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Stadt Hannover Entscheidung für neues Fössebad vertagt
Aus der Region Stadt Hannover Entscheidung für neues Fössebad vertagt
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00:17 15.06.2017
Von Andreas Schinkel
Das Außenbecken des Fössebads ist seit Jahren still gelegt. Jetzt soll es nach den Plänen von Stadt und Ratsmehrheit ganz verschwinden. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der Sitzung des Sportausschusses am Montagnachmittag wohnen etliche Besucher aus dem betroffenen Stadtbezirk Linden-Limmer bei. Vor der politischen Debatte um den Neubau hat Bezirksbürgermeister Rainer Grube eine Liste mit insgesamt 4320 Unterschriften für den Bau eines Freibads auf den Tisch gelegt. Die Stadt plant derzeit, auf ein Außenbecken aus Kostengründen zu verzichten. "Ein Freibad kostet uns zwei Millionen Euro zusätzlich, hinzu kommen 350 bis 360 000 Euro Betriebskosten pro Jahr", sagt Sportdezernentin Konstanze Beckedorf. Aus dem Publikum erheben sich mehrere Stimmen, die befürchten, dass sich das Fössebad in ein reines Sportbad verwandelt.

Tatsächlich will die Stadt ein 50-Meter-Becken bauen und eine Tribüne errichten. Rund 20 Millionen Euro Investitionskosten sind dafür kalkuliert. Damit hätte Hannover neben dem Stadionbad eine zweite Stätte für internationale Schwimmwettkämpfe.

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"Wir bauen ein Bad für den Stadtbezirk und nicht ausschließlich für den Sport", sagt Beckedorf. Bei den Öffnungszeiten werde man genau darauf achten, dass nicht nur Vereine zum Zug kommen. Eine Sauna, wie sie sich der Bezirksrat wünscht, rentiere sich nicht. "Wir müssten sehr viel Geld investieren, um auf 30 000 Besucher pro Jahr zu kommen", sagt Beckedorf.

Das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP will zumindest die nötigen Anschlüsse für ein Außenbecken legen lassen. Zudem soll die Liegewiese mit Wasserspielen für Kinder ausgestattet werden. Doch ihre Forderungen kann die Ampel erst nach den Sommerferien zur Abstimmung stellen.

Sorgfalt geht vor Schnelligkeit, meint die CDU. "Für uns ist es wichtig, die Stimmung aus dem Stadtbezirk aufzunehmen und uns Zeit für Änderungsvorschläge zu nehmen", sagt CDU-Sportpolitiker Thomas Klapproth. Fünf Jahre sei das Freibecken im Fössebad jetzt schon geschlossen, da hätten die Lindener ein neues Freibad verdient. "Die Menschen wollen unter freiem Himmel schwimmen", sagt Klapproth und erntet Applaus von den Zuschauerbänken.

Der CDU-Haltung schließen sich die Gruppe Linke/Piraten, die Satirepartei "Die Partei", die AfD und die "Hannoveraner" an. Sie machen sich für den Beschluss des Bezirksrats mit seinen Maximalforderungen stark: Freibad, Sauna und 50-Meter-Becken. Zur Finanzierung schlägt die Linke vor, auf einen Tribünenbau zu verzichten.

Bei den Ampel-Partnern löst das Kopfschütteln aus. "Wir können nicht über einem Bad das Füllhorn ausgießen, und die Bäder in anderen Stadtbezirken fallen herunter", sagt SPD-Sportpolitiker Angelo Alter. Im Übrigen habe die CDU vier Wochen Zeit gehabt, eigene Vorschläge zu entwickeln. "Vielleicht fällt Ihnen noch etwas anderes ein, etwa ein kommunaler Wasserrutschenpark", sagt Alter bissig. Auch Grüne und Liberale sind konsterniert. "Wir verlieren mindestens zwei Monate", sagt Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert.

Andreas Schinkel 15.06.2017
Conrad von Meding 12.06.2017