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Wennigsen Im Kegelklub Pumpe sind Frauen auch nach 100 Jahren tabu
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Im Kegelklub Pumpe sind Frauen auch nach 100 Jahren tabu
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12:43 13.05.2019
Zum Jubiläum ein Ständchen: Kegelvater Dirk Müller (Dritter von links) stimmt mit dem Kegelklub Pumpe Wennigsen bei der Feier anlässlich des 100-jährigen Bestehens das Klublied an. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

Die Kugel liegt gewiss nicht mehr ganz so leicht in der Hand. Auch fällt es manchem Kegelbruder nicht mehr ganz so leicht, Schwung zu holen und sich beim Wurf herunterzubeugen. Die sprichwörtlich ruhige Kugel schieben die in Würde ergrauten Herren trotzdem inzwischen nur bei der Flüssigkeitsaufnahme. „So viel Bier wie früher vertragen wir nicht mehr, aber es wird immer noch leidenschaftlich gekegelt“, sagt Dirk Müller und schmunzelt. Dann stimmt der Kegelvater mit seinen rüstigen Mitstreitern kurzerhand das Klublied an. „Wir haben es schon im Stehen gekonnt, im Sitzen und im Liegen. Und wenn wir einmal Englein sind, dann können wir’s auch im Fliegen“, hallt es auf der alten Kegelbahn der Gaststätte Möllerburg.

Regelwerk ist immer noch streng

Dort feiern die Männer aus dem KegelklubPumpeWennigsen das 100-jährige Klubbestehen. Ein Jubiläum, das in Zeiten moderner Bowlingbahnen und abnehmenden Interesses an dem ursprünglichen Wurfsport nicht mehr vielen Kegeltruppen gelingt. Doch die Senioren um Müller sind nicht nur ihrem Hobby, sondern auch sich selbst treu geblieben. „Bier trinken wir immer noch – und die Frauen dürfen immer noch nicht mitkegeln“, sagt Müller und grinst verschmitzt. Er blickt während der Jubiläumsfeier auch noch einmal auf die Geschichte des Kegelklubs zurück und erzählt mit seinen Mitstreitern alte Anekdoten – Geschichten, bei denen buchstäblich kein Auge trocken bleibt. Verständlich: „Der Klub wurde im Februar 1919 als als Junggesellenklub gegründet“, erzählt Müller. „An den Kegelabenden wurden auch schon bis zu zwei Fässer Bier ausgetrunken. Als aus den Junggesellen Familienväter geworden waren, durften die Ehefrauen immer noch nicht mitmachen“, sagt Müller. So sei es in der Klubhistorie über den ersten Kegelvater Max Bähre überliefert.

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Erster Kegelvater: Der Mitbegründer Max Bähre. Quelle: Privat

Kegelvater ist dienstältestes Klubmitglied

Müller ist mit seinen 77 Jahren zwar derzeit nicht der älteste Kegler, kann aber die längste Zugehörigkeit vorweisen. Er sei in den Sechszigerjahren als junger Student über seinen Vater zur Truppe dazu gestoßen. „Ich war davor als Jugendlicher schon bei denen Kegeljunge und habe für eine Brause die Kegeln wieder aufgestellt – elektronische Bahnen gab es ja noch nicht“, sagt Müller. Er leitet schon seit 35 Jahren als inzwischen dritter Kegelvater federführend die Geschäfte. Und immer noch gilt: „Erscheint die Dame eines Kegelbruders an einem normalen Kegelabend vor 22.30 Uhr auf der Bahn, ist für den Mann eine Runde fällig“, sagt Müller. Immerhin binden die Kegler – wie übrigens früher auch – ihre Ehefrauen bei gemeinsamen Radtouren und Ausflügen ein.

Im Jahr 1950 feiert die Kegeltruppe das 30-jährige Bestehen nach und zieht feierlich durch das Dorf. Quelle: Privat

Nun ist Nachwuchswerbung angesagt

Der 79-jährige Hans-Peter Welbers kennt diese Regeln und Geschichten noch nicht allzu lange. Welbers ist zwar der ältestes unter den zurzeit zehn aktiven Kegelbrüdern, aber erst seit September 2018 dabei. „Mein Nachbar hat mich geködert und mitgenommen“, sagt er. Am Jubiläumsabend sind aber auch ehemalige Kegelbrüder dabei, die nicht mehr regelmäßig mitmachen, aber dem Klub verbunden geblieben sind. Angesichts ihres hohen Altersdurchschnitts denken die Herren nun auch verstärkt über Nachwuchswerbung nach. „Unsere erwachsenen Kinder wohnen fast alle weit weg, deshalb sollten wir langsam damit anfangen, jüngere Kegler anzuwerben“, sagt Müller. Zu den Kegelabenden trifft sich der Klub Pumpe an jedem ersten und dritten Freitag eines Monats in der Gaststätte Möllerburg. „Das ist seit 1957 unsere Klubheimat“, sagt Müller. Zuvor sei es im damaligen Stammlokal – dem frühere Schützenhof an der Hauptstraße – zu Unstimmigkeiten gekommen. Was genau dazu geführt habe, sei jedoch nicht überliefert, sagt Müller augenzwinkernd.

Im Jahr 1950 feiert die Kegeltruppe das 30-jährige Bestehen – und lässt auch eine Frau mit auf das Foto. Quelle: Privat

Von Ingo Rodriguez