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Stadt Hannover Michael Fürst: „Es hat Spaß gemacht“
Aus der Region Stadt Hannover Michael Fürst: „Es hat Spaß gemacht“
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19:16 09.06.2017
Von Simon Benne
Alte Weggefährten: Michael Fürst (v. l.) mit dem Holocaust-Überlebenden Henry Korman, der Schriftstellerin Corinna Luedtke und Zeitzeuge Salomon Finkelstein. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Wenn man Prominenz in Kilogramm messen könnte, wäre das HCC akut einsturzgefährdet gewesen: Beim Empfang zum 70. Geburtstag von Michael Fürst tummelte sich dort, was in Hannover Rang und Namen hat.

Umtriebiger Brückenbauer

Rund 350 Gäste standen Schlage, um dem Präsidenten des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden zu gratulieren. Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas war ebenso gekommen wie Regionspräsident Hauke Jagau und Musikprofessor Andor Izsàk. Politiker wie Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn, Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und CDU-Landeschef Bernd Althusmann waren genauso dabei wie Hildesheims katholischer Bischof Norbert Trelle, der den Jubilar als „Brückenbauer“ würdigte.

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Zwei rote Fäden zogen sich durch die offiziellen Reden und die Gespräche an den Stehtischen, wo es koscheren Kalbsbraten gab: Zum einen priesen die Gäste Fürst als großen Versöhner und Netzwerker. Zum anderen bewunderten sie seine Umtriebigkeit: „Wer so fit wie er seinen 70. Geburtstag feiert, kann ruhig Pläne für die nächsten 30 Jahre machen“, sagte Neurochirurg Madjid Samii, der als Mediziner weiß, wovon er spricht.

Frühere Minister wie Wolfgang Jüttner und Walter Hirche waren ins HCC gekommen, und amtierende auch: Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic gratulierte ebenso wie Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, die den Jubilar einen „beständigen Mahner im Kampf gegen Antisemitismus“ nannte. Auch Oberbürgermeister Stefan Schostok lobte Fürsts ehrenamtliches Engagement in der Stadtgesellschaft.

Gratulation an einen Querkopf

Die Holocaust-Überlebenden Salomon Finkelstein und Henry Korman, selbst frisch ausgezeichnet mit dem Niedersächsischen Verdienstkreuz, kannten Fürst schon als kleinen Jungen: „Ich weiß noch, wie er damals in Uniform in die Synagoge gekommen ist“, erinnerte sich der 97-jährige Korman. Als erster jüdischer Bundeswehroffizier überhaupt hatte Fürst früh für Furore gesorgt - ebenso wie später durch seine gemeinsamen Aktivitäten mit Palästinensern.

Michael Grünberg, Vizepräsident des Landesverbands, attestierte Fürst folglich nicht nur eine „gewisse Streitlust“, er erinnerte auch an dessen persönliche Freundschaft zu Yazid Shammout von der Palästinensischen Gemeinde. Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, nannte Fürst einen „Querdenker“. Und in einer sehr persönlichen Rede würdigte DGB-Chef Hartmut Tölle den Humor seines Freundes: „Sein Vorrat an Witzen scheint unerschöpflich.“

Fürst hingegen fasste sein 37-jähriges Engagement für die jüdischen Gemeinden prägnant zusammen: „Es hat Spaß gemacht.“