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Stadt Hannover Ab Montag bleibt in Hannover die Post liegen
Aus der Region Stadt Hannover Ab Montag bleibt in Hannover die Post liegen
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00:15 10.06.2015
Von Andreas Schinkel
Die Gewerkschaft Verdi hat die Postboten in Hannover zu einem unbefristeten Streit aufgerufen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

„Bis zum Ende der Woche soll die Auslieferung von Briefen und Paketen in der Region stillstehen“, sagt Verdi-Sekretär Hans-Uwe Behrens. Konzentrieren werde man sich auf die beiden Verteilzentren in Pattensen und Anderten. Verdi hofft, dass sich in ganz Niedersachsen alle rund 600 Angestellten am Streik beteiligen. „Im Laufe der Woche wollen wir mit einer Kundgebung in der Innenstadt auf unsere Ziele aufmerksam machen“, kündigt Behrens an. Erster Treffpunkt für die Streikenden ist am Montag das Briefzentrum in Pattensen.

Nicht betroffen von dem Streik sind die Filialen, die in Hannover alle zur Postbank und damit zur Deutschen Bank gehören. Auch die Paketannahmestellen, häufig in Läden untergebracht, bleiben vom Ausstand verschont. Bei Transport und Verteilung sei jedoch mit „erheblichen Einschränkungen“ zu rechnen, bestätigt Post-Sprecher Martin Grundler. „Wir versuchen, die Unannehmlichkeiten einzudämmen“, sagt er. Haftungsrechtlich sei die Post für verspätete Sendungen aber nicht zu belangen. „Ein Streik ist höhere Gewalt. Für mittelbar entstandene Schäden haften wir nicht“, sagt der Post-Sprecher. Wer sichergehen wolle, dass sein Brief pünktlich ankommt, könne sich an den schnellen, aber teureren Kurierdienst DHL-
Express wenden, „Dieser Dienstleister wird nicht bestreikt“, sagt Grundler.

Die Tarifgespräche zwischen Post und Gewerkschaft stecken seit Wochen fest. Sechs Verhandlungsrunden hat es gegeben und bislang elf Streiktage. Ein Angebot der Gewerkschaft ist bisher unberücksichtigt geblieben. Darin fordert Verdi die Post auf, ausgegliederte Bereiche wieder in den Mutterkonzern zu überführen. Betroffen sind vor allem Paketboten, die nicht mehr nach dem Haustarif bezahlt werden, sondern mit deutlich geringeren Löhnen leben müssen. Zugleich will Verdi eine Einmalzahlung von 500 Euro für die Beschäftigten durchsetzen sowie einen Gehaltszuwachs von 2,7 Prozent ab dem kommenden Jahr. Die Gewerkschaft hat der Post eine Frist gesetzt, um auf das Angebot zu reagieren. Die Zeit ist jetzt abgelaufen. Die Post meint, dass der Vorschlag nicht die „strukturellen Probleme“ löse. Der Konzern müsse wettbewerbsfähiger werden.

Wenn der eine oder andere Hannoveraner in dieser Woche dennoch wie erwartet seine Post bekommt, dann liegt das nicht daran, dass es etliche Streikbrecher gibt. Viele Post-Mitarbeiter sind Beamte – ein Relikt aus alten Zeiten. „Knapp 40 Prozent der Belegschaft arbeitet weiter“, räumt Gewerkschaftssekretär Behrens ein. Bei den Angestellten könne Verdi aber auf einen Organisationsgrad von 75 Prozent vertrauen. „Mehr haben nur die Abfallentsorger“, sagt Behrens. Zwar rechnet er am heutigen Montag zunächst nur mit 150 Beschäftigten, die die Arbeit niederlegen, doch im Laufe der Woche werde man alle 600 Postler überzeugen. „Wir sind bereit“, sagt Behrens.     

Simon Benne 07.06.2015
08.06.2015