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Wennigsen Borkenkäfer: Waldbesitzer müssen massive Schäden verkraften
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Borkenkäfer: Waldbesitzer müssen massive Schäden verkraften
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15:51 10.10.2019
Der Borkenkäferbefall hat in den Fichtenbeständen der Knigge'schen Forstverwaltung im Deister bereits für größere Kahlflächen gesorgt. Quelle: Andreas Kannegießer
Wennigsen/Bredenbeck

Der massive Borkenkäferbefall in den Nadelholzbeständen im Deister hat auch massive Auswirkungen auf den Wald, der von der Knigge’schen Forstverwaltung im Bereich Wennigsen und Bredenbeck bewirtschaftet wird. Die Forstwirte mussten bereits Tausende befallener Bäume fällen, und ein Ende ist längst noch nicht absehbar. Inmitten der Knigge’schen Bestände gibt es inzwischen größere Kahlflächen. Knigge-Betriebsleiter Ralf Schickhaus spricht von einer „hochdramatischen Situation“ für den Wald. „So etwas hat es in den 37 Jahren, die ich hier bin, noch nicht gegeben.“

Borkenkäfer wie Kupferstecher oder Buchdrucker bohren sich in die Rinde von Nadelbäumen – insbesondere Fichten – ein und können die betroffenen Bäume binnen kurzer Zeit zum Absterben bringen. Wegen der erneut langen Trockenheit im Sommer haben die flugfähigen Insekten in diesem Jahr besonders günstige Bedingungen vorgefunden: Die von der Trockenheit geschwächten Bäume schaffen es nicht, sich mit vermehrtem Harzfluss gegen die Käfer zur Wehr zu setzen.

Kapazitäten fehlen: Es gibt derzeit zu wenige Unternehmen, die das Fällen und Aufarbeiten von befallenen Nadelbäumen übernehmen. Quelle: Andreas Kannegießer

Käfer fressen derzeit weiter

Sobald Nadelbäume einmal befallen sind, gibt es für sie keine Rettung mehr: Sie werden binnen weniger Wochen braun und sterben ab. Um das Ausbreiten der Insekten auf die umliegenden Bestände zu verhindern, müssen die befallenen Fichten schnell gefällt und das Holz aus den Beständen entfernt werden.

Gebremst wird die Aktivität der Käfer erst im Herbst bei kalten Temperaturen. So weit ist es noch nicht: „Bei etwa 15 Grad fressen die Käfer noch ganz locker weiter“, sagt Schickhaus. Lediglich die Gefahr des Auftretens einer weiteren Käfergeneration sei inzwischen gebannt. „Sie vermehren sich nicht mehr.“

Die Knigge’sche Forstverwaltung bewirtschaftet rund 1300 Hektar eigene Waldflächen im Deister, davon sind nach Schickhaus’ Worten rund 21 Prozent Fichten. Ein erheblicher Teil von ihnen ist befallen und entweder bereits gefällt worden oder kaum mehr zu retten. „Von den reinen Fichtenbeständen stehen nicht mehr viele“, sagt Schickhaus. Die Kahlflächen seien noch nicht aufgemessen, berichtet der Betriebsleiter, „aber es könnten 20 bis 25 Hektar sein“.

Preise für Holz sind tief im Keller

Der Schaden ist gewaltig: Die Waldeigentümer müssen die Kosten für das Fällen und die Holzaufarbeitung aufbringen. Hinzu kommt, dass die Preise für Holz angesichts des momentanen Überangebots tief im Keller sind. Derzeit sei für Fichtenholz weniger als ein Drittel des Preises von vor zwei Jahren zu erzielen, sagt Schickhaus – wenn sich denn überhaupt ein Abnehmer findet. Bisher hat die Knigge’sche Forstverwaltung wegen langfristiger Verträge das aufgearbeitete Nadelholz noch verkaufen können. „Ein Teil geht nach China, aber zu einem miserablen Preis“, berichtet der Betriebsleiter.

Zwar hat die Knigge’sche Forstverwaltung auch einige eigene Forstwirte im Einsatz, beim Fällen und der Aufarbeitung ist der Familienbetrieb aber auf die Arbeit von Lohnunternehmern angewiesen. Wirtschaftlich sei nur eine hoch mechanisierte Aufarbeitung, etwa mithilfe sogenannter Harvester, sagt Schickhaus. „Unsere eigenen Leute arbeiten dabei zu.“. Zu den vielen Problemen, die es derzeit zu lösen gelte, gehöre aber auch, dass es zu wenig geeignete Lohnunternehmen gebe, die freie Kapazitäten haben.

Dramatische Situation für Familienunternehmen

In den nächsten Monaten drohe nach den Worten des Betriebsleiters zudem, dass sich die noch vorhandenen Vertriebskanäle für das Käferholz schließen. „Wenn wir das Holz gar nicht mehr verkaufen können, werden wir mit der Aufarbeitung irgendwann aufhören“, erläutert Schickhaus. Dann müssten befallene Bäume unter Umständen bis zum nächsten Jahr stehen bleiben.

Der Betriebsleiter verweist darauf, dass die Situation für ein Familienunternehmen wie das der Knigges besonders problematisch sei. „Wir leben davon“, sagt er, die Eigentümer seien auf die Erträge aus der Waldwirtschaft angewiesen. Derzeit decke der Holzverkauf kaum noch die Kosten der Holzernte, der Betrieb lebe von der Substanz.

Angesichts der Trockenheit und der sich verändernden Klimabedingungen stellt sich für die Waldbesitzer überdies die Frage, wie es in Zukunft weitergeht. „So müssen wir auch entscheiden, was wir auf die Kahlflächen draufbringen“, sagt Schickhaus. Plausible Antworten auf viele aktuelle Fragen gebe es noch nicht. „Wir sind ziemlich ratlos.“

Bei der Holzernte im Deister setzt die Knigge’sche Forstverwaltung auf den Einsatz von leistungsfähigen Maschinen wie etwa den sogenannten Harvestern. Allerdings fehlen derzeit Kapazitäten bei den damit beauftragten Lohnunternehmern. Quelle: Archiv (Kathrin Götze)

 

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Von Andreas Kannegießer

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