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Stadt Hannover Nach Hausbrand: „Gott sei Dank lebe ich noch“
Aus der Region Stadt Hannover Nach Hausbrand: „Gott sei Dank lebe ich noch“
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00:15 27.12.2018
„Der Rest ergibt sich“: Roger Lawson verlor am 14. Dezember sein Zuhause, weil ein Brandstifter das Haus in der Oststadt angezündet hat. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Ein lauter Knall. Das ist das erste, das Roger Lawson hört. „Ich dachte zuerst an ein Gewitter“, sagt der 37-Jährige. Doch dann riecht er Feuer, geht auf den Balkon seiner Hochparterre-Wohnung und schaut nach oben: Über ihm brennt die dritte Etage, kurz darauf schrillen die Rauchmelder los. Lawson ist einer der 24 Mieter, die am 14. Dezember durch den Brand in der Oststadt obdachlos wurden. „Ich habe mich schnell angezogen und bin rausgerannt.“ Und mit ihm die übrigen Bewohner.

Was in jener Nacht gegen 5 Uhr geschah, wird Lawson nie vergessen. „Manchmal habe ich noch Déjà-vu-Erlebnisse“, sagt der gebürtige Togolese. Er zuckt seitdem immer leicht zusammen, wenn er etwas knallen hört. Auch bei Rauch in der Luft, der etwa durch die vielen Kamine im Winter zu riechen ist, denkt Lawson an die Kronenstraße zurück. Nur zehn Tage vor Weihnachten verlor er sein Zuhause. Eigentlich sollte seine Familie aus Frankfurt und Hamburg zum Feiern nach Hannover kommen, daraus wird nun nichts. „Keine Ahnung, was wir jetzt machen“, gesteht der 37-Jährige. Es laufe vermutlich auf ein gemütliches Weihnachtsfest bei Freunden hinaus.

Schäden durch Wasser und Rauch

Dort kam Roger Lawson nämlich sofort nach dem Brand unter. Eine Arbeitskollegin stellte ihm ein Bett zur Verfügung, seitdem lebt der 37-Jährige aus seiner Reisetasche. „Nach dem Feuer durften wir zunächst nur kurz zurück in unsere Wohnungen, um das Nötigste einzustecken“, sagt er. Während die Flammen die zweite und dritte Etage zerstörten, richteten in seiner Wohnung das Löschwasser und der Rauch massive Schäden an. An der Decke sind riesige Wasserflecken zu sehen, im Esszimmer kam sogar die Tapete von den Wänden.

Schon am nächsten Tag kennt die Polizei den Grund für das verheerende Feuer: Es war Brandstiftung. Der 51-jährige Mieter der Wohnung, in der die Flammen ihren Anfang nahmen, soll Unmengen an Brandbeschleuniger angezündet haben. Das erklärt auch den Knall. Bereits in der Brandnacht war der Verdächtige verschwunden – als einziger der 24 Mieter. Seither fahndet die Polizei nach ihm. Es soll Streit mit dem Vermieter gegeben haben, der 51-Jährige hätte seine Wohnung zum 30. November räumen sollen. Lawson beschreibt den Mann als „laut und aggressiv“.

Der 37-Jährige will gar nicht daran denken, was alles hätte passieren können. „Das Feuer war geplant“, sagt Lawson. Nicht auszumalen, hätte sich der Verdächtige an der Gasleitung des Hauses zu schaffen gemacht. „Dann wären wir jetzt wahrscheinlich alle tot.“ Daran denkt er jetzt jeden Morgen und sagt sich: „Gott sei Dank lebe ich noch.“ Zwar sei sein Besitz nicht zu ersetzen, „aber kaputt ist kaputt“. Zehn Jahre lebte er in seinen zwei Zimmern, dazu ein kleiner Balkon mit Blick in den Garten im Hinterhof. „Sehr schön.“ Sechs Monate, sage der Vermieter, dauert die Sanierung. Bis dahin soll eine Ein-Zimmer-Wohnung her, Lawson will seinen Freunden nicht zur Last fallen. „Eine bis zwei Wochen sind okay.“

Humor ist ganz wichtig

Lediglich der Kleiderschrank aus dem Schlafzimmer, ein Regal, der Esstisch und die Stühle haben den Brand überstanden. Doch einiges ist durch das Löschwasser aufgequollen. Lawson will erst später in Ruhe schauen, was noch zu benutzen ist. Bis dahin kommt alles in einen angemieteten Lagerraum. So ein plötzliches Ereignis mache völlig ratlos, sagt er. „Du stehst da und weißt nicht, was du machen sollst.“ Bei einem Umzug bereite man sich vor, sortiere, schmeiße weg. „Doch jetzt ist es, als wäre eine Bombe eingeschlagen.“ Doch der Rest ergebe sich, seine Gesundheit sei das wichtigste. „Der Rest ergibt sich“, so Lawson.

Und doch kann der 37-Jährige dem schweren Schicksalsschlag etwas Positives abgewinnen: „Ich wollte sowieso demnächst renovieren.“ Mit einem Freund hatte er schon vor dem Feuer über neue Tapeten gesprochen. „Jetzt habe ich einen Grund“, sagt Lawson und grinst. Gerade in solch einer Situation sei Humor ganz wichtig: „Sonst gehst du kaputt“.

Von Peer Hellerling

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