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Stadt Hannover Gelingt die Operation Klinikum?
Aus der Region Stadt Hannover Gelingt die Operation Klinikum?
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00:22 30.11.2014
Von Mathias Klein
An der Qualifikation der Ärzte gibt es keinen Zweifel – am Konzept des Klinikums dafür umso mehr.
An der Qualifikation der Ärzte gibt es keinen Zweifel – am Konzept des Klinikums dafür umso mehr. Quelle: dpa (Symblfoto)
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Hannover

Wenn sich am Freitag um 9 Uhr die Aufsichtsratsmitglieder des Regionsklinikums im Hotel Sheraton in Hannover treffen, wissen die meisten von ihnen noch gar nicht, was konkret beschlossen werden soll. Eigentlich sollte am Freitag über das Medizinkonzept 2020 abgestimmt werden, das die Geschäftsführung vor einigen Wochen vorgelegt hatte. Aber nach Protesten von Bürgern und von Regionspolitikern ist von den ursprünglichen Plänen der Geschäftsführung nicht mehr viel übrig – Regionspräsident Hauke Jagau, gleichzeitig auch Aufsichtsratschef des Klinikums, spricht jetzt vom „Ursprungskonzept“.

Der ursprüngliche Plan sah unter anderem die Schließung des Springer Krankenhauses und die anschließende 
Umwandlung in eine Praxisklinik vor. Außerdem sollen die Stationen für Geburtshilfe und Gynäkologie am Nordstadtkrankenhaus und in Großburgwedel geschlossen werden. Nach den Plänen sollten die beiden Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte durch einen Neubau im Nordosten der Region ersetzt werden. Außerdem gehört auch die Schließung der Geburtshilfe im Klinikum Nordstadt zum Konzept.

Vor allem aus den Reihen der SPD kamen in den vergangenen Wochen zahlreiche Änderungswünsche aus den betroffenen Orten im Umland. Dazu gehört unter anderem, die Geburtsklinik in Großburgwedel nicht im kommenden Jahr zu schließen. Für den im Nordosten geplanten Krankenhausneubau soll jetzt geprüft werden, ob es dort doch eine Geburtshilfeabteilung sowie eine Gynäkologie geben kann. Des Weiteren verlangen die SPD-Politiker für Springe ein tragfähiges Konzept für eine hochwertige Notaufnahme, bevor über die Schließung des dortigen Krankenhauses und die Umwandlung zu einer Praxisklinik beschlossen werden kann.

Der Aufsichtsrat dürfte auch über die beabsichtigte Schließung der Geburtshilfe im Nordstadtkrankenhaus diskutieren. Dort werden in diesem Jahr bis zum Jahresende mehr als 1100 Kinder auf die Welt kommen, zwei Drittel der Mütter haben einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen gingen nicht zu Vorsorgeuntersuchungen, deshalb gebe es bei den Entbindungen häufig Komplikationen – auf die man sich im Nordstadtkrankenhaus eingestellt habe, heißt es aus der dortigen Ärzteschaft. Dieser „nicht unbedingt privilegierten Bevölkerungsgruppe die wohnortnahe Entbindungsoption zu entziehen“, schreibt ein leitender Arzt an einige Regionspolitiker, sei eine „vorsätzliche Schlechterstellung gerade dieser Gruppe werdender Mütter“.

Aufsichtsratschef Jagau musste in den vergangenen Tagen noch an anderer Front kämpfen. Denn die Gewerkschaft ver.di verlangte eine Beschäftigungssicherungsgarantie. Ohne diese Zusage hätten die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ihre Zustimmung verweigert. Eine Einigung über die Übernahme aller Auszubildenden war nach Informationen der HAZ schnell erreicht. Bis zuletzt wurde über die Altersteilzeit gerungen. Die Geschäftsführung wollte eine Beschränkung von 100 Mitarbeitern pro Jahr, ver.di ist das zu wenig.

Der Klinikums-Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat des Klinikums hat 20 Mitglieder. Zehn von ihnen entsendet der Gesellschafter, also die Region Hannover, die andere Hälfte benennt die Arbeitnehmerseite.

Vorsitzender des Kontrollgremiums ist Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). Seine Stellvertreterin ist Elke Nobel (ver.di) für die Arbeitnehmerseite.

Die Region entsendet außerdem Gabriela Kohlenberg (CDU), Paul Krause (SPD), Serdar Saris (Grüne), Bernward Schlossarek (CDU), Silke Stokar (Grüne), Angelika Walther (SPD), Thela Wernstedt (SPD), Elke Zach (SPD). Einen Nachfolger für den gerade erst aus dem Aufsichtsrat zurückgetretenen Klinikfachmann Manfred Benkler (CDU) gibt es noch nicht.

Für die Arbeitnehmer sitzen Klinikumsmitarbeiter und Gewerkschaftssekretäre im Aufsichtsrat: Außer Elke Nobel sind das Hendrik Alex, Michael Aschenbach, Sven De Noni, Jan Kniese, Stephan Schröer, Jürgen Tempel, Regina Wagener, Friedo Weh und Christine Wortmann.

Mitglieder des Kontrollgremiums erhalten eine Jahrespauschale von 1000 Euro und 75 Euro pro Sitzung.

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