Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Bauern diskutieren mit Dorfbewohnern
Aus der Region Stadt Hannover Bauern diskutieren mit Dorfbewohnern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 25.01.2019
Rüben werden auch rund um Gestorf angebaut – und müssen dann zur Verarbeitung gebracht werden. Quelle: Foto
Gestorf

Es war ein gelungenes Debüt: Zu einem Dialog mit den Gestorfern hatten die heimischen Landwirte eingeladen. Mehr als 50 Frauen und Männer nutzten diese Möglichkeit. Sie diskutierten auf dem Betrieb von Ilten mit den Bauern über einen ganzen Katalog von Themen – vom Strukturwandel bis zum Spritzen und Düngen.

„Lasst uns miteinander reden“

„Wir möchten wissen, was den Gestorfern auf den Nägeln brennt“, erklärte Hausherr Eberhard von Ilten-Ausmeyer, der auch die Moderation übernommen hatte. Und forderte: „Lasst uns miteinander und nicht übereinander reden!“ Das taten die Gäste denn auch. „Kleinere Betriebe sterben aus, weil kleine Flächen nicht genug abwerfen“, bestätigte Landwirt Björn Estorf eine Einschätzung von Günter Gerber, der als Vorsitzender des Gestorfer Ski- und Wanderklubbs an der Veranstaltung teilnahm. Die sogenannte Flächenbeihilfe bekomme jeder landwirtschaftliche Betrieb, ein großer Betrieb also entsprechend hohe Zuschüsse, so von Ilten-Ausmeyer. Wobei die ersten 46 Hektar noch eine höhere Förderung als die weiteren bekämen, konkretisierte er. „Das ist ein existenzielles Thema für uns alle“, so von Ilten-Ausmeyer.

Dazu kämen – zum Wohl der Tiere – neue und sich verändernde Anforderungen. Viele Landwirte trauten sich derzeit nicht, zu investieren. Lediglich die großen Betriebe, die womöglich auch ins Ausland ausweichen könnten, blieben übrig. Das Wohl der wild lebenden Tiere hatten andere Zuhörer im Fokus und beklagten unter anderem fehlende Hecken als Versteckmöglichkeiten. „Wir haben in Gestorf 25 Kilometer Feldwege und neun Kilometer Hecken“, erklärte der Realverbandsvorsitzende Wolfgang Selle. Und Bäume direkt an den Ackerflächen seien bei den Bauern einfach nicht erwünscht, weil sie zum einen die Drainagen beschädigen könnten und zudem in Konkurrenz zu dem Getreide stünden, so von Ilten-Ausmeyer. „Der Boden hier ist einfach zu gut, jeder Quadratmeter wird beackert“. Angebaut werden nicht zuletzt deshalb auch Zuckerrüben im Calenberger Land.

Verkehrsbelastung in Gestorf

Dass dies andererseits zu einer besonderen Verkehrsbelastung auch durch Gestorf führe, beklagte eine Zuhörerin. „Die von allen gewünschte Verkehrsberuhigung beschäftigt uns noch lange“, sagte Ortsbürgermeister Eberhard Brezski.Wohlwollend beobachtet haben die Gestorfer, dass es mehr Blühstreifen gebe als früher. Dies hänge mit den EU-Förderrichtlinien zusammen, erläuterte Erdbeerbauer Per Sander. Und er berichtete nach Kritik an seinen Folientunneln: In den Tunneln könne viel ökologischer als im Freien gearbeitet werden, weil nicht gespritzt werde und Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen erfolge. Die Folien würden zudem zum Großteil recycelt.Dass die Landwirte – auch in Gestorf – ihre Felder zu bestimmten Zeiten viel spritzen und düngen, wie es einige Gestorfer Bürger bemängelten, setzten die Bauern ihre Auffassungen entgegen. „Die Flächen werden genutzt, um Lebensmittel zu produzieren, nach genauen Vorgaben“, so von Ilten-Ausmeyer. Es sei schwierig, in der freien Natur Pflanzen anzubauen, ohne sie gegen Schädlinge oder Pilze zu spritzen.

Die Landwirte wollen jetzt die Beiträge besprechen und den Dialog fortsetzen. Und im Frühsommer jeden, der Lust hat, auf Traktor oder Mähdrescher mitfahren lassen.

Von Anne Brinkmann-Thies