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Wennigsen Erster Bildband über den Ruheforst Deister
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Erster Bildband über den Ruheforst Deister
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15:40 09.08.2018
Der Wennigser Fotograf Ralf Orlowski arbeitet im Auftrag der Freiherr Knigge'schen Forstverwaltung an einem Bildband über den Ruheforst. Quelle: Jennifer Krebs
Bredenbeck

Über ein Jahr Arbeit steckt in dem neuen Bildband, der im August in Druck geht. Im April vor einem Jahr machte der Fotograf Ralf Orlowski das erste Foto im Ruheforst Deister oberhalb von Bredenbeck. „Ich musste ein Gefühl für diesen besonderen Ort bekommen“, erzählt Orlowski. Immer mehr Menschen wollen sich im Wald begraben lassen. Es ist nicht nur die Umgebung, die sich von einem normalen Friedhof unterscheidet. Die Atmosphäre ist seltsam gelöst. Spaziergänger plaudern miteinander, auch Hunde dürfen angeleint umherlaufen. Der Wald ist offen für jeden.

Urnenbestattungen im Wald: Auf Wunsch werden die Bäume im Ruheforst mit einem Namensschild markiert. Quelle: Jennifer Krebs

Orlowski hat bereits zwei Fotobücher über den Deister und ein Wennigsen-Buch herausgebracht. Der Fotoband über den Ruheforst entsteht im Auftrag der Freiherr Knigge’schen Forstverwaltung. Eher zufällig hätte man zueinander gefunden, sagt der Profi-Fotograf und erzählt von seiner Ausstellung für die letzte Wennigser Kunstspur, für die er auch Forst-Betriebsleiter Ralf Schickhaus abgelichtet hatte. Da sei natürlich längst noch nicht die Rede gewesen von einem gemeinsamen Projekt, sagt Orlowski. Diese Anfrage kam später.

Tausende Aufnahmen sind in den vergangenen Monaten im Ruheforst entstanden. Dabei hatte Orlowski anfangs sogar befürchtet, dieses abgesteckte Karree Wald könnte vielleicht nicht viel hergeben. Der Fotograf ist jeden Meter im Ruheforst abgegangen. Die richtige Auswahl zu treffen für das 100-seitige Fotobuch, war hinterher das Schwierigste. „Ich wollte nicht einfach nur irgendwelche schönen Fotos machen“, sagt Orlowski, „es sollte einen roten Faden geben.“ Der Bildband zeigt die charakteristischen Ecken und es gibt etwa 30 Themen, „die immer variiert werden“, sagt Orlowski und zeigt am Bildschirm, wie er das meint.

Das große Kreuz am Andachtsplatz. Quelle: Jennifer Krebs

Auf einer Doppelseite im Buch geht es um Schatten, auf der nächsten um grüne Wurzeln und auf einer anderen um Schnee. Im Frühling versinkt der Friedhof in einem Meer aus Buschwindröschen. Natürlich gibt es auch Bilder von Trauernden und von dem das, was im Ruheforst passiert: Bestattungen. Man erkennt den Andachtsplatz mit dem großen Kreuz. Die Personen sind in Unschärfe gelassen. Orlowski, dessen Eltern auch im Ruheforst beigesetzt sind, redet von Pietät und davon, dass solch ein sensibler Bereich viel Fingerspitzengefühl brauche.

Der Fotograf erzählt, dass er mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen sei, während er mit der Kamera im Ruheforst unterwegs gewesen ist. Für die einen sei es zu wenig Friedhof, die anderen würden genau das wollen, sagt er. Der Ruheforst befindet sich im Landschaftsschutzgebiet. Blumen, Gebinde oder Kerzen dürfen nicht an den Grabstellen niedergelegt werden, damit die Vegetation geschützt wird. Besucher sollten möglichst auf den angelegten Wegen bleiben.

So groß wie 25 Fußballfelder

Etwa 60 Bestattungswälder in Deutschland dürfen sich Ruheforst nennen. Der Ruheforst Deister oberhalb von Bredenbeck ist seit neuneinhalb Jahren Betrieb. Am 18. Januar 2009 gab es die erste Bestattung. Inzwischen wurden mehr als 4000 Urnen beigesetzt. 43 Hektar Waldfläche sind für den Ruheforst reserviert, wovon 18 Hektar – so groß wie 25 Fußballfelder – genutzt werden. Auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung hat die Freiherr Knigge'sche Forstverwaltung eine öffentliche Toilette neben dem Parkplatz für Trauergäste und Waldbesucher bauen lassen.

Der Wald mit seinen prähistorischen Hügelgräbern und vielen rund 200 Jahre alten Eichen und Buchen gehört seit fast 700 Jahren der Familie der Freiherren Knigge. Früher war das hier alles Weidegebiet. Die Bauern hätten im Holtenser Hau ihr Holz gehauen, ehe ab dem Jahr 1814 die Forstwirtschaft intensiver betrieben wurde.

Der Knigge-Wald wird nach ökologisch hohen Ansprüchen bewirtschaftet und beschränkt sich auf die Verkehrssicherheit. Auf Kahlschläge wird verzichtet und ganz besonders ökologisch wertvolle Bäumen und Einzelbiotope erhalten. Seltene Tier- und Pflanzenarten haben hier deswegen eine Rückzugsmöglichkeit.

Von Jennifer Krebs

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