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Stadt Hannover Eltern kritisieren Notlösung in Kita
Aus der Region Stadt Hannover Eltern kritisieren Notlösung in Kita
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00:22 27.01.2019
Der Betrieb in der Kita St. Johannis läuft wieder rund – trotzdem gibt es Unmut. Quelle: FOTO: Samantha Franson
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Bemerode

Gleich drei Erzieherinnen verließen im Dezember die Kita St. Johannis, 47 Kinder verloren zeitweise ihren Betreuungsplatz. Nun können alle 90 Kinder wieder betreut werden, die drei freien Erzieherstellen sind vorübergehend besetzt und eine Bewerberin tritt ihren unbefristeten Einsatz ab April an – eigentlich ein Grund zur Freude in der Gemeinde St. Johannis. Doch Eltern kritisieren den Umgang des kirchlichen Trägers mit dem Personalmangel. Dieser müsse endlich aktiv mit den Eltern in Dialog treten – und von der Kirchenmitgliedschaft als Einstellungsvoraussetzung für Erzieher absehen.

Kurzfristiges Aufatmen

Den Vorwürfen ging – wie berichtet – eine monatelange, ergebnislose Personalsuche voraus. Nun sorgt eine Übergangslösung kurzfristig für Aufatmen: In einem Schreiben an die Eltern verkündet Kita-Leiterin Esther Michelhans, dass zwei Stellen vorübergehend mit Zeitarbeitskräften besetzt werden konnten, eine Erzieherin steht seit Anfang Januar für Bedarfseinsätze zur Verfügung. Einige Bewerberinnen wurden zu Hospitationen in der Kita eingeladen, eine von ihnen tritt ab April eine unbefristete Stelle an – das ist auch das Ziel für die zwei weiteren Erzieherstellen.

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Kritik an Bewerbungskriterien und Kommunikation

Dass eben diese noch nicht besetzt sind, trifft seitens der Eltern auf Kritik. Grund für die schleppende Suche sei, dass die Kirchengemeinde St. Johannis „keine nennenswerte Unterstützung“ bei der Personalsuche leiste, so eine Mutter. Dabei ließe sich die Suche nach Erziehern leicht beschleunigen: Der kirchliche Träger solle endlich auch Bewerber ohne Kirchenmitgliedschaft einladen. Das lehnt die Gemeinde allerdings nach wie vor ab – es gebe genug Interessenten mit der vorausgesetzten Konfessionszugehörigkeit. Entgegen der Vorwürfe gebe die Gemeinde ihr Bestes, um die Stellen zu besetzen. „Die Kita ist bei uns Priorität Nummer eins“, so Pastor Ole Großjohann. Man versuche außerdem alles, um die Eltern zu informieren und schicke wöchentlich Briefe und Mails.

Doch genau diese Art der Kommunikation stößt auf Kritik: „Eine E-Mail ersetzt keinen Dialog“, beklagt ein Elternteil – statt des Schriftverkehrs sei eine Stellungnahme oder Informationsveranstaltung für einen umfangreichen Austausch mit den Eltern wünschenswert. Generell fühlen die Eltern sich „unbefriedigend informiert“. Der Vorwurf mangelnder Kommunikation besteht allerdings von beiden Seiten: Großjohann bedaure, dass „Unstimmigkeiten nicht direkt mit der Gemeinde, einem Mitglied des Kirchenvorstands oder einem der drei Pastoren“ geklärt würden.

Fehlende Hilfe der Politik

Die Gemeinde wünscht sich außerdem mehr Unterstützung vonseiten der Politik. Bereits Ende November hatte Kultusminister Grant Tonne im NDR-Interview eine „pragmatische Lösung für die Einrichtung“ angekündigt. Seither habe man diesbezüglich allerdings nichts mehr gehört und es sei absolut nichts passiert, so Großjohann.

Der Mangel an Betreuungspersonal in Kitas ist nicht nur in Hannover ein Problem. Deutschlandweit sind Kitas gezwungen, neue Plätze nur mit langen Wartezeiten zu vergeben, ihr Betreuungsangebot zu reduzieren oder gänzlich zu schließen. Um den jetzigen Betreuungsstandard zu halten, brauche man laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bis 2025 zusätzlich 300 000 Erzieherinnen und Erzieher. Für eine Qualitätsverbesserung seien sogar 500 000 Fachkräfte benötigt.

Von Jacqueline Hadasch