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Stadt Hannover 25-Jähriger gesteht brutale Vergewaltigung
Aus der Region Stadt Hannover 25-Jähriger gesteht brutale Vergewaltigung
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00:15 31.01.2015
Von Michael Zgoll
Vom Opfer zum Täter: Tobias M. mit seinem Anwalt Matthias Waldraff. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Die 23-Jährige kommt von einer Party, an einem frühen Sonntagmorgen im August 2014. An der Oberricklinger Haltestelle Am Sauerwinkel steigt die Frau aus der Stadtbahn, ein angetrunkener Mann verfolgt sie. Dann, schon etwas geängstigt, werden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr. Der Fremde fällt über sie her. Setzt sich auf sie. Schlägt ihren Kopf mehrfach auf das Pflaster. Er zieht ihr die Hose herunter, würgt sie, zwingt sie zum Oralverkehr. Als ein Auto vorbeikommt, flieht der Täter, kann aber kurze Zeit später gestellt werden. Seit Mittwoch muss sich der 25-jährige Tobias M. aus Hemmingen vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover wegen Vergewaltigung verantworten.

M. ist voll geständig. Sein Verteidiger Matthias Waldraff verlas eine ausführliche Erklärung seines Mandanten. Dieser bereue das Verbrechen zutiefst, hasse sich selbst für die Tat. Am Montag habe er, freiwillig, 5000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer überwiesen.

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Täter wurde vom Opa missbraucht

Der Anwalt verwies aber auch auf die Vorgeschichte von M. 2002 war der damals Zwölfjährige von einem Großvater zweimal missbraucht worden, ebenso wie sein Bruder Jahre zuvor. Das Landgericht verurteilte den 67-jährigen Täter zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Ein Mitglied der Jugendkammer war damals Richterin Monika Thiele; jetzt führt sie den Vorsitz der 4. Großen Strafkammer.

Am Mittwoch entfaltete sich ein Bild von M. als unsicherer, frustrierter Mann. Der Realschüler brach mehrere Ausbildungen ab, führte eine konfliktreiche Beziehung mit einer Frau, mit der er einen Sohn hat. Sechs Wochen vor der Tat trennte sie sich von ihm, er wohnte bei seinen Eltern in Hemmingen. „Habe die Schnauze voll von Frauen, die machen nur Probleme“, schrieb er 2014 in einem Brief.

Opfer leidet noch immer

Anwalt Waldraff sagt, dass sein Mandant aufgrund des eigenen Missbrauchs unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Fatalerweise habe er aber nie eine Psychotherapie absolviert. Doch solle dieses Versäumnis die Vergewaltigung im Vorjahr nicht entschuldigen: „Das war eine unglaublich widerwärtige, erbärmliche Tat.“

Die junge Frau, die sich bei dem Überfall verzweifelt wehrte, die Todesangst verspürte und schwer verletzt wurde, wuchs in Mexiko auf. Seit wenigen Jahren lebt sie in Deutschland, möchte in Hannover Sozialpädagogik studieren. Derzeit bereitet sie sich auf die Prüfungen eines Deutschkurses vor - doch ihre Anwältin Doris Kahle fürchtet, dass sie scheitern könnte. Ihre Mandantin habe eine Therapie begonnen, sie lebe derzeit wie unter einer Glocke und leide unter erheblichen Konzentrationsstörungen.

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