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Stadt Hannover Brüder wegen Menschenhandels verurteilt
Aus der Region Stadt Hannover Brüder wegen Menschenhandels verurteilt
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17:57 05.01.2015
Schuldig gesprochen: Die Brüder Mustafa H. (r) und Ferdi H. haben drei Frauen eingesperrt, misshandelt und zur Prostitution gezwungen. Quelle: dpa
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Nach Überzeugung des Landgerichts hat das Brüderpaar drei Frauen im Alter zwischen 19 und Anfang 20 eingesperrt, misshandelt und zur Prostitution gezwungen.

Dem Urteil war eine Verständigung der Prozessbeteiligten vorangegangen, um das im Oktober gestartete Verfahren abzukürzen. Dabei wurden Höchststrafen festgelegt, im Gegenzug legten die beiden Angeklagten ein Geständnis ab. Als Zeuginnen im Gerichtssaal hatten die jungen Frauen ihre ehemaligen Zuhälter nicht nur belastet. Der Anklagepunkt Vergewaltigung gegen den 31-Jährigen wurde eingestellt, weil das mutmaßliche Opfer widersprüchliche Angaben machte.
Staatsanwältin Regina Steig sagte in ihrem Plädoyer, es bleibe dennoch der Verdacht, dass weitere Frauen von dem Brüderpaar ausgebeutet wurden. Die Anklagevertreterin hatte Freiheitsstrafen von drei Jahren für den älteren und zwei Jahren für den jüngeren Bruder gefordert. Die Verteidigung hatte für zwei Jahre und sechs Monate beziehungsweise ein Jahr und acht Monate plädiert.

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Im Jahr 2013 gab es bundesweit 425 polizeiliche Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung. Der Polizei zufolge kommen nur wenige Verfahren überhaupt zur Anklage, weil ein Großteil der Opfer aus Angst vor den Tätern nicht zur Aussage bereit ist. Auch der Vorsitzende Richter Frank Rosenow sagte am Montag, derartige Verfahren seien ein „schwieriges Geschäft“.

Trotz Sprachschwierigkeiten und zurückhaltender Zeuginnen gab der Prozess einen Einblick in das Dunkelfeld Menschenhandel. Eine der Frauen arbeitete zunächst als Prostituierte in Hamburg und überwies dem 34-Jährigen regelmäßig ihre gesamten Einkünfte. Als sie den Versuch unternahm, einen Teil des Geldes für sich zu behalten, drohte der Zuhälter, „ihr die Beine zu brechen und sie in den Rollstuhl zu bringen“, sagte Richter Rosenow. Die junge Frau zahlte laut Anklage binnen eineinhalb Jahren 80 000 bis 90 000 Euro an die Brüder. Selber lebte sie zeitweise nur von Mandarinen.

lni

06.01.2015
Jörn Kießler 22.01.2015