Füchse bereiten der Waldorfschule große Sorgen / Bereits neun Enten und sechs Hühner gerissen / Wildtiere suchen Futter für Nachwuchs
Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wennigsen Füchse bereiten der Waldorfschule Sorgen
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Füchse bereiten der Waldorfschule Sorgen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:15 29.05.2017
Von Ingo Rodriguez
Gartenbau- und Klassenlehrerin Katja Neubert (rechts) füttert im Schulgarten mit Fünftklässlern die bislang von den Füchsen noch verschonten Gänse und Enten sowie die Schafe der Waldorfschule. Dort reißen auf dem naturnahen Schulgelände (siehe Bildergalerie) seit Anfang des Jahres regelmäßig Füchse im Schulgarten Enten und Hühner. Quelle: Ingo Rodriguez
Anzeige
Sorsum

Für den Gartenbaulehrer Wahid Neubert gibt es keinen Zweifel: "Ich habe vor einiger Zeit am Garten eine Wildkamera installiert, und auf einigen Filmsequenzen ist deutlich und zweifellos ein Fuchs zu sehen", sagt er. Trotzdem geht der Waldorfpädagoge von mehreren Exemplaren der Raubtiere aus. "Die Spuren und Beutereste gehen in zwei verschiedene Richtungen. Also muss es auch zwei Fuchsbaue geben, in die die Beute verschleppt wird", sagt Neubert.

Auch unter den Dorfbewohnern sind die Raubzüge der Füchse in Sorsum längst mehr als ein Gerücht. "Es wurden ja auch schon mehrfach welche im Dorf gesehen. Die sind nicht einmal besonders scheu, sondern ziemlich dreist", berichtet der Lehrer. Außerdem seien von Schülern bereits öfter tote Hühner in der Feldmark gesehen worden. "Die Kadaver sind Beutereste von Hühnern eines Sorsumer Landwirts mit mobilen Ställen", vermutet Neubert.

Anzeige

In der Waldorfschule werden im Garten der Einrichtung Tiere gehalten, um bei den Schülern durch Pflegeaufgaben unter anderem Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen zu stärken. "Neun Flugenten und sechs Hühner sind bereits gerissen worden. Jetzt sind drei Gänse und zwei Enten unsere letzten verbliebenen Geflügeltiere", so Neubert. Und die Sorgen um das bislang verschonte Federvieh sind groß. "Die Füchse gehen ja sogar in den Schafstall und schnappen sich brütende Enten", berichtet der Pädagoge.

Neuberts Ehefrau und Kollegin Katja Neubert ist aber auch wegen der Schulschafe in Alarmbereitschaft - obwohl diese Tiere wegen ihrer Größe nicht als Fuchsbeute infrage kommen. "Vor einem Jahr ist aber auch schon einmal ein junges Lamm gerissen worden", sagt sie. Die Schulkinder seien zwar ebenfalls nicht gefährdet, weil sie als Beute zu groß seien. "Aber sie haben ja einen Bezug zu den getöteten Tieren und leiden unter den Verlusten", sagt Wahid Neubert. Auch deshalb habe die Schule bereits einen Jäger um Hilfe gebeten. "Der hat dem Fuchs eine Falle gestellt, aber das Tier ist nicht hinein getappt, Füchse sind nun einmal sehr schlau."

Für den Sorsumer Landwirt und Jagdpächter Georg Wöltje ist das Verhalten der Tiere jedoch keineswegs ungewöhnlich - weder die fehlende Scheu, noch die Beutezüge. "Es gibt einfach offenbar gerade viele Jungtiere, die jetzt in der Brut- und Setzzeit Nahrung brauchen", weiß er. Auch gebe es keine Hinweise auf einen ungewöhnlichen Anstieg der Fuchspopulation. "Die Jungen sind hungrig und müssen aufgezogen werden, da verlieren die Füchse schneller ihrer Scheu", sagt Wöltje.

Für den Jagdpächter sind die Vorfälle ein natürlicher Vorgang. "So ist das in der Natur, da muss man mit leben", sagt er. Ohnehin sei es derzeit nur erlaubt, Jungfüchse zu schießen. Eine geeignete Maßnahme zum Schutz vor den Wildtieren sei es, die Ställe besser zu sichern.

Jagdpächter warnt vor Waschbären, Tollwut und Fuchsbandwurm

Aus Sicht des Sorsumer Landwirts und Jagdpächters Georg Wöltje sind zurzeit Waschbären viel problematischer als Füchse. "Diese Tiere stammen nicht von hier, haben sich inzwischen überall ausgebreitet und richten sehr viele Schäden an", sagt Wöltje. Waschbären seien auch eine Gefahr für junge Singvögel in Nestern. "Sie sind äußerst anpassungsfähig und können sogar schwimmen", so Wöltje.

Bei Füchsen warnt der Jagdpächter eher vor Tollwut - auch wenn derzeit in jüngerer Vergangenheit in der Umgebung kein Fall bekannt geworden sei. "Füchse sind manchmal extrem zutraulich und beißen dann zu." So könne es zur Übertragung kommen. Große Gefahr gehe auch vom Fuchsbandwurm aus, der über den Kot ausgeschieden werden und auch bei Menschen zum Tod führen könne. "Wer sich etwas mit der Angelegenheit auskennt, weiß dass man im Wald keine Beeren auf Kniehöhe pflücken und verspeisen sollte", sagt Wöltje.

28.05.2017
Jennifer Krebs 26.05.2017
Jennifer Krebs 26.05.2017