Amtsgericht Hannover: Fingierter Ankauf von D-Mark in Malaga: Betrüger legt Ehepaar herein
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Stadt Hannover Günstiger Ankauf von D-Mark in Malaga? Wie ein Betrüger ein Ehepaar hereinlegte
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Amtsgericht Hannover: Fingierter Ankauf von D-Mark in Malaga: Betrüger legt Ehepaar herein

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19:44 05.07.2020
Andreas P. (l.) schob die Hauptverantwortung an der Betrügerei seinem verstorbenen Vater in die Schuhe. Verteidigt wurde er von Anwalt Frank Egermann. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein Bankangestellter und seine Frau hatten dem 54-jährigen Andreas P., einem guten Bekannten von ihnen, 20.000 Euro anvertraut. Er versprach ihnen, mithilfe eines eigenwilligen Geschäftsmodells 10 Prozent Rendite, wollte in Malaga zu günstigen Konditionen Deutsche Mark ankaufen und dieses Geld bei der Bundesbank in Hannover wieder in Euro tauschen – mit insgesamt 20 Prozent Gewinn. Am Ende war das grenzenlos naive Paar aus der Südstadt sein Geld los, während sich P. am Dienstag vor dem Amtsgericht Hannover wegen Betrugs verantworten musste. Richter Ulrich Kleinert verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung.

WC-Besuche als Ausflucht

P.s Verteidigungsstrategie bestand darin, alle Schuld seinem Vater – einem im Oktober 2019 verstorbenen Immobilienmakler – aufzubürden. Nicht er, sondern sein Vater habe die 20.000 Euro ausgehändigt bekommen, führte der in Groß-Buchholz wohnende Angeklagte aus, er selbst habe bei dem entscheidenden Gespräch häufig ein WC aufsuchen müssen. Den Schuldschein über die 20.000 Euro will er zwei Wochen nach der Übergabe des Bargelds nur auf Geheiß seines Vaters unterschrieben haben. Und die Nachricht an das Ehepaar, dass das Geld in Spanien ohne jegliche Aufbruchsspuren aus einem Auto gestohlen worden sei, habe sein Vater auf seinem Handy geschrieben, während er – wieder einmal – auf der Toilette war.

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Am Ende lief das Ehepaar seinen 20.000 Euro und dem guten alten Bekannten hinterher. Erneuten Kontakt zu dem vorübergehend abgetauchten Mann konnten Mann und Frau nur aufnehmen, weil sie P. mit einer Finte köderten: Eine dem Angeklagten bekannte Nichte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wolle demnach ebenfalls einen größeren Betrag Deutscher Mark aus Malaga ankaufen.

Altes Auto sollte als Sicherheit dienen

Immerhin hatten die beiden Südstädter von P. eine Sicherheitsleistung in Form eines Kfz-Briefs ausgehändigt bekommen: Der zehn Jahre alte Mini mit einem Restwert von 4000 Euro ist inzwischen – nach einigen juristischen Scharmützeln – in das Eigentum der Ehefrau übergegangen. Außerdem hat das Paar einen Zivilprozess am Landgericht angestrengt, um vielleicht doch noch an sein Geld zu kommen.

P. ist bereits einmal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden, eine zweite Verurteilung am Amtsgericht Hameln wegen Betrugs ist noch nicht rechtskräftig. Dabei hatte der 54-Jährige gemeinsam mit seinem Vater mit der gleichen Malaga-Mark-Masche ebenfalls versucht, einem Paar das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft plädierte dafür, P. wegen schweren Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung zu verurteilen. Im Gegensatz dazu warf dessen Verteidiger Frank Egermann dem geschädigten Ehepaar seinerseits Betrug vor: Es fordere von seinem Mandanten 20.000 Euro zurück, die dem Paar nicht zustünden, und habe nun auch noch sein Auto einkassiert. Dass sich ein Bankangestellter, der für Firmenfinanzierungen zuständig sei, auf solch ein dubioses Geschäft einlasse, klinge doch völlig unglaubwürdig.

Doch dieser Argumentation mochte Richter Kleinert nicht folgen. Er hielt Andreas P. ein Reihe von „grotesken Lügen“ vor und sagte: „Es ist haarsträubend, was Sie hier erzählt haben.“ Der 54-Jährige habe das gutgläubige Paar „nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen“, aber bis heute keinerlei Einsicht gezeigt – und das sei auch einer der Gründe, warum die Haftstrafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werde.

Von Michael Zgoll

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