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Stadt Hannover Aus AWD-Arena soll Swiss-Life-Arena werden
Aus der Region Stadt Hannover Aus AWD-Arena soll Swiss-Life-Arena werden
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00:15 01.12.2012
Von Bernd Haase
Foto: Die AWD-Arena soll in Zukunft wohl Swiss Life Arena heißen.
Die AWD-Arena soll in Zukunft wohl Swiss-Life-Arena heißen. Quelle: Dröse
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Hannover

Zehn Jahre waren es im August. Nur noch einige Monate kommen hinzu, dann wird der Name AWD-Arena für Hannovers Stadion Geschichte sein. Wie tief er sich über den offiziellen Sprachgebrauch hinaus in das Bewusstsein der Menschen in der Landeshauptstadt gebohrt hat, ist nie umfassend untersucht worden. Eines steht aber außer Zweifel: Der alte Name Niedersachsenstadion lebt fort. Viele nutzen ihn noch, wenn sie zu einem Fußballspiel oder einem Konzert gehen. Traditionsverliebte Fans fordern ihn sogar ein - erst im September überklebten sie die Hinweisschilder zur Arena mit Aufklebern, auf denen der alte Name stand.

Das Stadion, in dem die Hannoveraner sportliche Triumphe und Tragödien, unvergessene Konzerte und Massenveranstaltungen wie beim Kirchentag erleben sollten, war ihnen am Anfang gar nicht willkommen. Als die Pläne zum Bau 1950 bekannt wurden, hagelte es Proteste. In der kriegszerstörten Stadt gebe es Dringenderes zu tun als eine Arena zu bauen, fanden viele. Der damalige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht hatte eine Idee, die dem Vorhaben den Anstricht des Luxuriösen nahm. Das Stadion sollte auf Trümmerschutt gebaut werden, wodurch Transportkosten zu sparen waren. „Deshalb gab es im städtischen Haushalt damals auch keinen Posten für Stadionbau, sondern nur einen für Trümmerentsorgung“, hat der Architekt Heinz Goesmann einmal erzählt. Anfänglich sollte die Sportstätte, die letztlich mehr als vier Millionen Mark kostete, nach ihrem Standort Masch-Ohe-Stadion heißen. Erst später erinnerte man sich daran, dass man ja Landeshauptstadt ist und das auch im Namen der Arena würdigen könnte. Im September 1954 wurde sie vor 35000 Zuschauern eröffnet - und zwar nicht etwa mit einem Fußballspiel des damals frischgebackenen Deutschen Meisters Hannover 96, sondern mit einem Sportfest. Die Kicker der Roten liefen erst von 1964 an dauerhaft in der Betonschüssel auf. 1982 waren die Rolling Stones die ersten, die im Niedersachsenstadion nicht kicken, sondern rocken. Phil Collins schaffte es 1994, dass bei vier Konzerten nacheinander an den Kassen das Schild ausverkauft hochgezogen wurde.

Gleich mehrfach ist das Niedersachsenstadion umgebaut worden. Die größten Veränderungen wurden jeweils im Vorfeld der beiden Fußball-Weltmeisterschaften vorgenommen. 1974 erhielt die Arena ein Dach, beim Eröffnungsfest war an die Stones noch nicht zu denken. Es sang der damals sehr populäre holländische Musikbub Heintje.

Große Teile des alten Stadions sind dann beim Umbau vor der Weltmeisterschaft 2006 verschwunden, der 2003 begann und 2005 beendet wurde. Das Niedersachsenstadion sah nicht mehr aus wie das Niedersachsenstadion, und es trug auch nicht mehr diesen Namen. Der AWD, damals noch vom Fußballfan Carsten Maschmeyer geführt, hatte sich 2002 die Namensrechte gesichert. Proteste dagegen, wie es sie bei Umbenennungen in anderen Städten gab, hielten sich in Grenzen. Die Zeitungen druckten einige Leserbriefe, in denen von Ausverkauf und Traditionsbruch die Rede war, aber im Großen und Ganzen arrangierten sie sich mit dem neuen Namen. Letzteres muss nicht zwingend bedeuten, dass sie ihn auch nutzen oder den alten vergessen haben. Ein Zurück zur Bezeichnung Niedersachsenstadion, das hat der Klubpräsident von Hannover 96, Martin Kind, klargestellt, wird es nicht geben. Und die Stadt kann daran nichts ändern, selbst wenn sie es wollte. Sie hat zwar beim Bau mit einem Zuschuss und einer Kreditbürgschaft geholfen, aber kein Mitspracherecht beim Namen.

28.11.2012
Bernd Haase 28.11.2012