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Stadt Hannover Kultur im alten Expo-Pavillon auf dem Müllberg: Roßmann unterstützt die Idee
Aus der Region Stadt Hannover Kultur im alten Expo-Pavillon auf dem Müllberg: Roßmann unterstützt die Idee
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19:22 12.09.2019
Er wirbt für die Idee vom „Kulturberg“: Der hannoversche Künstler Jorge La Guardia. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Es wäre eine Landmarke, die von weither zu sehen wäre – unter anderem von der Autobahn 2 und aus dem Flugzeug: Der „Monte Müllo“, gekrönt von einem ehemaligen-Expo-Pavillon und einem riesigen Schriftzug. Das Projekt, das Aha eigenständig entwickeln will, ist Teil der Kulturhauptstadtbewerbung Hannovers. Motto: „Ohne Kultur ist alles Müll“. Ob es jemals umgesetzt wird, ist zwar offen. Dennoch steht bereits jetzt ein möglicher Projektpartner und Geldgeber fest: Drogerieunternehmer Dirk Roßmann will sich einbringen, auch weil die Themen Nachhaltigkeit und Verpackung eng beieinander liegen. Weitere Förderer sollen helfen, den „Kulturberg“ Wirklichkeit werden zu lassen. Fest steht: Müllgebühren sollen für das Projekt nicht verwendet werden.

So soll die Installation auf dem Müllberg aussehen. Quelle: Montage/aha

Eine Touristenattraktion für die Region?

Den Machern von Aha schwebt indes deutlich mehr vor, als nur ein Ort für Konzerte und Vorträge. Sie wollen den „Monte Müllo“, der schon jetzt alljährlich beim Regionsentdeckertag Tausende Ausflügler anzieht, dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich machen – als Touristenattraktion, als grandiose Perspektive auf die umgebende Landschaft – und als Agora, einen jener öffentlichen Orte der Auseinandersetzung, die in der Kulturhauptstadtbewerbung eine so große Rolle spielen.

Der ungenutzte litauische Pavillon der Expo 2000. Quelle: dpa

Aha stellt sich vor, dass der Berg in Lahe ein „europaweites Zentrum für nachhaltigen Umgang mit Abfall und Wertstoffen wird“. Die Deponie in Lahe soll auch über das Jahr 2025 hinaus eine Art Zukunftslabor für Umwelt- und Klimaschutz werden – erste Gespräche mit Hochschulen und Wissenschaftlern wurden bereits geführt. Denkbar wäre auch, den in 50 Jahren gewachsenen und mittlerweile mit Gras bewachsenen Müllberg im Längsschnitt zu zeigen – als Abbild gesellschaftlicher Entwicklung zwischen Kriegsschutt und Plastikwust.

Im Tal: „Biopark“ und „Kulturhof“

Am Fuße des Berges würde Aha gern einen „Biopark“ und einen „Kulturhof“ entstehen lassen. Dort sollen in mit Deponiegas beheizten Gewächshäusern Biogemüse und Obst wachsen. In Werkstätten könnten Gegenstände recycelt werden, die auf der Deponie abgegeben worden sind. Aha-Sprecher Stefan Altmeyer träumt sogar von einer „Bibliothek der weggeworfenen Bücher“. In der Nachbarschaft kann er sich außerdem ein Informationszentrum zum noch unerschlossenen Altwarmbüchener Moor vorstellen.

Als Botschafter für all diese Ideen hat Aha den in Hannover lebenden Künstler und Musiker Jorge La Guardia gewählt, einst einer der ersten spanischen Gastarbeiter in Hannover. „Ich bin vor allem überzeugter Europäer“, sagt er. „Künstler greifen drängende Fragen auf und schaffen emotionale Zugänge“, erklärt Helene Herich, Pressesprecherin bei Aha. Kunst sie für das Projekt als Erlebnis und Rahmen wichtig, aber auch als möglicher Generator von Inhalten und Zusammenhängen.

In der Politik und an der Spitze von Region und Stadt Hannover stößt die Idee dem Vernehmen nach auf großes Wohlwollen. Auch die Macher der Kulturhauptstadtbewerbung sind begeistert. Sie haben das Projekt in einem ihrer „Think Tanks“ beraten und es als Praxisbeispiel in ihr Bewerbungsbuch aufgenommen. „Wir haben genau nach solchen lokalen Ankerprojekten für europäische Themen gesucht“, erklärt Melanie Botzki vom Bewerbungsbüro.

Vieles am Projektentwurf muss noch vage bleiben. Man sei zwar bereits in Kontakt mit einem Anwaltsbüro, das den Inhaber des Pavillons vertrete, einem litauischen Geschäftsmann. Der würde das Gebäude wohl auch gerne loswerden. Aber konkret ist noch nichts. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Statik des Berges für die Last geeignet ist. Aber Kühnheit, Risiko und Querdenken sind nun einmal Teile großer Visionen.

Das Aha-Team hat seiner Kreativität ohne Scheren im Kopf freien Lauf gelassen und sich etwas mit großer Strahlkraft ausgedacht, das im Hinterkopf bleibt. Mit einer solchen Herangehensweise kann die Kulturhauptstadtbewerbung gelingen.

Kein schöner Anblick: Erst im Juli dieses Jahres rückte die Feuerwehr wegen eines Brandes zu dem Pavillon aus. Quelle: Christian Elsner

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