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Stadt Hannover Ungeduldiger Autofahrer rammt Radler: Richterin verhängt Geldstrafe
Aus der Region Stadt Hannover Ungeduldiger Autofahrer rammt Radler: Richterin verhängt Geldstrafe
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18:00 05.11.2019
In der Unterführung prallte der Mercedes des Angeklagten gegen das Fahrrad. Der Radler durfte auf der Straße fahren – der Radweg (rechts im Bild) ist nicht benutzungspflichtig und mündet vor der Brücke in einen Gehweg. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Ein 45-jähriger Radler, der im Februar 2019 im Zooviertel aufgrund des gefährlichen Manövers eines Mercedes-Fahrers zu Fall kam, zog sich Prellungen an Schulter und Hüfte sowie einen Bluterguss am Bein zu. Der 67-jährige Rentner, der den Unfall auf der Plathnerstraße verursachte und sich nicht um das Opfer kümmerte, kam am Dienstag mit einem blauen Auge davon. Amtsrichterin Elisabeth Hansen-Kohlmorgen verurteilte Erwin S. wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 50 Euro; dieses Strafmaß hatte auch die Staatsanwältin gefordert. Außerdem muss S. für ein Jahr seinen Führerschein abgeben.

Erwin S. (l.) – hier mit seinem Verteidiger Jan Rippich – kümmerte sich nicht um den verletzten Radfahrer. Quelle: Michael Zgoll

Mit Absicht gerammt?

Hätte man dem Autofahrer nachweisen können, dass er den Radler absichtlich und aus Ärger gerammt hatte – wovon die Anklagebehörde ursprünglich ausgegangen war –, wäre die Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs wesentlich höher ausgefallen. Und tatsächlich hatte das Geschehen, das der E-Bike-Fahrer mithilfe einer am Lenker befestigten Kamera aufgezeichnet hatte, durchaus Anklänge von Selbstjustiz. „Doch das Gericht kann nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass der Autofahrer den Unfall wirklich mit Absicht herbeigeführt hat“, erklärte Hansen-Kohlmorgen.

Unglückliche Verkehrsführung

Der Crash hatte sich an einem Freitagmorgen um 7.35 Uhr ereignet. Der Radler befuhr mit gut 25 Kilometern pro Stunde die Plathnerstraße vom Braunschweiger Platz Richtung Schackstraße. Dort gibt es einen – nicht benutzungspflichtigen – Radweg, der kurz vor der Eisenbahnunterführung abrupt endet und in einen Fußweg (mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“) übergeht. Aufgrund dieser höchst unglücklichen Verkehrsführung kommt es hier immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil Radler mit Fußgängern ins Gehege kommen, urplötzlich auf die Fahrbahn wechseln – oder von vornherein die Straße benutzen. Er habe schon vor anderthalb Jahren mit dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt über diese Strecke gesprochen, erklärte der 45-Jährige, und dieser habe ihm geraten, die Fahrbahn zu benutzen.

„Das hätte tödlich enden können“

Der Fahrer des roten B-Klasse-Mercedes war an jenem Februarmorgen aber offenbar der Ansicht, der E-Bike-Fahrer habe auf der Straße nichts verloren, hupte den vor ihm herrollenden Radler ungeduldig an. Unter der Brücke dann überholte das Auto das Zweirad – und scherte ruckartig nach rechts, obwohl ihm kein anderes Fahrzeug entgegenkam. Die hintere Seitentür des Mercedes prallte gegen den Lenker des Rades, der Fahrer stürzte auf den Asphalt. „Dieser Zusammenstoß hätte auch tödlich enden können“, machte die Richterin dem Angeklagten klar – und dann wäre die Strafe erheblich höher ausgefallen.

Nach dem Crash stoppte S. für einige Sekunden, beobachtete das gestürzte Opfer im Rückspiegel – und setzte seine Fahrt fort. Er habe einen „totalen Blackout“ gehabt, verteidigte sich der Rentner vor Gericht. Das Ganze tue ihm furchtbar leid, sagte der 67-Jährige – und entschuldigte sich auch bei dem Radfahrer. Das Urteil ist rechtskräftig, den Führerschein von S. drückte Verteidiger Jan Rippich der Richterin gleich in die Hand.

Von Michael Zgoll

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