Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Keine Noten, kein Sitzenbleiben: Bündnis will neue Schule für Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Keine Noten, kein Sitzenbleiben: Bündnis will neue Schule für Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:15 21.09.2018
Hannover braucht eine Modellschule, findet das Schulbündnis (v.l.): Susan Bartels de Pareja, Gisela Vaske-Hoppe, Rudolf Kleine-Huster und Marein Kaminski. Quelle: Moritz Frankenberg
Anzeige
Hannover

Warum schon wieder ein Gymnasium? Ein Bündnis aus Lehrern, Eltern, Schülern und Gewerkschaftern macht sich für eine Schule neuen Typs in Hannover stark. Lehrervertreterin Susan Bartels de Pareja, die selbst an der Grundschule Ahlem unterrichtet, will bei der nächsten Sitzung des Schulausschusses der Stadt den Antrag des „Bündnisses für eine Schule der Kulturhauptstadt“ einbringen. Es soll eine weiterführende vierzügige Schule mit Primarstufe sein. Das Bündnis plädiert für eine Modellschule. Nach 40 Jahren werde es dafür auch mal wieder Zeit, sagt Rudolf Kleine-Huster, didaktischer Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kronsberg. Damals war die Glockseeschule gegründet worden.

Wieso leistet sich die Stadt keine Schulentwicklungsabteilung?

Überhaupt gibt es in ganz Niedersachsen nur zwei Modellschulen, neben der Glockseeschule noch eine IGS in Göttingen. „Andere Kommunen wie zum Beispiel München sind da viel weiter“, sagt Kleine-Huster. „Jedes größere Unternehmen hat eine Entwicklungsabteilung“, sagt Rudi Thomann, stellvertretender Leiter der IGS Kronsberg. „Warum gönnt sich die Stadt Hannover so etwas nicht?“

Anzeige

Keine Noten, kein Sitzenbleiben

Nur wenn eine Schule Modellschule ist, kann der Schulträger, also die Stadt Hannover, auch inhaltlich auf die Entwicklung Einfluss nehmen. Ansonsten ist der Schulträger nur für „das Gebäude, den Hausmeister und die Sekretärin“ zuständig, wie Maren Kaminski, Sprecherin des Bündnisses, sagt. Ideen für die Ausgestaltung der „Leuchtturmschule“ hat das Bündnis viele. Elternvertreterin Gisela Vaske-Hoppe wünscht sich eine Schule, in der die Lehrer-Kind-Beziehung mehr zählt als Zensuren. Eine Schule ohne Noten, ohne Sitzenbleiben, in denen die Schüler nicht in festen Klassen nach Jahrgängen geordnet, sondern altersübergreifend in Gruppen lernen, nicht in Deutsch- und Mathematikstunden, sondern in Projekten. Mindestens von Klasse 1 bis 10 sollte die Modellschule gehen, eine Oberstufe wäre auch wünschenswert.

Gymnasien nur in den unteren Jahrgängen überfüllt

Mit seinem Antrag reagiert das Bündnis auf einen Antrag des Ampelbündnisses aus SPD, Grünen und FDP für ein neues Gymnasium, das reformpädagogisch und inklusiv arbeiten soll. Ein 18. Gymnasium ist nötig, weil bis zum Schuljahr 2023/24 nach Angaben von Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski rund 150 Plätze im 5. Jahrgang fehlen werden. Das Gymnasium ist mit mehr als 54 Prozent die Schulform, die von Eltern angehender Fünftklässler mit Abstand am meisten angewählt wird. Völlig offen ist noch, wo das neue Gymnasium entstehen soll. Am Schützenplatz in Bemerode könnte die Stadt noch ein Areal bebauen lassen, aber entschieden ist noch nichts. Das Ampel-Bündnis will zwei Standorte prüfen lassen.

Das Schulbündnis verweist darauf, dass zwar im 5. Jahrgang die Gymnasien überfüllt seien, sich das in den höheren Klassenstufen ändere, da seien aber die Gesamtschulen voll und könnten keine Kinder mehr aufnehmen, die am Gymnasium scheiterten. Es gebe an den Gymnasien insgesamt derzeit 1158 offene Plätze, sagt Kaminski. Deshalb sei nicht klar, warum in Hannover noch ein weiteres Gymnasium entstehen soll.

Gymnasien sollten in Jahrgang 5 aufs Sitzenbleiben verzichten“

Auch die IGS-Schulleiter wehren sich gegen die Gründung eines weiteren Gymnasiums. Ihre Begründung: Rund ein Zehntel der Schüler verließe das Gymnasium, dadurch würden die Klassen in den höheren Jahrgängen kleiner, während die anderen Schulformen wie Gesamt- und Oberschulen aus allen Nähten platzten. Das sei ungerecht, zumal an diesen Schulen viele Kinder aus ärmeren und ausländischen Familien kämen oder ein Handicap hätten und in kleineren Lerngruppen besser gefördert werden könnten. Während an diesen Schulen rund zehn Prozent der Schüler einen sonderpädagogischer Unterstützung hätten, seien am Gymnasium nur 0,25 Prozent. Ab Klasse 7 sei das 18. Gymnasium völlig überflüssig. Das Problem lasse sich ganz einfach lösen, meinen die IGS-Leiter: Die Gymnasien sollten in Jahrgang 5 einfach auf das Sitzenblieben verzichten. Nicht zuletzt wegen 150 Wiederholern seien die Gymnasien in Jahrgang 5 so voll.

Von Saskia Döhner