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Stadt Hannover Angeklagte nach Krückstockangriff freigesprochen
Aus der Region Stadt Hannover Angeklagte nach Krückstockangriff freigesprochen
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06:20 16.01.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

Aus Verärgerung und Sorge, im Zuständigkeitswirrwarr von Arbeitsagentur, Krankenkasse und Rentenversicherung auf der Strecke zu bleiben, donnerte sie ihren Krückstock auf den Schreibtisch einer Sachbearbeiterin. Der Aufprall war so heftig, dass ein Teil der Gehhilfe abbrach. Doch wollte die 29-Jährige die Angestellte wirklich treffen, hatte sie auf deren Kopf gezielt? Am Donnerstag musste sich die zornige Mutter vor dem Amtsgericht Hannover wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Urteil: Freispruch.

Die Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur saß im Mai 2014 mit einer Kollegin in ihrem Zimmer, die Besucherin hatte auf einem Stuhl seitlich der zwei Schreibtische Platz genommen. Das Gespräch drehte sich um den Bezug von Krankengeld. Die 29-Jährige hatte just eine künstliche Hüfte eingesetzt bekommen und war - nach zwölf Jahren in der Gastronomie - arbeitslos geworden. Sie lebte in Scheidung, stritt sich mit ihrem Mann ums Geld und konnte den Kindergarten nicht mehr zahlen. Wie ihr Anwalt Benjamin Schmidt erläuterte, befand sich seine Mandantin in einer „emotionalen Ausnahmesituation“, als sie mit den Frauen vom Arbeitsamt über das Krankengeld stritt. Das Gespräch drehte sich im Kreis, wurde aber ruhig und sachlich geführt - bis zum Donnerschlag.

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„Wäre ich nicht zurückgezuckt, hätte mich die Krücke getroffen“, sagte die Sachbearbeiterin gestern aus. Ihre Kollegin formulierte es diplomatisch: „Wenn die Angeklagte treffen wollte, hat sie schlecht gezielt.“ Vielleicht sei der Hieb mit der Gehhilfe ja mehr ein Auf-den-Tisch-Hauen gewesen als ein ernsthafter Angriff auf Leib und Leben.

Die Staatsanwaltschaft forderte für die Angeklagte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. „Sie hat billigend in Kauf genommen, die Sachbearbeiterin zu verletzen“, sagte Oberamtsanwältin Stephanie Lammers. Nur dank einer schnellen Ausweichbewegung habe diese einen Kopftreffer vermieden. „Es kann nicht sein, dass Polizisten, Rettungskräfte oder Angestellte im öffentlichen Dienst immer häufiger Opfer von Angriffen werden“, so Lammers. Die Justiz müsse klar signalisieren, dass sie dies nicht toleriere. Verteidiger Schmidt verneinte eine gezielte Attacke auf die Mitarbeiterin der Arbeitsagentur und forderte Freispruch.

„Die Angeklagte hat bei ihrem Schlag durchaus mit bedingtem Vorsatz gehandelt und eine Verletzung in Kauf genommen“, urteilte Amtsrichter Koray Freudenberg. Allerdings liege hier ein „strafbefreiender Rücktritt“ von der Tat vor, da die 29-Jährige nicht versucht habe, ihr Opfer mittels eines zweiten Hiebs tatsächlich zu treffen. Die Konsequenz müsse ein Freispruch sein.

Die 19 Jobcenter der Region hatten es 2014 mit 116 000 Leistungsbeziehern zu tun, 22-mal kam es zu Übergriffen wie Beleidigung, Bedrohung oder Sachbeschädigung. Seit 2010 schwankt diese Zahl zwischen zehn und 22, ohne eindeutige Tendenz. Die Mitarbeiter werden geschult, um mit schwierigen Kunden zurechtzukommen. Im Ernstfall können sie einen Notfallknopf drücken, um Hilfe zu holen - wenn ihnen die Zeit bleibt.

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