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Stadt Hannover Feuerschale statt Osterfeuer: Verschwindet die Tradition aus Hannover?
Aus der Region Stadt Hannover Feuerschale statt Osterfeuer: Verschwindet die Tradition aus Hannover?
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00:21 14.04.2019
In Hannover brennen 2019 nur noch 44 Osterfeuer. Quelle: Archiv
Hannover

Dieses Jahr brennen Ostersonnabend nur noch 44 Osterfeuer in Hannover. Verschwindet still und leise eine alte Tradition? 2018 hatte die Stadt noch 47 dieser Veranstaltungen genehmigt. Im Jahr 2016 loderten sogar noch 50 Feuer im Stadtgebiet. Meist sind es Sport- oder Kleingartenvereine, manchmal auch Ortsfeuerwehren, Nachbarschaften und Kirchengemeinden, die die Osterfeuer in den Stadtteilen ausrichten. Und vielen Ehrenamtlichen fällt es zunehmend schwer, die Arbeit für das gesellige Zusammentreffen zu leisten. Auch im Umland finden sich immer weniger Helfer. In Langenhagen-Engelbostel hat dieses Jahr kein Verein mehr die Organisation übernommen.

Feuerschalen machen weniger Arbeit  

Auf Feuerschalen statt Osterfeuer schwenkt die Sportgemeinschaft von 1874 in der Nordstadt deshalb nach mehr als 15 Jahren um. „Bei uns war bisher eine ganze Fußballmannschaft im Einsatz, hat morgens Holz angenommen und den Stapel später umgeschichtet wegen der Tiere, die sich dort verstecken könnten“, berichtet Vorsitzender Reinhard Schwitzer. Besonders viel Aufwand bereite es, grüne Zweige und Holz von immergrünen Sträuchern auszusortieren. „Die Kleingärtner liefern die Sachen an und wir müssen den Müll rausfischen, denn mit dem Grünzeug gäbe es ordentlich Rußentwicklung und Feinstaub.“ Den eigenen Strauchschnitt lassen die Sportler dagegen seit Herbst trocknen. „Wir haben früher sogar behandeltes Holz oder alte Autoreifen aus dem Stapel rausgeholt, in den vergangenen Jahren kam das allerdings nicht mehr vor“, erzählt Schwitzer. Um die Entsorgung musste sich dann der Verein kümmern.

Tradition mit Risiko

In Hannover dürfen beim Osterfeuer nur überwiegend trockene Äste und Stämme verbrannt werden. Noch biegsame Zweige sind verboten, ebenso Äste mit Blättern sowie Gartenabfälle. Auch Papier, behandeltes Holz, Paletten und Kisten gehören nicht ins Osterfeuer. Wenn aufkommender Wind oder Rauchentwicklung den Straßenverkehr oder die Nachbarschaft gefährden oder belästigen, müssen die Veranstalter das Feuer sofort löschen. Veranstalter müssen denselben Brennplatz wie im Vorjahr nutzen, der vier Quadratmeter Grundfläche nicht überschreiten darf.

Die Stadt genehmigt im Prinzip nur Traditionsfeuer, die bereits seit etlichen Jahren stattfinden. Wenn Veranstalter einmal aussetzen, wird das akzeptiert. Fällt das Osterfeuer jedoch zweimal oder häufiger aus, stehen die Chancen für eine erneute Erlaubnis schlecht.

Die Feinstaubbelastung steigt während der Osterfeuer jedes Jahr massiv an. Ärzte warnen deshalb besonders Menschen mit Atemwegserkrankungen davor, Osterfeuer zu besuchen. Auch bisher nicht geschädigten Besuchern wird zur Vorsicht geraten, da es ungesund ist, den Rauch direkt einzuatmen.

Bis zu zehn Vereinsmitglieder bewachten abends das Feuer, damit die Kinder nicht in die Flammen fallen und es gut abbrennt. Der 72-jährige Schwitzer selbst harrte bis kurz vor Mitternacht aus, um das Feuer schließlich zu löschen. „Das packen wir nicht mehr. Wir haben weniger Leute, viele fahren in Urlaub.“ Teils kamen rund 300 Gäste auf den Vereinsparkplatz hinter dem Großen Garten, für die Getränke und Essen angeschleppt wurden. Das fällt jetzt weg. Feuertonnen und Schalen stehen direkt am Klubheim.

Vereine tragen finanzielles Risiko

Den Aufwand für Auf- und Abbau von Zelten und Ständen spart sich dieses Jahr auch der Kleingartenverein Hahnenburg in Kirchrode. „Das ist schon ein ganz schöner Wanderzirkus bis zur Feuerstelle“, sagt Vereinschef Michael Otto. Bisher zahlte er den Helfern eine Aufwandsentschädigung. Weil jedoch 2018 nur wenige Gäste zum Osterfeuer kamen, mussten Verein und Wirt Geld drauflegen. Dieses Jahr stehen deshalb schlicht Feuerschalen am Vereinsheim. Dafür muss Otto keine kostenpflichtige Genehmigung einholen und auch die Feuerwehr nicht informieren.

Es rücken keine jungen Helfer nach

Bereits 2018 hat die Schützengesellschaft Wülfel von 1896 nach Querelen mit der Stadt aufgegeben. Wohl 50 Jahre lang hat der Verein das Osterfeuer in Wülfel mit oft rund 700 Besuchern ausgerichtet. „Wir haben die Kraft nicht mehr. Und an diesem Bitten und Betteln haben wir auch keinen Spaß“, sagt Vereinsvorstand Erich Knoke. Vergangenes Jahr hatte die Stadt nach einem Hinweis auf Grünschnitt im Osterfeuerstapel den Wülfelern zunächst keine Genehmigung erteilt. Als die Erlaubnis kurz vor Ostern doch noch kam, wollten die Schützen nicht mehr.

Der Ärger gab den Anstoß zum Aufhören. Ein tieferer Grund ist jedoch das hohe Alter der Ehrenamtlichen, die meist weit über 70, manche auch über 80 Jahre alt sind. Und ein wenig liegt es auch am nachlässigen Verhalten der Anlieger. „Die Leute legen bei Nacht und Nebel noch grünen Baumschnitt am Feuerplatz ab und wir müssen ihm wieder rauszerren“, berichtet Knoke. Der 76-Jährige ist in Wülfel geboren, kennt dort so ziemlich jeden. Wenn er über den Wochenmarkt schlendert, drücken viele Wülfeler ihr Bedauern über das Ende des Osterfeuers aus. Knoke will dieses Jahr Ostern fern von Hannover verbringen. „Wir sind immer noch traurig, aber alles hat ein Ende, wenn man keine Leute findet, die mit anpacken.“

Faust feiert Ostersonnabend

Auf dem Faustgelände in Linden brennen die Feuer dieses Jahr ausnahmsweise am Ostersonnabend statt wie sonst am Ostersonntag. Dort kommen jedes Jahr bis zu 3000 Besucher. Als Osterfeuer gilt die Veranstaltung dennoch nicht, eine Genehmigung müssen die Macher nicht einholen. Das Feuer befindet sich in einer großen und mehreren kleinen Metallschalen, die über das Gelände verteilt sind.

Die Veranstaltung „Faust Lichterloh“ läuft am 20. April ab 18 Uhr bis circa 22 Uhr. „Wir konnten das nicht anders machen, denn Sonntag haben wir ein Handcore-Metall-Konzert, das bereits um 17 Uhr beginnt“, sagt Geschäftsführer Hans-Michael Krüger.

Von Bärbel Hilbig

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