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Stadt Hannover Betrugsverdacht: Firma kassiert, liefert aber keine Ware
Aus der Region Stadt Hannover Betrugsverdacht: Firma kassiert, liefert aber keine Ware
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00:18 31.08.2018
Bei den Behörden liegen inzwischen Dutzende Strafanzeigen gegen den Mitarbeiter vor, Quelle: Symbol
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover ist derzeit einem dreisten Betrüger auf der Spur. Die Behörde ermittelt gegen Thomas H., der im Verdacht steht, über eine inzwischen insolvente Firma in Isernhagen Fenster und Garagentore verkauft, die Ware nie geliefert und die Anzahlung für die Lieferung einbehalten zu haben. Dutzende Strafanzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet liegen inzwischen gegen H. vor, die von den Strafverfolgern der niedersächsischen Landeshauptstadt zentral bearbeitet werden. Unterdessen führt Thomas H. seine dubiosen Geschäfte trotz der gegen ihn geführten Ermittlungen fort.

Von einer anderen Firma in Laatzen aus vertreibt er weiter günstige Fenster und Garagentore. Eigenen Angaben zufolge ist Thomas H. bei dieser Firma lediglich angestellt. Burkhard Günther aus Salzgitter hatte dort zehn Fenster für sein Haus bestellt. Ende April schloss er den Kaufvertrag ab und zahlte, wie mit vereinbart, die Hälfte des Kaufpreises in Höhe von 2500 Euro an. Bis spätestens Ende Juni sollten die Fenster geliefert werden, versprach Thomas H. damals. Als dieser Termin verstrichen war, ohne dass in Salzgitter auch nur ein Fenster montiert worden war, versuchte Burkhard Günther immer wieder, seinen Ansprechpartner bei der Fensterfirma zu erreichen. „Ich landete nur bei verschiedenen Mitarbeiterinnen eines Call-Centers“, sagt Günther.

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Mitarbeiter drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen

Schließlich teilte Thomas H. dem Kunden aus Salzgitter einen neuen Montagetermin für die Fenster mit. Zwischen dem 23. und dem 28. Juli sollte der Einbau über die Bühne gehen. Burkhard Günther und seine Familie strichen den gebuchten Urlaub, in der Hoffnung, die Angelegenheit endlich abschließen zu können. Doch auch dieser Termin verstrich, ohne dass etwas an dem Haus passierte. Um die Anzahlung über die Bank zurück fordern zu können, war es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät. Burkhard Günther machte sich auf den Weg zu der Fensterfirma in Laatzen, um den Fall zu klären. „Unter der im Internet angegebenen Adresse ist die Firma nicht zu finden – sondern nur ein Steuerbüro mit ähnlichem Namen“, sagt Günther. Inzwischen hat auch er Strafanzeige gegen Thomas H. wegen Betrugs bei der Polizei erstattet.

Der Chef des Steuerbüros ist auch der Geschäftsführer der betroffenen Fensterfirma. Über seinen Rechtsanwalt lässt er mitteilen, bei der Einstellung von H. sei das Ausmaß der gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe nicht bekannt gewesen. Lediglich eine Strafanzeige im Zusammenhang mit einem gegen H. im Jahr 2017 eröffneten Insolvenzverfahrens sei bekannt gewesen. Aufgrund der neuen Erkenntnisse drohten dem Mitarbeiter arbeitsrechtliche Konsequenzen. Im Fall von Burkhard Günther aus Salzgitter seien bei der Auftragsabwicklung Fehler unterlaufen. Die Firma bedauere den Einzelfall. Die Anzahlung werde Burkhard Günther unverzüglich erstattet.

Wann die Ermittlungen gegen Thomas H. abgeschlossen sein werden, ist bislang schwer einzuschätzen. „Wir müssen in jedem Fall nachweisen können, dass bereits beim Erhalt der Anzahlung die Absicht bestanden hat, die Ware nicht zu liefern“, sagt Oliver Eisenhauer, der Sprecher der hannoverschen Staatsanwaltschaft. Bei Betrug im besonders schweren Fall kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Von Tobias Morchner

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