schulweg mehr bewegen, ihre Schulkameraden vor Unterrichtsbeginn treffen und Kontakte haben. „Sie werden in ihrer Selbständigkeit gestärkt und außerdem für den Umweltschutz sensibilisiert“, führen sie an. „Das ist ein Druckaufbau gegenüber den Eltern, das muss man ehrlich sagen“, räumt die Schulleiterin ein. „Aber er ist gerechtfertigt.“

Drei Treffpunkte sollen eingerichtet werden. Von diesen Sammelstellen aus können die Kinder auch gemeinsam zur Schule gehen: Leipziger Straße, Frischmarkt Pagel und Tävenriethe-Kreuzung. Nach der Einschulung zum nächsten Schuljahr sollen sie eingeführt und begleitet werden.

Problematik an allen Grundschulen Wedemarks gleich

Langfristig haben sich die Akteure noch für den „Zu Fuß zur Schule Tag“ des Deutschen Kinderhilfswerks am 22. September angesagt. Sie haben aber auch kritisch gerechnet und wollen für diese Rechnung Sponsoren gewinnen. „Wir wollen es schaffen, im nächsten Schuljahr mindestens 0,5 Tonnen CO2 durch diese Aktionen einzusparen“, gibt Jarolin ein weiteres Ziel aus. Ein grünes Klassenzimmer soll – so auch der große Anreiz für die Schüler – mit der zusätzlichen Hilfe von Sponsoren geschaffen werden.

Die Problematik der Elternbringdienste ist an den sechs Grundschulen in der Wedemark fast überall gleich dramatisch. Mitte Juni, so Jarolin, tage wieder die Runde der Grundschulleiter. „Da steht es auf der Agenda.“

Von Ursula Kallenbach