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Stadt Hannover A Boy Named River hat prominente Unterstützung
Aus der Region Stadt Hannover A Boy Named River hat prominente Unterstützung
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08:00 26.10.2015
Von Uwe Kranz
Teamwork: Sandro Tajouri, Christian Decker, Daniel Nerlich (von links). Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Können Schauspieler Rockstars sein? Ja. Können sie Rockstars spielen? Kann peinlich werden. Findet Daniel Nerlich. Er ist beides: Schauspieler am Staatstheater Hannover und - wenn auch noch kein Rockstar - zumindest Rocksänger in der Band A Boy Named River. Und er singt so beeindruckend, dass Christian Decker, früherer Fury-Bassist, die Band unter seine Fittiche genommen hat und mit dem Quartett in seinem Studio in der Nordstadt Songs für ein Album aufnimmt.

„Wenn Schauspieler auf der Bühne Rockstars spielen, ist das immer irgendwie abgeschmackt“, sagt der gebürtige Hamburger Nerlich. Ganz könne er seine erste Profession am Gesangsmikro auch nicht verbergen. „Früher dachte ich, ich sei ein echter Rockposer, und dann kam jemand, der sagte, man sehe mir total an, dass ich Schauspieler sei.“ Neulich jedoch habe das auch wieder jemand gesagt, diesmal als Kompliment. „Er hat erkannt, dass wir mit unseren Songs was ausdrücken wollten. Ich hoffe, dass ich auf der Bühne meine eigenen Regeln habe.“

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Schauspielkollege Sandro Tajouri, wie Nerlich Jahrgang 1979, spielt in der Band Schlagzeug und hat mit der Doppelrolle überhaupt kein Problem: „Ich weiß, dass es echt ist.“

Die Songs von A Boy Named River sind rauh, düster, melancholisch. Nerlich und Tajouri, die sich auf der Schauspielschule in Bern kennengelernt haben, mögen Punk, erste Aufnahmen mit einer kleinen Vierspurmaschine machten Lust auf mehr. Vor sechs Jahren dann formierte sich das Quartett mit Bassist Tom Schneider und Nerlichs Bruder Alexander an der Gitarre.

Produzent Decker, der die Schauspieler von seiner Arbeit als Theatermusiker kennt, versucht nun, die Energie der Livekonzerte, die ihn so begeistert hat, im Studio einzufangen. Er lässt sie zusammen rocken, anstatt wie üblich jeden einzeln sein Instrument einspielen zu lassen. „Ich habe die Musik einfach mal kommen lassen, und das hat relativ schnell funktioniert“, sagt Decker, der nur punktuell eingriff und nachsteuerte. Aber an den richtigen Stellen, wie Tajouri findet: „Mit dem Blick von außen erkennt er Dinge, die wir schon nicht mehr erkennen und animiert uns, genau da noch etwas rauszuholen.“

Bei dieser Arbeitsweise entstehen manchmal erstaunliche Dinge. Das erstaunlichste ist „Tooth Painter“, eine Songperformance, die erst im Studio entstanden ist - mehr oder weniger aus einer Laune heraus. Nerlich singt auf einem immer gleichen, schroffen Gitarrenriff Hunderte von Textzeilen, die immer in die Phrase „When I need to“ münden.

Morgen wird er diese psychedelische Rockschleife beim Konzert im hannoverschen Club Lux aufführen. „Ich weiß noch gar nicht, wie ich das auf der Bühne bringe“, sagt er. „Vielleicht erfinde ich den Song beim Singen einfach neu. Oder ich hänge einen großen Zettel auf, sodass jeder mitlesen kann. Man könnte ja denken, ich singe einfach, was ich will, weil es ja sowieso keiner merkt“, sagt der Schauspieler. Dann lacht er: „Das geht natürlich gar nicht.“

  • A Boy Named River spielt am Dienstag ab 20.30 Uhr im Lux am Schwarzen Bären.
Gabi Stief 29.10.2015
Andreas Schinkel 26.10.2015