Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wennigsen Kritik an den neuen Regeln für den Treffpunkt an der KGS
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Kritik an den neuen Regeln für den Treffpunkt an der KGS
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:23 23.04.2019
Tote Hose? Der Eindruck täuscht. Vor allem an den Wochenenden treffen sich auf dem KGS-Gelände viele Jugendliche. Quelle: Elena Everding
Anzeige
Wennigsen

Die neuen Regeln, die die Gemeindeverwaltung für den Treffpunkt an der Sophie-Scholl-Gesamtschule vorschlägt, stoßen in ersten Reaktionen auf großes Unverständnis: „Die vorgeschlagene Satzung schafft keinen angemessenen Ausgleich zwischen den Interessen der Anwohner und der Jugendlichen“, meint nicht nur SPD-Ratsherr Jonas Farwig.

Die Verwaltung hat vorgeschlagen, die Kleinspielfelder für Beachvolleyball und Basketball sowie das Kleinfußballfeld auf dem Gelände der Sophie-Scholl-Gesamtschule neu in die Spielplatzsatzung aufzunehmen. Doch ein generelles Verbot von „elektroakustisch verstärkten (Musik-)Anlagen“, wie es in der Satzung formuliert ist, eine Begrenzung der Nutzungszeiten bis 20 Uhr, eine Mittagspause an Sonn- und Feiertagen und auch ein generelles Alkoholverbot – all das, kritisiert Farwig, führe dazu, dass die Jugendlichen aus dem Ort verdrängt werden. Der 20-Jährige fragt sich: Wo sollen und dürfen sie sich in Wennigsen denn noch aufhalten?

Anzeige

Jugend wird aus dem Ort verdrängt

Farwig irritiert schon das Wort „Spielplatzsatzung“. Wieso, fragt er, solle aus einem Ort, an dem sich Jugendliche und junge Erwachsene treffen, ein „Spielplatz“ werden. Farwig zitiert den Duden, in dem ein „Spielplatz“ als „Platz im Freien zum Spielen für Kinder“ definiert ist. Warum müsse die Nutzung des KGS-Geländes durch eine solche Festlegung beschränkt werden?

Als Mitglied im Präventionsrat war Farwig bei den Gesprächen des Runden Tisches dabei – „und ich konnte mir von den verschiedenen Meinungen ein Bild machen“, sagt er. Der Präventionsrat hatte den Runden Tisch eingerichtet, um mit den Anwohnern, den Jugendlichen und der Schule ins Gespräch zu kommen. Dass die Jugend ihren Raum braucht, darin seien sich alle Beteiligten einig gewesen, sagt Farwig. In der Ausgestaltung der Regeln natürlich nicht – aber die vorgeschlagene Satzung, bedauert Farwig, sei in der jetzigen Form ein Schlag ins Gesicht für viele Jugendliche und junge Erwachsene in Wennigsen.

Freizeit muss ausgelebt werden dürfen

Hans-Jörg Albrecht haut in die gleiche Kerbe und fragt sich „mittlerweile wirklich, wie weit in Wennigsen gedacht wird“. Er ist beratendes Mitglied im Jugendausschuss und wohnt nicht weit weg von der Sophie-Scholl-Schule in der Lutterbrinkstraße. Wie solle fußballspielenden Kindern an einem sonnigen Ferientag erklärt werden, dass jetzt auf dem Bolzplatz Mittagspause ist?

Sowohl der Bolzplatz, der inzwischen mehr einem Acker gleiche, als auch das Basketball- und Volleyballfeld seien mit viel Euphorie vor einigen Jahren für mehrere Zehntausend Euro gebaut worden. „Hier sollte die Freizeit ausgelebt werden dürfen“, meint Albrecht, der ohnehin der Ansicht ist, dass eine Mittagspause und Zeitlimits das Problem in den Abendstunden auf dem KGS-Gelände keineswegs lösen werden. „Die Jugendlichen werden auf die Satzung pfeifen und sich andere Treffpunkte suchen“, denkt Albrecht.

Bald überall tote Hose?

Sicherlich könne die neue Skateanlage am Bröhnweg ein neuer Freizeittreff werden. Aber laut der geplanten Satzung zähle ja auch eine Skateanlage zu sogenannten Fitness-Parcours und würde somit in die Spielplatzsatzung fallen. Dann würde in Wennigsen endgültig tote Hose sein, befürchtet Albrecht.

Im Übrigen, sagt Albrecht, hätten sich die Anwohner vor vielen Jahren selbst dazu entschlossen, an der KGS zu wohnen. Dann müsse damit gerechnet werden, dass es dort tagsüber zu einem gewissen Lautstärkepegel kommen kann. Die nächtlichen Partys an den Wochenenden hätten zumindest nichts mit einer Spielplatzsatzung zu tun, meint Albrecht. Hier sollten andere präventive Maßnahmen und Verbotsregeln umgesetzt werden.

Von Jennifer Krebs