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Stadt Hannover 400 Stürze durch Glatteis in der Region Hannover
Aus der Region Stadt Hannover 400 Stürze durch Glatteis in der Region Hannover
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11:58 02.02.2010
Schmerzhaft: Jessica Marino muss nach ihrem Sturz auf dem Schünemannplatz in Ricklingen noch zwei Wochen im  Friederikenstift verbringen.
Schmerzhaft: Jessica Marino muss nach ihrem Sturz auf dem Schünemannplatz in Ricklingen noch zwei Wochen im Friederikenstift verbringen. Quelle: Rainer Surrey
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Etwa ein Drittel von ihnen zog sich Knochenbrüche vor allem an Hand- und Sprunggelenken, Ellenbogen, aber auch an Oberschenkelhals und Oberarm zu, zwei Drittel der Patienten erlitten schmerzhafte Prellungen und Zerrungen. Aufgrund der Witterungsverhältnisse hat die Stadt Hannover das Streusalzverbot bis auf Weiteres aufgehoben, was aber vielen Hausbesitzern nicht helfen wird: In etlichen Bau- und Gartenmärkten ist Streusalz ausverkauft.

Im Klinikum Nordstadt operieren die Ärzte seit Tagen rund um die Uhr komplizierte Knochenbrüche. Planbare Operationen wie der Ersatz von Knie- und Hüftgelenken werden verschoben, um Akutfälle behandeln zu können. Seit Freitagmittag zählten die Mediziner allein im Klinikum Nordstadt 90 witterungsbedingte Verletzungen, das sind etwa ein Drittel mehr als normalerweise. Das Friederikenstift zählte rund 50 Sturzverletzungen, die Henriettenstiftung rund 30 und die Kliniken im ehemaligen Landkreis, darunter in Laatzen, Lehrte, Großburgwedel und Gehrden, mehr 160 Verletzte zusätzlich. „Bis jetzt ist die Versorgung aber noch gut zu bewältigen“, sagte Bernhard Koch, Sprecher des Klinikums Region Hannover.

Obgleich die Stadt Hannover das Streusalzverbot aufgehoben hat, weil viele Fußwege extrem glatt sind, müssen Hannoveraner auf Sand und Splitt zurückgreifen, weil Streusalz in vielen Märkten ausverkauft ist. „Wir sollten Freitag eine neue Lieferung erhalten, sie ist aber nicht gekommen, hieß es bei Hornbach und Obi. Dort hofft man nun täglich auf Nachschub, doch keiner weiß, wann damit zu rechnen ist.

Weil die Mitarbeiter von aha ausschließlich mit dem Räumen von Straßen, Fuß- und Radwegen beschäftigt sind, hat das kommunale Unternehmen drei Betonfahrzeuge mit Fahrern beauftragt, die rund 1100 Sandkisten im Stadtgebiet aufzufüllen „Es kann immer mal vorkommen, dass einige Kisten leer sind“, sagte eine aha-Sprecherin. Die drei Fahrzeuge befänden sich im Dauereinsatz. Aha rät dringend dazu, durch Salz angetautes Eis mit Schneeschiebern beiseite zu räumen. „Wenn es nachts friert, ist es sonst am nächsten Morgen so glatt wie vorher.“

Außer mit Sturzverletzungen müssen sich Hannovers Ärzte derzeit auch mit einer hohen Zahl von Magen-Darm-Infekten beschäftigen. Der Allgemeinmediziner Helmut Beermann berichtet, dass sich „massenweise“ Patienten mit Brechdurchfall bei ihm melden. „Ich gehe davon aus, dass Noroviren unterwegs sind“, sagte Beermann. Ähnliches berichtete auch der Kleefelder Arzt Armin Günther. In seiner Praxis hätten sich in den vergangenen Tagen auch verstärkt erkrankte Pflegekräfte gemeldet. Nach Angaben der Region Hannover sind in rund zehn Altenheimen Bewohner und Personal mit dem Norovirus infiziert. Die Ausbrüche seien jedoch nicht besorgniserregend, sagte Regionssprecher Nils Meyer. Beim Landesgesundheitsamt waren allein aus Hannover in der vergangenen Woche 118 bestätigte Fälle gemeldet. Der Virusexperte der Behörde, Markus Kirchner, geht davon aus, dass die wirkliche Zahl der Erkrankungen mit dem Brechdurchfall rund zehnmal höher liegt. Vor rund zwei Wochen etwa war das Seniorenheim Wilhelm-Maxen-Haus in Garbsen betroffen. „Das war kurz aber heftig“, berichtete Geschäftsführer Benno Blings. Innerhalb von 24 Stunden sei es den meisten erkrankten Bewohnern aber wieder deutlich besser gegangen.

Veronika Thomas und Mathias Klein