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Stadt Hannover So schön ist die Arbeit als Scout im Zoo
Aus der Region Stadt Hannover So schön ist die Arbeit als Scout im Zoo
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00:16 10.02.2017
Von Bernd Haase
Teil des Jobs: Aushilfsscout Bernd Haase gibt als Statist in der Raubvogelshow den Landeplatz für den Lammerfalken Karim und füttert Flusspferd Victoria. Quelle: Körner/M
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Hannover

Mit Staubmantel und Rangerhut sehe ich ein wenig so aus, als hätte ich mich für eine Statistenrolle in einem Italo-Western beworben. Habe ich natürlich nicht, sonst würde ich jetzt nicht am Eingang der Show-Arena im Zoo Hannover stehen. Mein Auftrag: Besucher begrüßen, bei der Platzwahl helfen, Stellflächen für Kinderwagen freihalten. Das ist an diesem Wintertag mit seinem sehr überschaubaren Andrang keine große Herausforderung. „An schönen Sommertagen, wenn es hier brechend voll ist, sieht das anders aus“, sagt Tim Schuster.

Schuster ist seit fünf Jahren Scout im Zoo und an diesem Tag mein Lehrer. Der Tierpark sucht von sofort an Scouts für die Sommersaison. Sie sind so etwas wie die Heinzelmännchen auf dem Gelände. Scouts helfen beim Einlass, sorgen für den reibungslosen Ablauf bei Show-Veranstaltungen, beantworten Fragen. Nicht zuletzt sind sie Leiter und Animateure bei den 3500 Führungen pro Saison, darunter Kindergeburtstage, Firmenveranstaltungen, Team-Building-Geschichten für Erwachsene oder Blicke hinter die Kulissen.

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Warum haben Zebras Streifen?

„Wir wollen nicht mehr nur Studenten einsetzen, sondern uns breiter aufstellen. Eigentlich kann sich jeder bewerben, gerne auch Hausfrauen oder Senioren“, sagt Teamleiterin Anja Boskamp. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. „Man muss kommunikativ sein, Spaß haben wollen, gut mit Kindern umgehen können und offen auf die Leute zugehen“, sagt Schuster. Was man nicht muss: Biologische Fakten herunterleiern, als hätte man „Brehms Tierleben“ auswendig gelernt. Das langweilt die Leute, Kinder wie Erwachsene. Sie hören lieber Anekdoten. Vor allem Kinder wollen beschäftigt werden.

Wie so etwas geht, zeigt Schuster mir als dem Scout-Anwärter und der an diesem Tage als Statistin helfenden Anna-Leena König am Sambesi. „Warum haben alle Zebras ein unterschiedliches Streifenmuster“, muss ich fragen. Anna-Leena hat irgendwie gehört, dass die Jungtiere in der Herde dadurch die eigene Mutter wiederfinden. Ich zeige ihr ein Foto, sie soll die abgebildeten Zebras zählen. Im Streifengewimmel kommt sie ziemlich durcheinander. Ich habe gelernt: Das ist der Fotoeffekt. Wenn die Herde eng zusammensteht, kann ein Fressfeind wie der Löwe kein Tier optisch herauspicken und gezielt angreifen. Außerdem verwirrt das Streifenmuster die Facettenaugen von Insekten. Das mit den Jungtieren stimmt auch.

Als wir in unserer Scout-Kluft durch den Zoo gehen, gucken uns immer wieder Kinder neugierig an, ihre Eltern freundlich. Natürlich sind nicht wir als Person gemeint, sondern in unserer Funktion. Die Leute mögen Heinzelmännchen, auch wenn sie im Western Look daherkommen.

Am Nilpferdstall gucken wir den Dickhäutern erst durch die große Glasscheibe zu, dann geht es hinter die Kulissen. „Rendezvous beim Lieblingstier“ heißt eine der diversen Erlebnisführungen, die der Zoo anbietet. Im Stall warten Pflegerin Uschi Otto mit einem Eimer Salat und Flusspferd Victoria, Letztere nur durch armdicke Gitterstäbe von uns getrennt. Anna-Leena füttert die Dickhäuterin durch die Stäbe und streichelt ihr über die Haut. Haften bleibt ein Sekret, das Nilpferde absondern und das sie in der freien Natur vor den Sonnenstrahlen schützt. „Es ist aber auch eine hervorragende Handcreme“, sagt Otto.

Mein Lehrer und ich bleiben still; wir wollen das Naherlebnis zwischen Mensch und Tier nicht stören. „Man muss als Scout auch mal die Klappe halten können“, sagt Schuster hinterher. Und übrigens auch wetterfest sein, denn es ist im Wesentlichen ein Job unter freiem Himmel. Als wir aus dem Stall wieder ins Freie treten, scheint aber zum Glück endlich wieder einmal die Sonne.

Ausbildung dauert eine Woche

Der Zoo Hannover beschäftigt in der Wintersaison 30, in der im Frühjahr beginnenden Hauptsaison rund 40 Scouts. Gearbeitet wird auf 450 Euro-Basis; ein Scout ist in der Regel 50 Stunden pro Monat im Einsatz.
Spezielle Vorbildungen sind für die Zoo-Scouts nicht unbedingt vonnöten, wohl aber ein kommunikatives und aufgeschlossenes Wesen. Sie werden mit einem einwöchigen Lehrgang auf ihren Einsatz vorbereitet, bei dem es unter anderem darum geht, jeden Winkel des Tierparks kennenzulernen.
Interessenten können sich von sofort an auf der Internetseite www.erlebnis-zoo.de/jobs informieren. Dort sind Formulare für alle offenen Stellen im Zoo hinterlegt – also auch die für die Scouts.     

Bärbel Hilbig 10.02.2017