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Wennigsen Aus sieben wird eins: Wie Wennigsen vor 50 Jahren zur Gemeinde wurde
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Aus sieben wird eins: Wie Wennigsen vor 50 Jahren zur Gemeinde wurde
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16:09 30.07.2019
Das alte Rathaus der früheren, kleinen Gemeinde Wennigsen steht an der Einmündung der Sorsumer Straße. Heute sind darin Praxen untergebracht. Quelle: Andreas Kannegießer
Wennigsen

Die Gemeinde Wennigsen feiert im nächsten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1970 ist das umständlich benannte „Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Wennigsen (Deister), Landkreis Hannover“ in Kraft getreten, das der Niedersächsische Landtag Ende November 1969 beschlossen hatte. Das Gesetz bildete die Grundlage für den Zusammenschluss von Wennigsen mit den umliegenden Dörfern zur heutigen Großgemeinde.

In Wennigsen ist nach Mitteilung der Gemeindeverwaltung bereits seit geraumer Zeit in den Ortsräten, in der Bürgerschaft und in den Vereinen diskutiert worden, wie das anstehende Gemeindejubiläum begangen und in welchem Rahmen das Ereignis gefeiert werden könnte. Nun will die Verwaltung alle bisherigen Vorschläge und weitere Ideen zusammenführen und in einer Veranstaltung öffentlich diskutieren.

Das Treffen zum Gemeindejubiläum ist am Dienstag, 13. August, ab 18.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses an der Hauptstraße. Bürgermeister Christoph Meineke hat Vertreter von Politik, Vereinen, Verbänden und Institutionen, aber auch alle interessierten Bürger dazu eingeladen.

Gemeinde war die größte im Umkreis

Das Gesetz über die Gemeindeneubildung von 1969, das sogenannte „Wennigsen-Gesetz“, hatte vor 50 Jahren Vorbildfunktion für viele weitere kommunale Zusammenschlüsse im Land Niedersachsen in den Folgejahren bis hin zur großen Gebietsreform im Jahr 1974.

Dabei sind im Wennigsen-Gesetz lediglich drei Paragraphen aufgelistet. Es bestimmte den Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Argestorf, Bredenbeck, Degersen, Evestorf, Holtensen bei Weetzen, Sorsum und Wennigsen zur neuen Gemeinde Wennigsen mit insgesamt 11.000 Einwohnern. Dabei entstand die mit 53 Quadratkilometern damals für einige Zeit größte Gebietskörperschaft im Umkreis von Hannover. Heute ist die Gemeinde Wennigsen flächenmäßig die fünftkleinste unter den 21 Kommunen in der Region Hannover.

Das Johanniterhaus neben dem Wennigser Kloster ist eines der ortsbildprägendsten Gebäude der Gemeinde. Quelle: Andreas Kannegießer

Gründungsakt mit Ordenverleihung

Vor dem Zusammenschluss der sieben bis dahin selbstständigen Kommunen gab es 1969 vieles zu regeln und untereinander abzustimmen. In einem regelmäßig tagenden, sogenannten Sonntagskreis wurden viele Probleme aus der Welt geschafft. Mit von der Partie waren dabei die Bürgermeister sowie Mitglieder der Verwaltungsausschüsse aus den sieben Kommunen.

Nachdem die Gemeindereform zum Jahresbeginn 1970 in Kraft getreten war, wurde das Ereignis offiziell mit einem Gründungsakt am 31. Januar 1970 unter Vorsitz des Oberkreisdirektors des Landkreises Hannover, Friedrich Bischoff, in Wennigsen gefeiert. Für die besonderen Leistungen bei der Vorbereitung der Gemeindefusion wurde dem Wennigser Bürgermeister August Klages beim Festakt sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Erster Bürgermeister der neuen Großgemeinde Wennigsen wurde Horst Mohaupt. Dieser war zuvor – von 1957 bis 1969 – zwölf Jahre lang hauptamtlicher Gemeindedirektor von Wennigsen gewesen. Als parteiloser Kandidat wurde Mohaupt von der CDU zur Wahl zum Bürgermeister vorgeschlagen und bekam tatsächlich die Mehrheit der Stimmen. Nach rund einem Jahr trat der Bürgermeister nach Differenzen mit den Fraktionen allerdings schon wieder zurück. Erster Gemeindedirektor nach dem Zusammenschluss wurde Reinhard Feldkamp.

Eklat nach Streit um Geld

Der erste Großgemeinderat hatte 19 Mitglieder, die CDU stellte darin die Mehrheit mit zehn Sitzen. Bei den Kommunalwahlen 1972 änderten sich dann die politischen Kräfteverhältnisse: Die SPD gewann die Wahl, neuer Bürgermeister wurde der Sozialdemokrat Konrad Dannenberg.

Konfliktfrei verlief die Zeit rund um die Gemeindegründung vor 50 Jahren allerdings nicht. Gestritten wurde sehr schnell ums Geld. Das Land Niedersachsen förderte den Zusammenschluss der sieben Gemeinden mit einem Zuschuss von 340.000 Mark. Eigentlich war fest vereinbart, dass für die Bürger der neuen Großgemeinde die Realsteuern für die Dauer von fünf Jahren nicht erhöht werden sollten. Schon nach zwei Jahren wurde diese Zusicherung allerdings gebrochen, weil die Einnahmen nicht ausreichten. Die Degerser begehrten daraufhin auf: Bei einer politischen Versammlung in Degersen wurden alle Wennigser Gemeindevertreter – allen voran der spätere Landrat Jürgen Bauermeister – des Saales verwiesen. Der damalige Degerser Ortsbürgermeister Fritz Sennholz musste sich daraufhin vor einem SPD-Parteigericht verantworten.

Auch wesentlich später brach der Streit ums Geld immer wieder auf: 1986 etwa mokierten sich die Degerser darüber, dass Einnahmen aus dem Verkauf von Bauland in Degersen dazu genutzt werden sollten, die Löcher in der Wennigser Gemeindekasse zu stopfen.

Ausdruck der gestiegenen Bedeutung der Großgemeinde Wennigsen ist das Gemeindezentrum mit der Sonnenuhr von Erich Pollähne davor. Quelle: Andreas Kannegießer

Festakt im Zelt zum 40. Geburtstag

Vor knapp einem Jahrzehnt haben die Wennigser Bürger schon einmal die Wiederkehr der Gemeindegründung gefeiert: Zum 40. Geburtstag der Gemeinde gab es im April 2010 einen Festakt in dem großen Zelt, das anlässlich der Wennigser Gewerbeschau aufgebaut worden war. Im Mittelpunkt stand damals ein Vortrag von Jürgen Bauermeister, der sich als Zeitzeuge an die Umstände der Gemeindegründung erinnerte. Es gab Musik vom Bredenbecker Frauenchor A-cappella und der Second-Star-Band. Ein Grußwort sprach der damalige Erste Regionsrat Axel Priebs.

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