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Stadt Hannover Hunderte Hannoveraner setzen Zeichen gegen Antisemitismus
Aus der Region Stadt Hannover Hunderte Hannoveraner setzen Zeichen gegen Antisemitismus
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21:27 10.10.2019
Ein Zeichen der Toleranz: Hunderte kamen zur Mahnwache am Kröpcke. Quelle: Rainer Droese
Hannover

Es ist nasskalt und ungemütlich am Kröpcke. Und doch haben sich hier am Donnerstagabend rund 400 Menschen versammelt, um nach dem Anschlag in Halle Flagge gegen Antisemitismus zu zeigen. Einige haben bei der Mahnwache Transparente wie „Judenhass bedroht uns alle“ dabei. „Wir sind traurig, wütend und bestürzt“, sagt Timon Dzienus von der Grünen Jugend, der zur Solidarität mit den Opfern aufruft.

So zeigt Hannover Flagge gegen Antisemitismus

„Wir dürfen nicht erlauben, dass Hassbotschaften als beliebige Meinungen unter vielen akzeptiert werden“, fordert Kay Schweigmann-Greve von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf: „Wir stellen uns dagegen, gemeinsam!“, ruft er. Die AfD schaffe ein „Klima der Spaltung“, sagt er unter dem Applaus der Besucher.

Ein buntes Bündnis

Es ist eine sehr bunte Truppe, die die Mahnwache unterstützt: Die Grüne Jugend und die Junge Union zeigen hier gemeinsam Flagge, die „Omas gegen Rechts“ und die Jusos sind ebenso dabei wie Kirchenvertreter und Gewerkschafter. Es ist ein wenig wie im Januar 2015, als nach den Terroranschlägen in Paris 19 000 Menschen in Hannover gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gingen.

In einer „Hannoverschen Erklärung“ haben die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde und Vertreter der Jesiden den antisemitischen Anschlag gemeinsam mit jüdischen und anderen Gruppen verurteilt: „Wir wollen heute Abend in Hannover gemeinsam ein Zeichen des friedlichen Miteinanders setzen“, heißt es darin. Es ist, als würde die Zivilgesellschaft der Stadt sich ihrer Grundfesten vergewissern, jener Werte, ohne die ein friedliches Zusammenleben nicht möglich ist. Schweigend ziehen die Besucher am Ende zum Mahnmal am Opernplatz.

Gebete in der Marktkirche

„Viele Solidaritätsbekundungen haben uns erreicht und geben uns Kraft“, sagt Rebecca Seidler von der Liberalen jüdischen Gemeinde – gleichwohl überlegten immer mehr junge Juden, ob sie auswandern sollten. „Legt sich erst einmal die Aufregung, werden wir belegen müssen, dass es eine Bedrohungslage gibt“, fürchtet sie.

Vor der Mahnwache hatten sich mehr als 200 Menschen bei einem interreligiösen Friedensgebet der Gruppe Religions for Peace in der Marktkirche versammelt. „Mit unseren jüdischen Geschwistern teilen wir Sorge und Trauer“, sagte die Muslimin Hamideh Mohagheghi vom Rat der Religionen. „Von Normalität sind wir weit entfernt, solange Synagogen bewacht werden müssen“, sagte Ali Faridi als Vertreter der Bahaii. Auch das Gebet in der Marktkirche ging an diesem Abend unter Polizeischutz vonstatten.

Von Simon Benne

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