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Wennigsen Wennigser Arzt hilft Menschen auf der ganzen Welt
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10:23 23.12.2018
Eigentlich ist Rolf Gehre kein Chirurg, dennoch muss er immer wieder in den OP. Quelle: privat
Wennigsen

Er geht dort hin, wo die Ärmsten der Armen auf medizinische Versorgung hoffen: Der Wennigser Arzt Rolf Gehre ist seit 2011 für die Organisation „German Doctors“ unterwegs, hilft Menschen in Sierra Leone, Uganda, Kenia und an vielen weiteren Orten.

Drei bis vier Monate im Jahr verbringt er im Ausland. „Ich würde auch länger weg bleiben, aber diesen Deal habe ich mit meiner Familie gemacht“, sagt der Mediziner aus Leidenschaft. Doch wie kam es zu den Auslandseinsätzen? Einen gewissen Abenteuer-Wunsch habe er schon immer gehabt. Und der sei immer stärker geworden. Doch dann kamen Heirat, Kinder, Praxis – die Reisen blieben zunächst aus. Doch dann stiegen die Patientenzahlen immer weiter, der Arbeitsaufwand wurde höher und höher, die Bürokratie nahm zu und eine unaufhörlich zu wachsen scheinende Vorschriftenlast ließ den Gedanken an „noch mal was Anderes“ nicht unbedingt kleiner werden.

Irgendwann entschloss er sich, es einfach zu machen und flog 2008 nach Kenia. „Da habe ich gemerkt, wie sehr mir das gefällt, Menschen, die nichts haben, Hilfe anzubieten“, sagt er. Im Juni 2011 gab er seine Hausarztpraxis auf und folgte ganz dem „Ruf der Wildnis“. Die zunehmende Kommerzialisierung der Medizin in seiner Heimat störte ihn, er wollte Menschen helfen.

Die Arbeit befriedige ihn mehr, er fühle sich nützlicher – und das trotz zum Teil gefährlicher Situationen. Unter anderem war er in Kenia, als dort Wahlunruhen herrschten. „Ich hatte trotzdem nie wirklich Angst um meine Sicherheit“, sagt Gehre. Denn Europäer würden eher selten angegriffen – selbst in Konfliktregionen. „In Kenia wurden Kirchen abgefackelt, die Menschen sind sich an die Gurgel gegangen – aber wir wurden immer durchgewunken.“ Doch die Gewalt, die man teilweise erlebt, habe ihm zugesetzt. „Wenn man sieht. wie Menschen sich im Slum für umgerechnet einen Euro den Schädel einschlagen ist das schon deprimierend“, sagt er. Auch seine Aufenthalte in Gebieten mit Ebola haben ihn nicht abgeschreckt. Immerhin sei er mittlerweile „geimpft wie ein Nadelkissen.“

Seine humanitären medizinischen Einsätze der vergangenen Jahre führten Gehre nach Kenia, Sierra Leone, Ghana, auf die Philippinen, nach Liberia und Uganda. „Meist war ich als Internist und Generalist unterwegs, in Sierra Leone auch mal eine Zeit lang als der einzige chirurgisch tätige Arzt der dortigen Buschklinik“, sagt er. Denn die Einsatzwirklichkeit ist eine ganz andere als hierzulande. Da muss auch ein Allgemeinarzt auf allen Gebieten – von Anästhesie über Geburtshilfe bis zum Zähneziehen – helfen. Mit westlichen Standards kann die Arbeit nicht verglichen werden.

Ein Einsatz wird ihm besonders in Erinnerung bleiben: Gehre musste dort seinen ersten Kaiserschnitt ausführen. „Da hatte ich ganz schön Manschetten“, sagt er. Doch die Entscheidung zu handeln fiel im leichter als zunächst gedacht. „Man braucht drei Stunden bis zur nächsten befestigten Straße, eine Verlegung war nicht möglich, einen anderen Arzt holen auch nicht“, sagt er. Während er in Deutschland hätte überlegen müssen, ob er diese Verantwortung übernehmen kann, ging es in Sierra Leone um Leben und Tod, machen oder nicht machen. „Und ich musste es wenigstens versuchen“, sagt er. Ohne Strom und ohne Wasser führte er in dieser Silvesternacht die OP durch. „Das war alles sehr abenteuerlich.“ Das Glück war auf seiner Seite – Mutter und Kind überlebten und waren beide wohl auf. „Das schreiende Kind dann in den Händen zu halten ist ein ganz besonderes Erlebnis gewesen.“

In Sierra Leone habe es anfangs weder Strom noch Wasser gegeben. „Wir sind mit Öllampen über die Station gegangen“, erinnert sich Gehre. Es wurde sogar im Licht der Taschenlampen operiert. Mittlerweile gibt es dort eine Solaranlage und eine Pumpe.  Erschreckend für ihn: Mit nur zwei Prozent der Mittel, die es hierzulande gibt, könnte man in den Dritte Welt Ländern, in denen er hilft, 95 Prozent der Probleme lösen. „Da lernt man wieder zu schätzen, wie gut es einem geht“, sagt Gehre, der in den Zeiten zwischen den Einsätzen in der Region als Hausarztvertreter oder Vertretungsarzt in Krankenhäusern tätig ist.

Auch auf den Philippinen war der Arzt tätig. Dort werde seiner Meinung nach die Hilfe dringend benötigt. „30 Kilometer von Shopping Mall leben Menschen, die noch nie einen Arzt gesehen haben. Das macht für die einen großen Unterschied, dass wir da sind“, sagt er. Daher steht für ihn auch fest: Ein paar Jahre will er noch weiter machen. „Bis die ersten Zimperlein kommen.“ Dann wird es wohl weniger werden.

 

Das sind die „German Doctors“

German Doctors ist eine international tätige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Bonn. Seit 1983 entsendet die Organisation unentgeltlich arbeitende Ärzte und Ehrenamtliche in Projekte auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Sierra Leone, Kenia und Nicaragua.

Der Grundsatz von German Doctors: „Jeder Mensch hat das Recht auf medizinische Versorgung – unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, politischen Meinung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen.“ Seit mehr als 30 Jahren leisten German Doctors in Slums und ländlichen Regionen vieler Entwicklungsländer ehrenamtliche Arzteinsätze. Um die Gesundheit der Patienten langfristig zu verbessern, schulen die Ärzte sie zu Themen wie Hygiene, Ernährung und Familienplanung. Eine weitere wichtige Säule der Arbeit ist die medizinische Ausbildung einheimischer Fachkräfte. Die Einsatzärzte investieren sechs Wochen ihres Jahresurlaubs oder Zeiten des Ruhestands in die Projekteinsätze. Sie verzichten dabei auf jegliche Vergütung und tragen in Höhe der halben Flugkosten einen Teil der anfallenden Verwaltungskosten selbst.

Seit der Gründung hat German Doctors 5.700 Einsätze mit mehr als 2.700 Ärzten durchgeführt. Aktuell werden acht Arztprojekte betreut. In diesen Projekten haben die Ärzte täglich mit mehr als 1500 Patienten Kontakt. Zudem gibt es 17 arztprojektnahe Ergänzungsprogramme, zum Beispiel Tuberkulose-Krankenhäuser und HIV-Programme. Auch unterstützt die Organisation Projekte in den Bereichen Erziehung, Agrarwirtschaft und Katastrophenhilfe in derzeit 19 Ländern. Wer sich über German Doctors informieren will, der kann dies auf der Homepage der Organisation tun.

 

Von Lisa Malecha

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