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Stadt Hannover Ausländer haben keine Chance auf Sprachkurs
Aus der Region Stadt Hannover Ausländer haben keine Chance auf Sprachkurs
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00:15 20.11.2013
Von Andreas Schinkel
Foto: Die Nachfrage an Sprachkursen für Migranten ist in diesem Jahr sehr hoch.
Die Nachfrage an Sprachkursen für Migranten ist in diesem Jahr sehr hoch. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

„In diesem Jahr haben wir extrem viele Anfragen, sodass wir sogar eine Warteliste aufstellen mussten“, sagt etwa eine Mitarbeiterin der Sprachschule Inlingua. Drei Integrationskurse bietet die Schule derzeit an. Auch Volkshochschule und Bildungsverein stoßen an ihre Grenzen. „Wegen zu erwartender steigender Nachfrage soll die Kapazität aufgestockt werden“, kündigt Stadtsprecher Udo Möller an.

In der Dezembersitzung des Kulturausschusses wird die Verwaltung den Ratspolitikern einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Das nötige Geld für ein zusätzliches Kursangebot werde die Stadt aus eigenen Mitteln bereitstellen, sagt Möller. Eigentlich läuft die Finanzierung der Integrationskurse über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind die Lehrveranstaltungen überlaufen, berichtet eine Sprecherin. „Lehrer und Räume gehen uns allmählich aus“, sagt sie.

Damit folgt Hannover dem Bundestrend. Wie das Bundesamt auf Nachfrage der HAZ mitteilt, ist die Zahl der Teilnahmeberechtigungen im ersten Halbjahr um mehr als 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, und bereits 2012 habe man eine Zunahme verzeichnet. „Hervorzuheben ist, dass der Anteil der freiwilligen Teilnehmer nach wie vor hoch und sogar um 60,9 Prozent wieder stark angestiegen ist“, heißt es aus dem Bundesamt. Der Trend spiegele die starke Zuwanderung nach Deutschland in den vergangenen Jahren wider.

Integrationskurse richten sich in erster Linie an „Neuzuwanderer mit längerfristiger Aufenthaltsperspektive“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Anspruch auf einen solchen rund ein Jahr dauernden Unterricht haben Zuwanderer aus Ländern außerhalb der Europäischen Union, etwa die jetzt aufgenommenen Flüchtlinge aus Syrien. EU-Bürger und sogar Deutsche können auch freiwillig am Unterricht teilnehmen. Zumindest gilt das, soweit es freie Plätze gibt – und die sind derzeit rar gesät. Dann gibt es noch Menschen, die die Ausländerbehörde zur Kursteilnahme verpflichten kann, etwa Hartz-IV-Empfänger und solche, die „besonders integrationsbedürftig“ sind. Die Kosten übernimmt dann das Jobcenter. „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand, der zu solch einem Kurs verpflichtet wurde, diesen ablehnt“, sagt Lasko Werner vom Jobcenter Hannover.

Die Kursteilnehmer lernen in erster Linie Deutsch. Am Schluss geht es dann um staatskundliche Fragen.   

20.11.2013
Felix Harbart 17.11.2013
17.11.2013